KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 2 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 18 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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18 die Besonderheit ihrer Träger gebietet, und Böllern Wege vorschreiben zu wollen, die die nationalen Formen übersehen, ihnen Aufgaben auszwingen zu wollen, zu denen ihre Sonderanlage - sie nicht befähigt, bedeutet eine Schwächung ihrer Kulturfähigkeit. Chinesen werden auf anderem Wege Kutturwerte schaffen als Italiener, und die Produkte ihrer Tätigkeit werden gleichfalls verschieden sein müssen. Fraglich wird nur der Ursprung der Kräfte sein. Frellich hängt die Beantwortung dieser Frage von dem Wesen der Nation ab. Wenn diese lediglich die Zusammenfassung jener Menschen bedeutet, die — unter besonderen Umständen dürfen natürlich auch einzelne der drei ersten Merkmale fehlen — auf gemeinsamem Boden, in gleicher Sprache eine wirtschaftliche Einheit bilden und in ihrem politischen wie in ihrem Kulturwillen übereinstimmen, so ist die Lösung leicht. Wird aber die Nation durch Abstammung oder gar durch Rasse bestimmt, so türmen sich in der Kulturfrage die Schwierigkeiten zu ganzen Bergen. In ersterem Falle wird der Wert einer Kulturleistung lediglich durch die Möglichkeit der Einpassung in das Ganze bestimmt. Die Nation besteht aus Millionen von Einzelwesen, die allesamt ihre verschiedenartigen und individuellen Kräfte einer gemeinsamen Aufgabe widmen. Die Möglichkeit, daß sie sich nicht einfügen, ist durchaus gegeben, und Kulturarbeit, die entweder ihrer Form nach nicht in den nationalen Rahmen hineinpaßt oder die sich den sittlichen Forderungen der übergeordneten allgemeinen Kultur nicht unterwirft, ist entweder unbrauchbar oderschädlich, und darum nicht als Kulturarbeit zu rechnen. Daß diese Auffassung historisch die richttge ist, wird dadurch bewiesen, daß alle großen Kulturen Mischkulturen waren und sind. Insbesondere geht der unendliche Reichtum der deutschen Kultur auf diesen Grundcharatter zurück. Wie zum politischen Aufbau Deutschlands germanische, slawische und romanische Elemente— heute unentwirrbar untereinandergemischt — beigettagen haben, so laufen in seiner religiösen, künstlerischen, wissenschaftlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Kultur Hunderte von oft durchgreifenden Einflüssen zusammen, die aus der Fremde hineingetragen worden sind. Und dieser Fülle verdantt sie ihre wunderbare Kraft. Es kommt lediglich aus den Willen bei dem Einzelnen oder einem Bevöllerungsteil an, die ganze Kraft in den Dienst des nattonalen Kulturstrebens zu stellen, und damit erobert sich der Beittag seine Stellung im Ganzen. Die Kulturkraft dagegen aus das Merkmal der Abstammung zurückführen zu wollen, ist unhaltbar. Zunächst ist es mehr als schwierig, die Abstammung festzustellen, und nur wenige wissen bei einer Untersuchung ihrer Herkunft über ihre Urgroßväter etwas Sicheres zu sagen. Wenn — um ein uns interessierendes Beispiel herauszugreifen — im neunzehnten Jahrhundert sich nach der Zählung der Judenmission eine Viertelmillion Juden haben taufen lassen, so liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, daß kaum eine deutsche Familie ohne jüdischen Einschlag vorhanden ist, und gäbe es wirklich ein „Semitenserum", so würde mancher völkische Verband sich aus Mangel an Mitgliedern auflösen. Soll aber die Raffe bestimmend sein, so ist alles noch unklarer und schwerer. Selbst wenn es wirklich reine Rassen gibt, haben sie — die Neger beweisen es — entweder für die Kultur ihres Kreises und erst recht der Welt nichts geleistet, oder sie sind — wie bei den Chinesen und Indern — nach verheißungsvollen Ansätzen erstarrt. Fähigkeit zur Kultuttat scheint keine Eigentümlichkeit reiner Rassen zu sein. Weiterhin ist aber wissenschaftlich keineswegs bewiesen, daß Kulturdispositton in bestimmter Richtung an den Rassen hastet. Es steht unzweifelhaft fest, daß die Völker besondere Veranlagungen haben. Der alten Juden religiöse Bedeutung ist ebensowenig in ihrer scharfen Ausprägung zu übersehen, wie der Hellenen und Italiener Begabung für die Kunst, der Deutschen Stellung' in der Philosophie und Musik. Daß aber diese besonderen Neigungen und Kräfte nicht mit der Rasse, sondern lediglich mit der historischen und geographischen Lage sowie den wirtschaftlichen Bedingungen Zusammenhängen. ergibt sich ja klar daraus, daß die Teile aufgelöster Volksgemeinschaften keineswegs die ursprünglichen Eigenschaften sich bewahren und daß diese sich auch im Laufe der Jahrhundette ändern. Die Italiener von heute sind ihrer Rasse nach die Italiener des Cinquecento, aber die alte Kraft lebt in ihnen nicht mehr. Spezifische Begabung hastet an den Böllern eben auch nicht dauernd und sie den Rassen zuzuschieben. ist lediglich eine arge wissenschaftliche Verirrung. Die deutsche Kultur ist abhängig von der Arbeit aller Teile des deutschen Volles, und da die Juden durch Sprache. Aufenthalt, Wirtschaftseinheit, polittsche Einfügung und in allererster Reihe durch kulturellen Willen zu ihm gehören, ist ihr Kulturbeittag dementsprechend zu bewerten. Die deutsche Kultur kann man einem Mosaikbilde vergleichen, in dem es Tausende von Steinchen in den verschiedensten Farben gibt —. alle in Größe, Tönung und Gestatt voneinander abweichend — die sich aber zu einem einheitlichen Bilde zusammenfügen. Was der