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KC-Blätter · 1924-05-01 · Heft 2 (Mai 1924) · p. Seite 15

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Journal
KC-Blätter
Volume
1924
Issue
Heft 2 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 15 (sequence 5)
Language
German
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15 gerader, aufrichtiger, anständiger Mann und Bürger dienlich sein kann. Nur verwaschene, nur halbe, nur solche Menschen, die ohne Freiheitswillen dumpf in ihrer Llmwelt wurzeln und nicht aus ihr heraus können, sind die Schlechten. Innerlich gefestigte Menschen nur dienen der Gesamtheit. Darum müssen wir, weil wir für Vaterland und Freiheit eintreten, so wirken, wie es uns im Bewußtsein unserer geschichtlichen Verantwortlichkeit unserer deutschen Volksgemeinschaft gegenüber, als dessen jüdischer Teil mit ganzem L erzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Vernunft auferlegt ist. Man gehe dem Gedanken nach, handle nach ihm, und die Erkenntnis, wie der selbstbewußte Jude sich selbst und seiner Umgebung zum Segen gereichen wird, wird ein freudiger Lohn sein. Freiheit;um Deutschtum. Von vr. Eugen Schmidt (Licariae). Keine Erkenntnis ist geeigneter, uns den Weg zum Mitmenschen hin frei zu machen als die Erkenntnis, daß sein ganzes Verhalten, seine ganze Einstellung uns gegenüber nicht das Ergebnis der augenblicklichen konkreten Situation ist, sondern vielmehr die Resultante aus all den Erfahrungen, die er zeitlebens mit Menschen gemacht hat, aus all den Einflüssen, die von Menschen auf ihn ausgegangen sind. Der Mitmensch, sofern er nicht durch eine besondere Leistung der Erkenntnis frei geworden ist, steht nicht unserer Person als Individualität, sondern einem Menschentyp gegenüber, den er sich aus den im Laufe seines Lebens gemachten Erfahrungen konstruiert hat. Freilich kommen ihm hierbei die individuellen Abweichungen zum Bewußtsein, die Grundeinstellung aber beruht auf jener Konstruktion. Wenn uns ein Mensch mit so leidenschaftlichem Laß anfällt, so können wir, selbst wenn wir ihm einigen Anlaß dazu gegeben haben sollten, mit Sicherheit sagen, daß dieser Laß nur zum geringsten Teil von diesem Anlaß herrührt, daß vielmehr dieser Mensch in seiner frühen Jugend unter schwerer seelischer Bedrückung gestanden haben muß, die ihn nun, verstärk durch die der mangelnden Erfahrung der Jugend entsprechenden Generalisierung, zu dieser Laßeinstellung getrieben hat. Diese eigenartige Entwicklung menschlicher Beziehungen, lange Zeit nicht in voller Deutlichkeit erkannt, hat in neuerer Zeit scharfe Beobachter gefunden. Rudolf Maria Lolzapfel, der geniale Verfasser des kürzlich in umgearbeiteter und erweiterter Fassung erschienenen Panideal*) zeigt *) Rudolf Maria Lolzapfel, Panideal, das Seelenleben und seine soziale Neugestaltung. Bei Diederichs, . Jena 1924. uns, wie „sowohl Liebe als Laß, Freundschaft oder Feindschaft, Gefallen und Mißfallen, die auf einen Menschen anderen Geschlechtes gerichtet sind, häufig zu Leidenschaften erweitert werden, die dem gesamten Geschlecht gelten", wie diese Einstellung „oft schon einem einmaligen Eindruck entspringt, der durch die Erweiterung von Isolation und Leidenschaft unmäßig gesteigert wurde". Bekannt ist auch Niettzschss Wort, das „Jedermann ein Bildnis des Weibes von der Mutter her in sich trägt, von dem er bestimmt wird, die Frau überhaupt zu verehren oder sie gering zu schätzen, oder gegen sie im allgemeinen gleichgültig zu sein". Alfred Adler**), der bekannte Wiener Individualpsychologe, hat uns erstaunliche Aufklärung darüber gebracht, wie durch bestimmte Positionen der Kindheit dauernd Fixierungen der Einstellung Menschen gegenüber entstehen. Aber nicht nur unsere persönlichen Erfahrungen wirken, durch die bei ihrer Einseitigkeit unberechtigte Generalisierung, fälschend auf unsere Einstellung zu den Menschen, sondern auch die Erfahrungen, die in unserer Ahnenreihe und in unserer Umgebung gemacht worden sind. Einstellungen, Verhaltungsweisen, die unter irgend welchen besonderen Verhältnissen von den Vorfahren entwickelt wurden, wurden an die Nachkommen überliefert, von diesen erlernt und durch Generationen festgehalten, wobei seinerzeit einmal sehr berechtigte und in der Natur der Verhältnisse wohl begründete Einstellungsweisen durch die veränderten Verhältnisse vollkommen ihren Sinn verloren haben, aber gleichwohl festgehalten werden. Rathenau, als er in „Von kommenden Dingen" von der Leidenschaft der Machtgier spricht, weist darauf hin, wie diese Leidenschaft nur bei furchthaften Menschen und Stämmen möglich ist, weil diese dem Drucke der Änterwerfer nur die eine Loffnung entgegensetzen können, das Blatt umzudrehen und den Fuß auf den Nacken des Bedrückers zu setzen. Änd in „Zur Kritik der Zeit" zieht er die krankhafte Psychologie unterdrückter Generationen zur Erklärung heran. Zum Beweise, wie unzweckmäßig gewordene Verhaltungsweisen gleichwohl festgehalten werden, erzählt der Physiker Richard Avenarius eine Sage: In alten Zeiten waren die Lerren lange auf Kriegszügen unterwegs gewesen; als sie nach vielen Jahren erschöpft undzum Teil ohne Waffen nachhause zurückkehrten, hatten sich die Sklaven die Waffen angeeignet und sich in den Besitz des Landes gesetzt. Es gelang den Lerren nur dadurch wieder zur Macht zu kommen, daß sie mit den Peitschen knallten. Sobald die **) Dr. Alfred Adler, Lieber den nervösen Charakter. Grundzüge einer vergleichenden Individualpsychologie und Psychotherapie. Bei Bergmann, Wiesbaden.

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