KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 2 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 14 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2268830-2268948-2268950--3009-2272187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 lösen kann, der -mag es in sich ruhen lassen und mag persönlich zu Anschauungen gelangen, die wir als K. Cer ganz und gar ablehnen müssen. Aber, weil wir diese Anschauung ablehnen, hat ein solcher Mann keinen Platz in unseren Reihen. Wer den Willen zum Judentum aufgibt, kann niemals ein selbstbewußter Jude werden. And dieser Wille heischt: das Judentum in sich lebendig erhalten. Die Bekämpfung des Judenhasses ist die erste selbstverständliche Voraussetzung lebendigen Judentums. Die Amfassung und Vertiefung des jüdischen Wissens erzeugen den jüdischen Willen. Dieser Wille wird die Erhaltung des Judentums, die Vertiefung seiner berechtigten Eigenart, die Reinigung von allen Schlacken, die Förderung seiner Einrichtungen in sich enthalten müssen. Der als Jude geborene Mensch braucht nicht notwendig ein selbstbewußter Jude zu sein, so sehr wir es auch anstreben. In unserem Leim aber wollen und können wir nur selbstbewußte Juden als Mitglieder haben. Hl. Selbstbewußtes Judentum erfordert das Gefühl der Verantwortung für Gesinnung und Sandeln in besonderem Maße. Wir denken nicht und wir handeln nicht, weil es eine Judenfeindschaft gibt. Seit Jahrzehnten haben wir darauf hingewiesen, daß wir nicht irgendeine Einstellung unseres Menschentums etwa auf Grund des Amstandes gewählt haben, daß wir damit den Judenfeinden gefallen mögen. Auch dies ist praktische Arbeit und für uns wichtig; aber sie sei nicht die vornehmlichste. Als selbstbewußte Juden in unserem Sinne werden wir, weil wir den Judenhaß innerlich überwältigt haben, auch die Widersacher des Judentums überwinden können. Freude am Judentum ist es, die uns immer wieder erhebt, wenn wir bedenken, daß wir durch Jahrtausende uns erhalten haben und daß letzten Endes jede Gegnerschaft sich in eine Begnadung unseres Seins verwandelt hat. Darum ist selbstbewußtes Judentum auch Freude am Judentum und wer sie nicht hat, der wird sie erwerben, wenn er sich in das angestammte Gut vertieft Dieses selbstbewußte Judentum in seiner umfassenden Größe bewahrt uns vor jeglicher Einseitigkeit. In seinem Spiegel erkennt man sich selbst, erkennt man, was am Sein ist, was man Chauvinismus nennt, sei es jüdischer, sei es deutscher Chauvinismus. Wir sind nach beiden Seiten ftei. Wir wissen, daß wir gute Deutsche sind, weil wir wissen, daß jeder von uns in seinem Stamme, in seinem Glauben, in dem aufgewachsen ist, wurzelt und daß er der politischen Gesamtheit, zu der er gehört, nur als Ein Gruß als Nachruf für San.--Nat Dr. Berthold Prinz am Tage der Bestattung 26. Mai 1924 namens des A.L.V. Viadrina, Berlin/Breslau von ' Dr. Alfred GoldschwidL-Viadrinae. Einen Gruß bringe ich Dir, lieber Bundesbruder Berthold Prinz, vom Alten Herren- Verband Viadrina aus einem seligen Land, aus längst verklungenen Zeiten und Gefilden, aus unserem Jugendland, aus Zeiten, da wir gemeinsam mit Dir den Kamps kämpften um Vaterland und Judentum, um unser Vaterland, das wir wahr und schön erhofften, um unser Judentum, das wir so aufrecht erträumten, wie nur junge Seelen träumen können, aus Zeiten, da wir mit Bahn brechen halfen zur Schaffung einer neuen Epoche im jüdischen Gemeinschaftsleben, eines starken jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins, das unbeeinflußbar ist durch Dinge von außen, Personen und Sachen, durch Jnfamieen und Verhetzungen, durch Verleumdungen und durch die Jämmerlichkeit der Zeit. In diesem seligen Jugendlande warst Du, lieber Bundesbruder Berthold Prinz, der ftöhliche Bursch, fast stets mit einem Lächeln auf den Wangen und einem Scherz auf den Lippen. Wir wurden älter! Doch Du, lieber Berthold Prinz, schienst ewig jung zu bleiben, und noch immer, wenn wir Dich trafen, blitzte ein Funke göttlicher Heiterkeit aus einem jugendlichen Antlitz — Widerklang inneren Wirkens. Dieser Funke durchdrang und erwärmte die Familie, die Gemeinschaft. Er vergeht nicht, wie Seelisches nicht ganz verschwindet. Er sei uns Symbol und Hoffnung, an der Stelle, wo sich Generattonen die Hände reichen. — — Es ist im Sinne des Bleibenden, wenn sich unser Gruß ausdehnt, lieber Berthold Pttnz, zu einem „Lebewohl" für Dich, für uns alle. —