KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 1 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2268830-2268948-2268949--2998-2272175- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
lichem, Lleberstiegenem zu tun haben, sondern mit Hem Wirklichsten und LÄbeÄdigsten. Daß Sittlichkeit nicht bloß in einem Handeln gegenüber dem Ntbemnenschen sich erschöpft, sondern daß mit ihr die StÄlungnahme zu bestimmten Fragen verbunden ist, als da find die Fragen nach dem Wert des Lebens, ob Welt und-Kultur zu besahen firü», nach der Natur des Menschen, nach der Zukunft des Menschengeschlechtes. Das heißt also, wir müffen aufhören' mit dem gÄmnkerllosen Leben und uns über diese und ähnliche Fragen Gedanken machen, Stellung nehmen, während doch die meisten, auch die Gebildeten, nicht nur keine Stellung nehmen, sondern kaum die Fragen in ihrer Wucht empfinden. Sobald man aber Stellung zu nehmen versucht, bekommt auch alles IiDische eine neue Geltung und eisten neuen Wert/denn Zudentum ist ja mit Stellungnahme zu solchen Fragen unauflöslich verbunden. Keinerlei erschöpfende Darstellung in all dem. Nur der Hinweis, und das war die Absicht, daß der denkende Jude einen solchen Tag wie Kants 200. Geburtstag mit einer eigenen Note begleite^ und daß ihm hier ausider Verbindung mit der allgemeinen Kultur immer wieder neue eigene Werte zuwachsen. Gegenwartsaufgaben des K.C. Von Dr. Walter Rosenfeld. (Raff., Rhen.-Pal.), 1. Vors, des A.H.V. Raffovia. Die wirtschaftliche und polittsche Erschütterung der letzten Jahre hatte, von dem Augenblicke ihrer Entstehung an, eine Revolutionierung der Geister bewirkt, die um so deutlicher zum Ausdruck kam, je unreifer und jünger die Menschen waren. Nachdem nunmehr eine Stabilisierung nicht nur der deutschen Währung, sondern auch ein gewiffes Gleichgewicht der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland festzustellen ist, macht sich eine weit nüchternere und einfachere Betrachtungsweise der Dinge geltend. Es ist unverkennbar, daß eine Stabilisierung der Gedanken eingetteten ist. Das will nicht bedeuten, daß heute niemand einen Fortschritt erstrebt, aber es macht sich doch fühlbar, daß vieles, was man im Taumel der Zeit einfach entbehren und über Bord werfen zu können glaubte, heute wieder eine innere und äußere Daseinsberechtigung zu haben scheint. Diese Tatsache wagt sich, wenn auch noch scheu, im Leben des K.E. ans Licht hervor. Eine Zeit lang glaubte ein großer Teil der Kartellbküder, daß man ohne weiteres von den im K.E. überlieferten und schon vor der Jahrhundertwende geübten Formen des Gemeinschaftslebens lassen könne, um die Ziele des Verbandes besser verfolgen zu können. Das Schlagwort von der „Umstellung" hatte auch hier in oft mißverstandener Weise herzuhalten. Es gelang auch einigen Kartellbpüdern, den Stempels - dessen, was sie in der angebrochenen Zeit für zweck- - .mäßig hielten, einigen K.E.-Verbindungen aufzudrücken. Alsbald aber zeigte es sich, daß mit demagogischen und falsch gebrauchtem Phrasen eine fruchtbringende KE.-Arbeit im Verband und vor allem die Auftechterhaltung eines ordentlichen Verbindungsbetriebes nicht möglich war. Auch die allgemeine Lage im Reich hatte in ihrer Auswirkung . ihren Eindruck auf das Studentenleben, insbesondere auf das Leben der inkorporierten Studentenschaft, nicht verfehlt. Man war des Suchens und. Tastens nach neuen Formen müde, man wollte in ein lang ersehntes Gleichgewicht kommen, ohne allerdings das Stteben nach Fortschritt gänzlich auszugeben oder als nebensächlich zu betrachten, So brauchen wir heute im K.E. eine Politik der klaren Linie, die unter bewußte Ausnutzung der zah- . lenmäßigen Stärke und der Bedeutung, die sich der Verband im Laufe seines Bestehens in allen in Frage kommenden Kreisen zu verschaffen wußte, die Richtschnur für zielbewußtes Handeln abgibt. Ein brauchbares und vollkommenes Substitut für die überlieferten Formen des Gemeinschaftslebens der K.E.-Verbindungen im allgemeinen haben wir noch nicht gefunden. Das sollte nach den zahlreichen mißglückten Experimenten endlich als feststehende Tatsache anerkannt werden. Es hat fich stets gezeigt, daß dort, wo man geglaubt hat, ein, solches gefunden zu haben, nicht Aufbau und Fortschritt, sondern Verfall und Untergang eingetteten ist. Stets haben wir eine Herabminderung des Ansehens der K.E.-Verbindungen und damit auch deren Mitglieder erlebt. Zn diesem Zusammenhang braucht nur an die Würzburger Verhältnisse erinnert zu werden. Mag sich der Einzelne gedanklich dazu stellen, wie er will, so bleibt für uns in Zukunft als unbedingte Voraussetzung einer ersprießlichen Tätigkeit im Sinne der K.C.-Ideale der ehrliche Wille zur Gemeinschaft. Dieser muß für uns.als ein „rocher de bronce" stabilisiert werden. Eine Herabwürdigung auch nur einzelner Formen zur Erreichung der K.E -Ideale, wie das in den vergangenen Zähren intra muros et. extra wiederholt vorgekommen ist, muß zur Unmöglichkeit gemacht werden. Damit soll aber der freien Meinungsäußerung im Verbände selbst kein Abbruch getan werden. Kritik des Bestehenden und, des Möglichen bedeutet Fortschritt, aber nur berechtigte Kritik! Unberechtigtes Kritisieren bringt uns in der Arbeit - an uns und an unseren Zielen nicht vorwärts, sondern lähmt das Leben des Verbandes. Konnte man bei den Verbindungen als Spiegel der Zeit zunächst ein allzu stürmisches „llmstellungs"-Verlangen beobachten, so waren die Symp-