KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 11-12 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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43 Der K.C. hat eine ungeheure Dankesschuld an ihn abzutragen, mit dem einer der Besten dahingegangen ist. Er kann es nur, wenn er in seinem Sinne.wirtt und sich die junge Generation der Erfüllung des von ihm Begonnenen nicht versagt.!)r. Walther Koch mann Vorsitzender des A.H.B.Sprevia. 2lnser Abschied von Eugen Fuchs gesprochen bei der Beisetzung von vr. Ludwig Holländer (Lic.). „An der Bahre unseres geliebten Eugen Fuchs nehmen die Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens, der K. C. und insbesondere die Verbindung im K. C. S P r e v i a zu Berlin, deren E h r e n m i t g l i e d der in Gott Ruhende gewesen cst, von ihrem väterlichen Freunde Abschied und Prüfer: nach alter, guter, jüdischer Art au der heiligen Stelle sich selbst, was sie tun können, ' um all die Liebe zu erwidern, die ihnen der vor dem Throne Gottes stehende Freund im Leben erwiesen hat. So fragen sie sich zunächst: Wann» nennen wir Enge» Fuchs unseren geliebten FreundV Und sie denken an ein Wort Karl Hauptmanns, der das Wort „geliebt" also erklärt hat: „Wir sind alle auf der Suche nach dem Gott in der eigenen Seele, und wer uns den enthüllt, den nennen wir geliebt". Unserer sindierenden Jugend hat Eugen Fuchs in seinem Lebenswerk den Gott in der eigenen Seele enthüllt; denn er hat ihr gezeigt, das; sie die dunkel und mehr instinktiv empfundene Notwendigkeit einer Zusammenfassung zwischen Deutschtum und Judentum, in ihrem eigenen Leben zur Vollendung bringen könne. Eugen Fuchs hat ihr gezeigt, wie man in tiefer Religiosität auch ohne zu den positiv gebundenen Naturen zu gehören, die im glücklichem Seelenfrieden die religiösen Vorschriften bis in die letzte Ausstrahlung des Zeremonialgesetzes befolgen, als spekulativ betrachtender Mensch mit freiheitlicher Gedaukenführung ein guter und treuer Jude sein kann. Er hat diesen ringenden Menschen gezeigt, das; das Judentum für die Jugend besonders auch eine charakter bildende Eigenschaft ist, und datz der Wahlspruch unserer Sprevia „ Furchtlos undtreu " bei denen, die das gelb-weiß-schwarze Band um ihre Brust tragen, mehr bedeutet als das Panier eines Stammtisches oder eines Kegelklubs: Es schafft Bindungen für das Leben, es bedenket Entsagungen, es heischt Opfer, wenn man wirklich furchtlos als jüdischer Deutscher durch das Leben wundern will. Eugen Fuchs Härte, wenn er diese Furchtlosigkeit nicht immer gezeigt hätte, mehr an äußeren Ehr-.'n in seinem irdischen Dasein erreichen können. Das aber wackle ihn gerade zu unserem Führer, weil er durch sein Wirken seine Lehre verkörperte, daß, wie er sich ousdrückle, man als Anwalt des Rechtes ebenso ein Künder des Rechtes werden kann wie der höchste irdische Richter. Und Engen Fuchs war bi« Treue selbst, die er gegen jeden übte, der in seinen Lrbenskreis trat, die er vor allem gegen sich selbst wahrt«:. Und diese Treue bis ln den Tod hinein, die er einer Lebensauffassung hielt, die imS dazu genötigt hat und nötigen konnte, in ihm den Begriff des Geliebten zu sehen, sie lehrt uns, was ihn sein Leben gelehrt hat und was zu erkennen wir seinem Andenken schuldig sind: daß Glück im Leben uns gut macht, daß uns aber vor allen Dingen der Schmerz, den wir jetzt so reichlich erleben, tief zu machen habe. Die Vertiefung der Dinge, sie ist es, die Eugen Fuchs' Manen von der akademischen Jugend, den zukünftigen Führern der Deutschen jüdischen Glaubens, verlangen. Das Wort des Propheten drängt sich uns auf: „Wächter, was ist's von der Nacht?" Und die Antwort des Propheten: „Es kommt der Morgen und kommt auch die Nacht." Was bedeutet für uns dieses „Es kommt der Morgen?" Der Morgen kommt, wenn wir unserem Judentum und unserem Vaterland so treu sind, wie es Eugen Fuchs war; und die Nacht kommt, den Morgen zu verdrängen, in deul Augenblicke, wo wir nicht das Letzte für die Treue in unserer Erkenntnis hergeben. Wir Juden waren niemals engherzig. Wie jene alten Rabincn des Talmud, die man nicht als sonderlich freisinnig wird bezeichnen können, ergriffen von der Schönheit der griechischen Sprache, die gesetzliche Bestimmung trafen, das; die öffentliche Vorlesung der heiligen Schrift in den Gemeinden ebensowohl in griechischer als in hebräischer Sprache statlfinden durfte, so nur können wir das durchführen, was uns nufer verewigter Freund Eugen Fuchs gelehrt har: Deutsch und jüdisch zu gleicher Zeit zu sein. Die freudige Anerkennung deS griechischen Geistes, welche sich aus piägnante Weise ausdrückt in der rabbinischcn Derltnng des Segens Noah, daß die Schönheit des Griechen wohnen soll in dem Herzen von Sem, sie klingt noch nach in der heutigen Zeit und sie ist verkörpert in der Persönlichkeit von Eugen Fuchs, der uns den innigen Zusammenhang von Deutschtum und Judentum gelehrt hat, der von dem Gedanken der Treue uub dem Gedanken der Furchtlosigkeit getragen gewesen ist. So werden wir das Andenken unseres Führers ehren, so werden wir seinem Geiste gerecht werden, und so werden wir die Losung erfüllen, die in Emanuel Geibels Worte ausklingen soll: „Ob sie dich durchbohren, trutze drum und ficht, Gib dich selbst verloren, doch dein Banner nicht. Andere werden'- schwingen, wenn man dich begräbt Und das Heil erringen, das dir vorgeschwebt." So geliebter Freund, bleiben wir ewig bei dir, der du in Frieden ruhen wirst. Die Gebete einer Jugend werden dich begleiten, die dein Lebenswerk vollenden will." Dev loyale Bürger von Leo Baeck. Das 19. Jahrhundert ist für uns Juden das Jahrhundert der Emanzipation. In Deutschland und vor allem in Preußen hatte sie ganz besondere und langwierige Widerstände zu überwinden, da sich ihr hier eine harte Starrheit des Staatöbegriffes entgegenstellte. ES