KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 11-12 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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42 Eugen Fuchs t* Das an Glücksfällen nicht eben reiche Jahr 1923 brachte gegen seinen Ausgang noch schwersten Verlust durch den Heimgang Eugen Fuchs'. Er trifft den K.C. und seine Berliner Organisationen hesonders schwer. Wenn man das Verhältnis des Verewigten zum K.C. mit wenigen Worten charakterisieren will, so muß man den Dahingegangenen Lehrer und väterlichen Freund nennen. Seine Persönlichkeit wirkte deswegen so wundervoll und berührte jeden, d.er mit ihm in Beziehung trat, io warm, weil bei ihm jedes Wort und jede Tat von Verstand und Herz diktiert war. Das zeigt sich ganz besonders in seinen Beziehungen zu uns. deiner bat wie er die geistige und seelische Struktur des jüdischen Deutschen an sich empfunden, erkannt und mit der einzig dastehenden Schärfe seines Geistes und klarer Ausdrncksweise seiner Gedanken den anderen aufgczeigt. Waren in ihm selbst beide Seiten seines Wesens, das deutsche und das jüdische in selten harnionischer und ausgeglichener Weise vereinigt, so ist es sein bleibendes und unsterbliches Verdienst, daß er durch diesen Nachweis der Synthese von D'Mschtum und Judentum der Gefahr vorgebeugt hat, daß die eine oder die andere Seite zu kurz kommt. Wenn man die verflossenen Zeiten überblickt, so wird man nicht leugnen können, daß diese Gefahr ntindestens bei vielen Einzelpersönlichkeiten außerorder ilich akut geworden war. Dieses Wirken, das in vielen Nachrufen hervorgehoben worden ist und daß die Entwicklung der ihm entspringenden Schöpfung Eugen Fuchs, des Zentralvereins, bestimnit hat, hat auch dem K.C. die geistige Grundlage gegeben. Ueberlegt man weiter, welche ungeheure geistige Tätigkeit erforderlich war, um bei der damaligen Indifferenz der Misten die dem Zentralverein und dem K.C. zugrundeli' genden Ideen in die Tat umzusetzen, so kann man nicht zweifeln, daß diese Geistcsleistung, die nach Gabriel Niesser von keinem wie von ihm bewältigt worden ist, mittelbar mitbestimmend für die Gründung unseres Verbandes gewesen sein muß. Die weitere tonse-- quenleFonsetznng dicscrTatigkeit, die schließlich znrgegcnseitigen Durchdringung des Ecntralvercins und des K.C. führte, mußte in ihrem Verlaufe Engen Fuchs auch in unmittelbare Beziehung zum K.C. bringen. ES war das Gegebene und Naturgemäße, daß er Ehremnitglied gerade der Berliner Verbindung Sprevia wurde. * Hatten wir K.C.er bisher ihn mehr von der Seite des Verstandes her kennen gelernt, so sehr auch in seinem Wicken die Liebe zu Deutschtum und Judentum Ausdruck fand, so zeigte er uns erst jetzt die Güte seines Herzens. Gern verlieh er der Zugehörigkeit zu uns Ausdruck; trotz stärkster beruflicher Jnan'pruchnahme, Acnuerlast und trotz mancher Beschwerde kam er stets zum K.C., wenn man ihn brauchte. Ganz besonders lag ibm die junge Generation am Herzen, er kannte ihre Nöte, vor allem in j ucn Zeiten des Zweifelnö und der Unsicherheit unmittelbar nach dem Kriege. Er hatte ein gütiges Verstehen für sie wie ein Vater. Diese Jugend, — man konnte es aus seinen Worten hören und mehr aus seinen Augen lesen, — war seine Hoffnung: sie sollte das von ihm begonnene und von ihm zur Höhe geführte Werk vollenden. Das mag ihm in den Zeiten der schwersten Bedrückung und der höchsten Not Trost gewesen sein; denn schwer lastete der Niederbruch des Vaterlandes auf ihm, das er mit ganzer Seele liebte und dem er seinen ältesten Sohn im Kampfe draußen geopfert hatte; nicht minder schwer die allgemeinen Verhältnisse und besonders das, was wir dank unglaublicher Verhetzung in den letzten Jahren erlebt haben. Aber wohl konnten dieser ungeheuere Wille und dieser starke Geist gebeugt werden, jedoch nicht gebrochen. Darum verließ ihn die Zuversicht nicht, und wie er unbeirrt von der Nichtigkeit des begangenen Weges überzeugt war. so glaubte er auch an die Wiederaufrichtung Deutschlands. Diese ersehnte er mit ganzem Herzen. Dabei war seinem abgeklärten Geiste die Notwendigkeit klar, die kommende Generation, der erst die Erfüllung dieses Sehnens beschieden sein konnte, zu befreien aus der Enge von Parteianschauungen und sie zu lehren, den Blick auf das Ganze zu richten. War er sich auch bewußt, daß die Kreise (er hat diesen Gedanken auch anderwärts als im K.C. Ausdruck gegeben), die diese Lehren annahmen, klein waren und es anderwärts hieran auch noch durchaus fehlte, so hat er doch seinerseits damit einer unabweislichen vaterländischen Pflicht genügen wollen und genügt. Verstand und Herz jagten ihm schon früher als manchem anderen, daß es Pflicht jedes Deutschen sein müsse, daS erste Augenmerk auf die Erhaltung des Deutschen Reiches zu richten. So hat er am Schluffe einer schon während des Krieges gehaltenen Rede seinen Hörern mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit und seiner Beredsamkeit die Worte Rosner's zngernfen: „Brüder, was da kommt, gilt gleich, Blühen oder Sterben, Aber blühen muß das Reich uns und unseren Erben." Der K.C. trauert tief um diesen Mann, der sein Leben lang für Deutschtum und Judentum unentwegten Mutes, hohen Geistes und heißen Herzens gekämpft hat. Dabei berührt es wie tragisches Geschick, daß er eine Kanipsnatur in dem Sinne, daß er den Kampf um seiner selbst willen gesucht hätte, nicht war; dazu war er zu vornehm. Hütte cs feinen Antisemitismus gegeben, so würde wahrscheinlich Engen Fuchs der hervorragendste Universitätslehrer oder R'chtcr in höchster - Stelle geworden sein, nur damit beschäftigt zu lehren oder Streit anderer zu entscheiden und zu schlichten. Ta die Notwendigkest zum Klampfe zwang, hat er ihn Ws ganzer Mann zu allen Zeiten geführt. Sein Ideal war, wie er es in seinen Schritten zum Ausdruck gebracht hat, selbstbewußt und treu zu sein. Er hat selbst dieses Ideal erfüllt und sich zu allen Zeiten stets selbstbewußt und treu bewiesen; für ihn gab es keine Opfer von Ueberzeugungen um irgendwelcher Vorteile willen, keine Kompromisse auf Kosten der Selbstachtung, und er ist treu geblieben sich selbst, seinem deutschen Vaterlande und dem Judentum.