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KC-Blätter · 1923-07-01 · Heft 7-10 (Juli 1923) · p. Seite 35

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Journal
KC-Blätter
Volume
1923
Issue
Heft 7-10 (Juli 1923)
Date
1923-07-01
Page
Seite 35 (sequence 7)
Language
German
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35 ES stehen der D. St so schwere Zeiten bevor, daß bei einem Nichteinlritt der rheinischen Studentenschaft in die D. St. ein weiterer Zerfall der D. St. die Folge wäre. Andererseits hat die Würzburger Satzung in ihrer Auswirkung die Oesterreichrr-Frage nach unserer Ansicht nicht gelöst. Die Kritik an dieser Lösung und die tätige Förderung behalten wir uns im Nahmen der Würzburger Satzuttg vor. Unser Standpunkt ist bekannt und wird sich nicht andern. Bewußt auf die Dehnbarkeit der Würzburger Satzung zurückgreifend, verzichten wir auf irgend welche formale Umänderungen dieser Satzung. In diesem Sinne nehmen wir die Würzburger Satzung an und betrachten den BcrsassungSstreit als endgültig abgeschlossen." Die rheinischen Studcntenscha'ten geben dann in einer wcitcren Erklärung ein Programm, das in seinen wesentlichen Punkten durchaus zu begrüßen ist. So sagen sie: „Seit Jahren erleben wir eine weiter und weiter fortschreitende Verwischung der Grenzen vom Sachlichen und Persönlichen, formale Unstimmigkeiten wurden mehr und mehr Hindernisse ersten Ranges: Jugend braucht jedoch offenen und freien Kampf Kein Wunder, wenn deshalb heute die neue Form der D. St. zwar fast vollendet, aber ohne nennenswertes Leben dasteht, indem ganze Gruppen ihr Desinteressement stillschweigend erklärt haben. So geht es heute mehr denn je rm die D. St. Mit tiefster Trauer stauben und stehen wir di'ser Auflösung von innen her gegenüber. Unsere Ablehnung deL Vorstandes Hilgenstock bedeutet die Zurückweisung einer blich organisatorischen Zielsetzung des Vorstandes der D. St. Wir finden hier im Rheinland die Grenzen drS in unseren Studentenschaften Möglichen augenscheinlich klarer gezeichnet als im unbesetzten Gebiet. Soll die D. St. in ihrer Gesamtheit der ehemals selbst zeftedten Kulturarbeit fähig werden, so werden ihre Führer im Einzelnen eine mühsame Arbeit innerer Ausbaues leisten müssen. Erst dann wird die D. St. zu den treibenden Kultinfaktor sich herausbilden, der sie heute zu fnn glaubt, während sic tatsächlich im Organisatorischen stecken gebücben ist. Vergessen wir doch nicht: Die Gri ndung der D. St. war der elementare Ausbruch eines akalemischen Gemeinschaftsgefühls, das alle anS dem Felde zuriic'gekehrten Komnnlitionen beseelte. Zu diesem GeineinschastSgejiihl als der einzig tragsühigen Grundlage aller Kulturarbeit der D. St. zurückzufinden, muß unsere vornehmste Aufgabe sein." Dieser Kritik kann man durchaus znstimmen. Die letzten Jahre der Deutschen Studentenschaft waren kein Ausbau des in wenigen Monaten errichteten Baue?, sie waren vielmehr die Erniedrigung einer Berufsgemeinschaft zu einem kleinlichen Parteiktüngel. Ob dieser Mahnruf etwas daran andern wird? Man wagt kaum mehr eö zu hoffen. Das Frauenstudium an den preußischen Hoch« schulen. Nach Mitteilung deö Akademischen Audkunflsamtcö waren im Sommer 1922 in Prenßcn 4555 Franrn immatrikuliert, bei einer (Gesamtzahl von 46 446 ordentlichen Studierenden 9,78%. Das NeifezengniS eines Gvmnasimnv oder einer Oberrealschnlc besaßen 2938 und 726 hatten die Lehrerinncuprüfung abgelegt. Es studierten Ev. Theologie 41, Rcchtewissenschaft 188, Medizin 777, Zahnhcilkunde 159. Philologie und Geschichte 1560, Mathematik und Naturwissenschaften 744, Staatswissenschaflen 893, Landwirtschaft 37, sonstige Fächer 156. Die Zahl der weiblichen Studierenden in der philosophischen und ■ mathematisch - naturwissenschaftlichen Fakultät ist trotz der ungünstigen Berufsaussichten wie von Anfang an am höchsten. Ein Rückgang im Frauenstudium hat sich bisher nicht gezeigt. Im Winter 1913/14 studierten 2303 Frauen, im Winter 1917/18 3990, im Winter 1921/22 4504'. Die Vermehrung feit 1913 beträgt also rund 100%. Die Zahl der studierenden Frauen im ganzen Reiche betrug im Sonuner 1922 von 85 433 Immatrikulierten 8185 oder 9,58 und hat sich seit 1914 ebenso wie in Preußen verdoppelt. Staatliche Beamtcnlaufbahn für Volkowirtschaftler. Nach einem Anträge im Hauptansschuß des preußischen Landtages sott denjenigen Studierenden, welche die neu zur Einführung gelangte volkswirtschaftliche Diplomprüfung abgelegt haben, die staattiche Bcamtenlaufbahn, im besonderen auch auf dem Gebiete der Finanzverwaltung eröffnet werden. Die Leiter der Katastcrämter und die kataslericchnischen Hilfsdczcrncnten bei den Regierungen sotten in die Bcsoldungsordnuug Klaffe 10 eiilgereiht werden. s s s Vücher- und vlatterschau s s s Kleine Staatsbürgerkunde (Bürgerkunde und Volks« wirtschafiSlehre). Ein übersichtliches Lebr- und Lernbuch sür BeaiiUe, Stildeiiten und Schüler. Von Professor Dr. EhringhauS. Zweite erweiterte und verbesserte Auslage. Göltingen. Vandenhoeck und Ruprecht 1922. Grundpreis 1,5» M —. TaS Büchlein, daS in seinem Stoffe bis in die neueste Zeit fortgesührt worden ist, bietet mehr als der Titel sagt. ES gibt über alle Probleme deS staatsbürgerlichen Lebens eiiicu ausgezeichneten Uebcrblick, ttihrt vorzüglich in die VollSwinschastslehrc und Rechtöku»de rin iliid enthält anhangsweise auch einen knappen, aber scharf orientierenden AuSzüg auS dein Versailler Vertrag. Bei dem gerade beschämenden Mangel an staatsbürgerlichen Kenntnissen in den Kreisen unserer Gebildeten. die sich in der politischen Dilettantcnhaftigkeit später dokumentieren, wäre eS angebracht, gerade in der Erziehung der Fi»e auf diesen Gegenstand den größten Wert zu legen. TaS Buch von EhringhauS eignet sich in hervorragendem Maße dazu, dem Unterricht der Füxr zugrunde gelegt zu werden. F.G. Die neueste Kefchichto de« jüdischen Dottrea III. Band. Vierte Abteilung. Die Epoche der zweiten Reaktion (1881 — 1914) von S. D ubuo w. 1929. Jüdischer Verlag Berlin.— Der dritte Band des Dudnow ist erschienen. Der ausführlicheren Würdigung, die der ersleund zweite Band in diesen Blättern (Mai—Jllni 1921) erhalten haben ist wenig hinzuzufügen. Auch der dritte Band fesselt bnrd) die glänzende Darstellung und die Fülle des Materials, auch der dritte Band ist erfüllt von jener nalivnaljüdischen Tendenz, die in dm ersten beide» Teilen nur theoretisch entwickelt wurde, die aber im letzten Buch auf jeder Seite den Weltmaßstab für das Geschehen darstcllt. Ob tendenzlose Geschichtsschreibung erwünscht oder auch nur möglich ist, mag ein ewig ungelöstes Problem bleiben. Daß sie recht langweilig wäre, ist sicher! Und wenn DubnowS Buch nttn ganz gewiß nicht tendenzlos ist, so genießt eö zum Ausgleich den Vorzug, daß es immer interessant, oft aber geradezu packend ist. Der deutsche Leser vergesse übrigens nicht, daß Dubnow Russe ist und nicht Deutscher. Daß er sich natürlich in die Seele eines deutschen Juden nicht hineinver-

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