KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 7-10 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- Seite 36 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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36 setzen kann, vermag er — und daS ist ihm ja in der jüdischen Presse sehr verübelt worden — nicht zu verstehen, daß unser redliches Verhältnis in Deutschland in seinem tiefsten Duell auch durch den Antisemitismus nicht enthüllt werden kam. F.G. Judentum. Ein Aufruf an die Zeit. Bon Emil Cohn. 1923. Verlegt bei Georg Müller in München.— Der als Dichter wie als zionistischer Rabbiner bekannte Verfasser dieses Buches, der einst mannhaft seine Ueberzeugung dem Berlincr Gemciiidevorstand gegenüber vertrat, ist fett der Zeit seines Konfliktes ein anderer geworden. AuS dem poliUdrm Rationalismus, der einst Anlaß zu den Differenzen gab, ist Judentum geworden, religiöses Judentum, das in sich selber sichir ist, daS eS kein Kulturfaktor neben anderen, sondern Vcbcu, gestaltendes Urem pst» den, Urwille ist. Das 'Rationalistische ist geschwunden, das R'tivnale ist dabingetreten, wo im Judentum sein natürlicher Platz ist, on die Peripherie, wo Idee Wirkliclikeit ei bauender Wert werden will. Das Buch Mmet Festigkeit und Ueberzeugung, und wenn mcnf versteht, daß der Verfasser sich in schweren inneren Kämpfen zn seinem Glauben durchgerungcn hat, wird man etwas mehr Verständnis für gewisse kleine Schwächen des Werkes gewinnen, als der Frankfurter jüdische Philosoph Franz Rosenzweig, der im „Juden" sich über daS Rabbiuerbuch lustig macht. Es ist lvahr, daß in CohttS Werk AicLdruckeweii'e und Pathos sich iu Höhen ververstiegen haben, für die bleues, DriginelleS, Weltbewegendes in seinen Ausführungen keinen Anlaß bieten. Er ist wahr, daß Cohn mit seinem „Bekenntnis" nicht-?, aber auchnichts wagt, so daß eS ein Unrecht ist, sein Erleben mit dem der Propheten auf eine Stufe zu stellen. Es ist ferner wahr, daß daS Buch nichts enthält, was nicht jeder klar blickende und gesundfühlende Lehrer und Rabbiner zn Hunderten von Rialen Mehr oder weniger geschickt und beredt seinen Schülern oder seiner Gemeinde gesagt Halle. Tic Bedeutung des Buches ruht in etwas auderrin. Es ist aus einer j u d ä o z c n t r i f ch e. n Betrachtungsweise herausgeschrieben und mahnt zu einer solchen! Es i»ißt die Kultur und ihre Werte an jüdischem Maßstabe, soweit ihre sittliche Voraussetzungen und Ziele zu prüfen sind. Bei der fast sklavischen Abhängigkeit von christlichen Gedanken und Empsindilttgen, in die wir nun einmal geraten sind und die unS auch im All-rheiligsten nicht läßt, ist solcher Versuch bcfrcicub und wohltätig. Es ist bedauerlich, daß der knappe Raum zu einer Inhaltsangabe des Buches nicht reicht. Jedem jungen Inden insbesondere aber jedcin denkenden sei eS zur Leklüre angelegentlich empfohlen. Mag er sich zu dem religiösen Standpunkt CohnS, einer verständigen Orthodoxie, bekennen oder nicht, jedenfalls ivird er versteht», warum das elhisirreude, ästhrlisierende Oieschwätz, das Judcn» tum nach dem Willen imb Wohlgefallen der Welt znriiclstellen will, eine Torheit ist und daß Judentum eine Macht ist, die den Menschen nur dann ganz beglückt, wenn sie ihn ganz packt.- G. Abriß der beschicht» der Philosophie von Cbr- Joh. D e t e r. Dreizehnte neu bearbeitete Anklage von M a x Frischeisen-Köhler, Prof. a. d. Universität Halle. Berlin-Grunewald. l)r. Walter llc'othschild 1923. — Ein alrer unentbehrlicher Freund des Studenten ist im Verlage unseres Kbdr. Rothschild in neuer Auslage erschienen. In seiner neuen Gestalt eignet sich das Buch nicht mir als Repililorinm und alS Hilfsmittel bei der Vorlesung, sondern cs führt als selbstständiges Weck in vortcesflichrr Klarheit und Präzision in die Geschichte philosophischen Denkens ein. Es liegt schon ein riefer und berechtigter Sinn darin, daß wenigstens iu der Theorie beim Examen von jedem Studenten der philosophischen Fakilltät auch ein tieferes Eiiigehen auf die reine Philosophie verlangt wird, und es ist zu begrüßen, wenn durch ein so geeignetes Hilfsmittel einem jeden Akademiker ver Weg gewiesen wird. Mö.je der alte bewährte „Deter" auch in seiner neuen Gestalt für die Ausbreitung und Vertiefung philosophischst Denkens wirken. German» (SUgut. Ein Roman aus dieser lind jener Welt. Interterritorialer Verlag „Renaissance" (Erdlrachn, Wien-Berlin Leipzig-Rem chork. — Ein Kabbalistischer Roman, dessen allgemeine Werte kairur so bedeutend sind, daß sie dein Werke außerhalb eines eng begrenzten Kreisevon religiösen Mystiker Geliimg verschaffen könnten. Duo mo,tische Zndoulum. Eine Studie zu O-wald -Spenglers „Der Untergang des Abendlandes". Von Professor Dr. I. Ziegler. Rabbiner in Karlsbad. Verlag voic M. W- Kaufmann, Leipzig 19^3.— Zieglers Büchlein gibt — meistens referierend — eine Analyse von Spenglers Meinungen über das ..magische" Judentum. Und schon daS ist ein großer Verdienst den Leser ans dem Bannkreise Lpenglerscher Diktion zu ziehen und ihn drir Gedanken gegenüberzustcllen. Was man bei der Lektüre des GesamtwerkeS auch für andere Gebiete der Wissenschaft geahnt hat, wird für dieses eine zur Gewißheit: daß Spenglers imuitivcr Betrachtungsweise nicht nur die Grundlage einer wirklichen Kenntnis der Dinge fehlt, sondern daß er über dies ans d,7 Ueberzeugung von der Wahrheit seiner Dogmen heraus feststehende Geschichte so lange biegt, bis sie ihm in sein System Paßt. Ziegler kritisiert nicht viel, sondern er stellt schlicht dar. Aber methodisch ergibt sich, daß inbezng ans seine Beurteilung de« Judeutllills Spenglers wohl liebenswürdiger, keineswegs aber gediegener, gerechter, voricrtcilsioser und mit größerer Sachkenntnis vvrgrht als Sombart ccnd Chamberlain. Ziegler s Buch kann nccr jedem dringend empfohlen werden, der Spengler nicht nur ans sich wirken lassen, sonder» ihn vertreten und würdigen will. (S. 0 c> s> Verbandsnachrichten s s s Thurtngia. Kreslau. Wir veranstalteten gegen Ei de dcS Semesters rirwn wohlgelungenen Ausflug nach der Fürst, nburg. auf der wir eine stimmungsvolle Kneipe abhieltcn. Auf dem Schlußkonvent inaktivierten wir die a. B. a. L. Reich, Srlomely, Bukofzer, EiSner, Gabriel, Altmanu. Dem A. H. V. überwiesen wir die i. a. B. i. a. B. Licht, Rosenbarcm, Jonas, Gabriel, Karl» Gcrh. Ledrrmann, Erlist Lindner, Vobrccker. Unser i. a. B. Reich nahm als Vertreter der Breslauer Universität bei der Tagung der juristischen Fachschaft in Halle teil. Wir chargierten zur Gedächtnisfeicr für die Gefallenen vom ReichSbund jüdischer Frontsoldaten auf deiu hiesigen Ehrensliedhose. P'a varia, ijerdetbrrg. Durch Urteil des Disziplinärgcrichts wurde dce Verbindung im K. C. „Bavaria" dis zum Ende des Wintersemesters 1923/24 verboten. Jnaklivicit nncrdc n. B. Ludwig Braun. Philistriert: i. a. B. Hans Riannheim. Kurt Ginsberg. Hans Weil. Ernst Goldner, Fritz Ries, Arno Lesser, HanS Majirns. Reeipiert: a.T.a T. Erich Fischer, Julius Hirsch, Hans Spiegel, K. Schönebaum. <Ql)iVc!linia, frcibuvß. In den UniversilätS-Sporlkämpfeii Sommer 1922 hat sich die Verbindung folgende Prri geholt: 100 m.1. Preis (Gronemann) 80 .1. „ 400, 300, 200 und 100 m Staffel . . 3. „