KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 7-10 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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31 einer Nation verloren haben, daran gegangen, das deutsche Volk des einzigen Gutes, das ihm unter den Trümmern des Zusammenbruchs noch verblieben war, deS Willens zu nationaler Erhebung und Befreiung zu berauben." Scheint es nicht hier, als wenn hier nicht Verannvortungsgefühl sondern Haß und Zwietracht die Leitschnur jedes Handelns fiitbV Da erfreut jedes kleine Zeichen der Umkehr. Wir haben in unserer letzten „Umschau" auf die Stellung der Burschenschaft zur Freimaurerfrage hingewiesen. Der letzte Burschentag hat sich erneut mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Da scheint es doch, als wenn tnau wenigstens ein wenig die Zeiten bedauert, in denen man sich so weit treiben lleß, daß man den berühmten Beschluß über die farbigen Weiber faßte. Der Beschluß des Bnrschcntages hat folgenden Wortlaut: „l. 1. Die Deutsche Burschenschaft hat'das Gutachten des Ausschusses für vaterländische Arbeit zur Kenntnis gcnoinmen und hält es zur Aufklärung in der Deutschen Burscheuschaft geeignet. Sie gibt iin übrigen der Erwartung Ausdruck, daß das Studium in der Deutschen Burschenschaft über diese Frage fortgesetzt wird, und daß die einzelnen Burschenschaften sich weuerhm mit dieser Frage beschüstigcu. 2. Die Deutsche Burschenschaft ist der Meinung, daß die Annahme deS Antrags 28 vom Burschentag I N22in die Bersassuug und in die Befugnisse der einzelnen Burschenschaften eingegriffen und somit dem § 3 der Satzungen der Deutschen Burschenschaft widersprochen hätte. 3. Tie Allherrenschaften der einzelnen Burschenschaften nehmen mit Recht für sich in Anspruch, daß sie in ihrer Zusammensetzung und Bersassung die Gewähr dafür bieten, daß ihre einzelnen Mitglieder nach bestem Wissen und Gewissen burscheuschaftlich wirken. 4. ES muß aber auch BrrständinS dafür erwartet werden, daß die völkische Einstellung der bursche,ischaftlichcn Jugend hohe Werte in burschcnschaftlichcm Sinn enthält, soweit sie wirklich getragen ist von dein sittlichen Bewußtsein stärkster eigener Beranlwortung für tzeben, Geist und Art des Deutschen Bolle«. ß. Tie Deutsche Burschenschaft empfiehlt auf Grund ihrer Berfassung und völkischen Einsicllung den einzelnen Burschenschaften in der Erziehung ihrer Mitglieder wie bisher darauf h »zuwirken, daß ihre Mitglieder enge Buiduilgen mit Fremdrassigen nicht cingehen. II. Der Burschentag gibt seinem Beschluß über die Freiluaurrrsrage folgende Ausiegimg: Auf Grund der burliegeuden Unterlagen erkennt die junge Burschknschast, daß aas FreimailrertUl», in seinem gegenwärtigen , Jiiueiileben nicht auf den, völkifchen Staudpuukte steht, wie sie ihn in reiner Form vertritt. ES muß aber jedem allen Burschenschafter üdrrlasscn bleiben, im Nahmen der Gesetze feiner Burschenschaft den Weg zum Ziel eines einigen deutschen Bolkstuin« zu gehen, der seiner ehrlichen burschenschaftlichen Ueberzengung rillspricht?' Hier spricht inan nur noch davon, daß man den Burschenschaften empfiehlt, in der Erziehung ihrer Mitgliedcr darauf hinzuwirken, daß sie enge Verbindungen mit Fremdrassigen nicht entgehen. Wir kommen nicht in den Verdacht einer Zttftimmuttg zu diesem Grundsätze, wenn wir diesen Beschluß hervorhebcn. Aber cs ist doch ein wenig anderer Geist, der hieraus spricht als ans den vergangenen Beschlüssen. Hier spricht doch schon die Uebcrzengung mit, daß man nicht die eigene Parteibrille der Allgemeinheit anfzwängen darf und den Gedanken der Gleichberechtigung des Menschen auch im 20. Jahrhundert nicht mißachten kann. Darum können wir bauen auf da- Wort: „DaS Recht ist GotteS".*) Das Leitwort einer Versammlung, in der sich Männer und Frauen aller Richtungen zusammenfandcn, um zur Frage der Ruhrpolitik Stellung zu nehmen, Stellung zu nehmen unter dem. Gedanken des Rechts und der Religion. „Das Recht ist Gottes und ihm gehört die Zukunft." Jnnner ist dies der Mahnruf unserer Gemeinschaft gewesen und der Sieg des Rechts wird auch der Sieg unserer Gedanken sein. Darum können wir uns die Worte gerade unter dem Gesichtspunkt dieser Umschau zu eigen zu machen, mit bcueu der Vertreter unserer Gemeinschaft seine Rede schloß: „In vergangener Zeit, vor Jahrtausenden, als die Großmacht Aegypten ihre Kreise zog, die einen als ihre BtlndeSgenossen gewann und die anderen unterdrückte, da vernahm der Prophet Jesaias das Wort des Ewigen: „Aeghpten ist ein Mensch und nicht Gott, und seine Rosse sind Fleisch und nicht Geist, und der Ewige wird ansstrecken seine Hand, und es strauchelt der Stützende und es fällt der Gestützte, und alle zusammen siltd sie dahilt." Wer glandi, der weiß, daß das Recht doch Recht bleiben wird, denn das Recht ist Gottes." H. B. Amjchau im jüdischen Leben. Die Größe der Befürchtungen, unter denen wir leben, erdrückt das kleine Begebnis. Man freut sich nicht des Gedeihens seines Bäumchens im Obstgarten, man reißt nicht mehr im Anger Unkraut ans, wenn über dem Dorfe die Lawine mit dem Absturz drohend liegt. Auch im jüdischen Leben treten die einzelnen Ereignisse zurück vor der greifbaren Gefahr. Eine Lehre geben uns die Tage von heute gewiß: wie Recht jene gehabt haben, die den Kampf gegen den A n t i s e m i t i s m u s als den wichtigsten Teil jeder jüdischen Tätigkeit ansehen. Unser an paradoxem Theorcusieren so reiches geistiges jüdisches Leben hat ja, weil cS so einfach imb so selbstverständlich war, diesen Gedanken stets als den Gipfel der Oberflächlichkeit zu charakterisiererl versucht, ans der gewiß richtigen Erwägung fußend, daß dieser Kampf allein nicht den Inhalt mähren jüdischen Lebens ausmachen löttnc. Daß es aber Grundlage jedes jüdischen Wollens in der Diaspora ist, daß ohne ihn geistig e und R c l i g i o n s f r e i h e i t, ja Freiheit des G cw e r b e s itub des Wohnens — die Voraussetzungen für die Entwicklung der harmonischen, in sich sicheren und darum wirkenden jüdischen Persönlichkeit — undenkbar sind, ist eine bittere Wahrheit, zu der sich erst heute alle Teile der Jndenhcit dnrchznringen beginnen. ES ist ein sehr schwacher Trost, daß selbst auch der letzte zionistische Delegierten tag zu Dresden sich in später Neue mit dem Problem des Antisemitismus beschäftigte, nun da die Gefahr unmittelbar droht! Und es ist leicht ersichtlich, daß wir in dem Hexenkessel entfiffclten Hasses denn doch gefestigter, besser dastehen würden, wenn wir unS in allen Lagern bewußten JndentumeS von jeher tapfer und entschieden zu jenen „Da» Neckt ist Gottes". Horausgegeben vom Drbeitsaustckup deutscher Verbände. 3 Vorträge vom Sberkonjiltorialrat Nalve». 'Lischoj Schreiber, Äabb. Dr. 'ßaecB.