KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 7-10 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
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30 kunft das Schiff mit Kohle oder mit Oelfcuerunz zu versehen, ob im Falle des Schiffbruches Saug- oder Druckpumpen ihren Zweck besser erfüllen. Es gehl um mehr, es geht um das Leben des Einzelnen, um das Leben der Gemeinschaft." Sollte dieser Mahnruf nicht heute lauter denn je zu uns sprechen, wo im Vaterlande wie in unserer engeren Gemeinschaft der nüchterne Beobachter tatsächlich zu dem Eindruck gelangt, daß wir vor dem Schissbruch stehen und doch die Mannschaft nicht an den Pumpen steht, weil sie sich noch nicht einig darüber ist, ob dieser oder jener Weg zweckniäßiger wäre, um das Wasser aus dem Schiff zu treiben. Oft ist dieser Ruf erhoben worden, hier wie dort und allzuoft ist er ganz oder doch wesentlich erfolglos verhallt. Von dem Geiste, der aus diesem Mahnruf spricht, war der Göttinger K.C.-Tag erfüllt. Er kam zu der Ueberzcngung, daß es im Augenblick nebensächlich ist, ob die Kapitänskajüte grün oder rot tapeziert ist, ob Saug- oder Druckvumpen zweckniäßiger sind. Ihm kam es vor allem darauf an, daß im Augenblick der höchsten Not alle NetlnngsmiNei angewandt werden und daß man die Frage, ob diese oder jene Form den Vorzug verdient, und der geschichtlichen Entwicklung und den Bedürfnissen des Tages besser entspricht, eine Frage der Zukunft sein muß. Wir wollen uns gemeinsam hinüberretten in eine bessere Zukunft und dann am gesicherten Ufer darüber streiten, wie wir uns unser Hans für die Zukunft wohnlich machen und welche Mittel der Abwehr die wirkungsvollsten sind. Nicht aber können wir zustimmen, daß, selbst wenn wir den Weg des Anderen nicht für den unserem halten, in der Zeit der höchsten Not sich die Wege trennen, umsomehr, wenn die Gründe der Ablehnung verschieden sind. Das war der Geist des Göttinger K.E.-Tages und es ist zu hoffen, daß er sich auch in dem weiteren Nahmen des gesamten Verbandes zeigen wird und cs ist ferner zu erstreben, daß er von hier aus auch in der ganzen Volksgemeinschaft sich zeigt, denn wäre es so, — wir härten manches Ereignis der letzten Tage und Wochen nicht durchleben müssen. Entscheidungen soll man heute nur in den Fragen fällen, die dringend und unabweielich der sofortigen Lösung bedürfen. Und diese sind in der Zeit des heutigen erdrückenden Materialismus für uns als studentischer Verband notwendig vcrkuiipft mit der wirtschaftlichen Lage unserer Mitglieder. Darum konnte und mußte der K.E.-Tag klar und eindeutig zur Wcrtstudentcnfrage Stellung nehmen und diese Frage grundsätzlich bejahen, obwohl er die Einzelheiten den einzelnen Verbindungen überlassen muß. Er iliußte ferner das Versäumnis gulmachen, das allzttlange mit in Kauf genommen wurde und endlich die Frage der Stellenvermittlung lösen. Mochte man in besseren Zeiten es alö unter der Würde eines studentischen Verbandes betrachten, sich uin^ diese Alltagssorgcn zu kümmern, so büßt dies die heutige Zeit; hätten wir in besseren Tagen uns den Aufbau geschafftn, der hierfür nötig ist, so ständen wir heute vor einem fertigen Gebäude und brauchten nicht, wie es jetzt geschieht, mit größeren Kräften heute die schwerere. Arbeit -u tun. Eine weitere Aufgabe unseres Verbandes ist die Er- * ziehung unserer Mitglieder auch in allgemein-politischer Hinsicht im Sinne dieses Mahnrufs. Wir können und wollen nicht für diese oder jene politische Richtung Stellung nehmen, aber wir können und müssen unsere Jugend in dem Geiste erziehen, daß sie sich ihrer Pflichten als Bürger des Staates bewußt ist, daß der Einzelne im Parteikampfe auf bem Boden seiner Weltanschauung anstritt und doch dabei nie veraißt, daß im Staate letzten Endes nicht der Wille des Einzelnen entscheidend sein kann und darf, sondern daß eine Politik eine Frage der „gebändigten Leidenschaften" ist, geleitet von dem Interesse der Allgemeinheit, beherrsch! von der Notwendigkeit des Tages. Das war der Mahnruf HollacnderS und Salomons. Mögen diese Worte nicht wirkungslos verhallen und möge auch unsere Jugend sich das Motto zu eigen machen: „Wir wollen leben!" . So benennt sich eine kleine Schrift, die der Jugend' ansschuß des Arbeitsausschusses der deutschen Verbändet hcransgegeben hat, in der nahezu alle Richtungen der deutschen insbesondere der politischen Jugendbewegung zum deutschen Lebenskämpfe Stellung nehmen in dein Bewußtsein der Nichtigkeit der Ilebcrzengung, daß nicht das einzelne Partei-Dogma zum Siege führt und führen kann. Die deutsche Jugendbewegung bietet heute ein Bild der größten Mannigfaltigkeit, weltanschaulich und politisch. Mit jugendlichem Eifer wurden bisher die Gegensätze betont und allzuost das einigende vergessen. Die erste Frucht der Bcmühnngen, in praktischer Arbeit die Jngcndbünde zn vereinen, ist diese kleine Schrift, in der zum deutschen Lebenskämpfe Stellung genommen wird. Der Jnngsozinlist wie der deutsamationale Iugendbütidlcr, der Jungdeutsche, der Wandervogel, der Vertreter der Gewerkschaftsjogend, sie alle vertreten die Ansicht ihrer Richtung und vertreten doch die Einheit des deutschen Volkes und handeln so nach nnserm Mahnruf. Von nnserm Standpunkt können wir wünschen, das; der Geist, der aus diesem .Heftchen spricht, zum Geist der Allgemeinheit werde. Und wie nänig klingt derMahnruf des Jungsozialisten, der seine Ausführungen schließt: „Erfaßte doch bald der ernste Hauch, der an der Ruhr durch alle verantwortlich füblcndcn Seelen weht, die ganze deutsche Jugend! Schüfe er doch ein politisches Geschlecht, in dem Sinn für Gerechtigkeit, für Freiheit, für Würde lebte, in dem Fichte, Lasalle und Mar Weber zn neuer Tat lebendig würden, auf das ans Not und Trümmern der neue Tag der deutschen Nation erstünde!" Das ist der Geist, der leider in der deutschen akadensischen Jugend nicht zn finden ist. Ist es nicht traurig, wie eine Gelegenheit wie dcr Abbruch des NnhrkampfeS dazu benutzt wird, um innerpolitischen Haß zu schüren und bedarf cs noch der Worte dcr Kritik, wenn man diesen Ausführungen eines Jungsozialisten die Kundgebung des Hochschnlrings deutscher Art entgegenbält. der bei dieser Gelegenheit schreibt: „Nachdem Versailles das deutsche Reich verstümmelt und durch tödliche Wunden zum Verbluten gebracht hat, sind Teile unseres Volkes, die unter parteipolitischcr oder voltstrcmder Führung den Ictztclt Sinn für Ehre und Lebensnotweudigkeiten *) »Wir aber wollen lebon“. <Nrbeit«>au»1chup deutscher Verbünde. ^ug«udau»1chup, Berlin NW 6. fiiijonlicdpc!tt a.