KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 4-6 (April 1923)
- Date
- 1923-04-01
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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völkischen Finkenschaft zu München gegen die Berufung von Spiegelberg.v -Wahrend man die politische Auffassung eines Lenard als unerheblich betrachtet, der sich gegen, die Beschlüsse der Regierung am Gedenktage des Rachenaumordes wandte, wagt man es, in einer Eingabe andasBayerische^taatsministerium zu schreiben: „Sollte es dem Kultusministerium unhekannt sein, daß -das jüdische Volk weit über dem seinem Bevölkerungsanteil entsprechenden Maß (von 323 Professoren an der Universitüt München sind 16 Juden, das sind fünfmal mehr, als dem Bevölkerungsanteil entsprechen) Professoren der Münchener Universität mit Beschlag belegt hat, sollte es dem Kultusministerium unbekannt sein, welcher Gefahr es die deutschakademische Jugend auss tzt, wenn es Geistesgüter Angehörigen eines fremden Volkes zur Verwaltung ausliefert, sollte es dem Kultusministerium unbekannt sein, daß die Vertretung dieses Volkes in Deutschland, der „Zentralverein, deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" offen den Kampf gegen die „Deutsche Studentenschaft" führt?" Wann istderZemralvereingegendieDeutscheStudentenschaft ausgetreten? Allerdings gegen d i e Deutsche Studenschast und ihren Würzburger Studententag von 1922 ist er aufgetreten, die sich über die Grundgesetze des Staates hinwegseben wollte; aber niemals hat er sich gegen die studentische Selbstverwaltung als solche gewandt. Nebenbei handelt es sich um den Lehrstuhl für Aegyptologie, der sicher völkischen Belangen zu dienen bestimmt ist! Die studentische Lehrfreiheit wird von unseren Gegnern sogar so hoch geachtet, daß von der Deutschen Hochschul-Zeitung die Heidelberger juristische Fakultät als Ganzes angegriffen wird - in einer Weise, mit der auseinanderzusetzen der Mühe zu schade wäre. Nur eins: Wenn Alfred Weber als der einzige Heidelberger Lehrer hingestellt wird', der nicht jüdischer Abstammung oder über den doch in dieser Hinsicht „nichts Nachteiliges bekannt geworden ist", und es ferner heißt: „da aber dieser Herr nicht nur der Bruder, sondem auch der Gesinnungsgenosse des verstorbenen, sattsam bekannten Professor Max Weber ist, so bedarf es keiner Versicherung, daß durch diesen Herrn an dem jüdisch-radikalen Geist und Charakter dieser Fakultät nichts geändert wird" und „daß es eine Gefahr für die völkische Bildung der Heidelberger Studentenschaft bedeutet, wenn gerade in einem Fach, in dem sich deutsch-aufbauender und jüdisch-zersetzender Geist so unvereinbar gegenüberstehen, wie auf dem Gebiete der Volkswirtschaft, sie ausschließlich dem Einfluß jüdischer und radikaler Lehrer ausgesetzt ist", so fordert dies allerdings nicht vom jüdischen, aber vom vaterländischen Gesichtspunkte aus den schärfften Widerspruch heraus. Leider bleiben uns die Herren die Antwort schuldig, durch wen der in ihrem Sinne deutsch-aufbauende Geist vertreten weiden könnte. Sie beantworten aber auch nicht die Frage, inwiefern Max Weber feinfn zersetzenden Einfluß geltend gemacht hat. Klar folgt hieraus, daß es nur um Eines geht: Ablehnung aller der Elemente, ' die die staatsbürgerliche Gleichheit als eine Kulturerrungenschast ansehen; aller derer, die der Ansicht sind, daß Vaterlandsliebe nicht nur Rechte sondern auch Pflichten verlangt. Hat einer dieser Herren der Deutschen Hochschul-Zeitung, die sich stolz das offizielle Blatt der österreichischen und bayerischen Studentenschaft nennt, einmal die Ausführungen von Max Weber zum Nationalstaat und zur VollSwirtschaftspolitik gelesendie. seine 1895 gehaltene Antrittsvprlesung auf seinem Freiburger ersten volkswirtschaftlichen Lehrstuhl darstellen? Es ist nicht anzunehmen; denn hätten sie dies getan, sie würden nicht wogen, zu sagen, daß ein solcher Mann kein Verständnis für nationale Aufbauarbeit hat. Gewiß, er war auch damals ein Eigener, der nicht das nachsprach, was die Menge forderte; aber er hat das Volk gewarnt, sich seiner Pflicht, die ihm sein Deutschtum auferlegte, bewußt zu sein. Damals schloß seine Rede: „Auch angesichts der gewaltigen Not der Massen der Nation, welche das geschärfte soziale Gewissen der neuen Generation belastet, müssen wir auftichtig bekennen: Schwerer noch lastet auf uns heute das Bewußtsein unserer Verantwortlichkeit vor der Geschichte. Nicht unserer Generation ist beschicken, zu sehen, ob der Kampf, den wir führen*), Früchte trägt, ob sich die Nachwelt , zu uns als ihren Ahnen bekennt. Es wird uns nicht gelingen, den Fluch zu bannen, unter dem wir stehen- Nachgeborene zu sein einer politisch großen Zeit — — es müßte denn sein, daß wir verstünden, etwas Anderes zu werden: Vorläufer einer größeren. Wird das unser Platz in der Geschichte sein? Ich weiß es nicht und sage nur: Es ist das Recht der Jugend, zu sich selbst und zu ihren Idealen zu stehen, und nicht die Jahre sind es, die den Menschen zum Greise machen, jung ist er, so lange er mtt den großen Leidenschaften, welche die Natur in uns legte, zu empfinden vermag. Und so sind es nicht die Jahrtausende einer ruhmreichen Geschichte, unter deren Last eine große Nation altert; sie bleibt jung, wenn sie die Fähigkeit und den Mut hat, sich zu sich selbst und den großen Jnsttnkten, die ihr gegeben sind, zu bekennen und wenn ihre führenden Schichten sich hinaüszuheben vermögen in die harte und kläre Lust, in welcher die nüchterne Arbeit der deutschen Politik gedeiht, die aber auch durchweht ist von der ernsten Herrlichkeit des nattonalen Empfindens." Gewiß nicht die Worte eines Anaüonalen. Wie mit Weber, so geht es auch mit Fichte. Gem zittert man dis Stellen, in denen er, der nur den Ghetto-Juden kannte, sich gegen diesen und seine geistige Einstellung wandte. Aber auf der anderen Seite handelt man anders, als er gehandelt hat. Er, der erste gewählte Rektor der Berliner Universität, hat sich trotz dieser Einstellung nicht den Geist jener Kreise zu eigen gemacht. Als Beweis ein kleines "Beispiel. das Max LeNz erzählt: Unter den Medizinern der Berliner Universität befmd sich ein Student namens Joseph Leyser Brogi aus Posen, der Sohn eines armen jüdischen Händlers. Er bekam, „sicherlich ohne die Initiative zu ergreifen", sagt Lenz, mit einem christlichen, ebenfalls aus dem Posenschen stammenden Juristen Händel. Dieser, wie Lenz berichtet, „ein übermütiger, ja brutaler Mensch, der sich aber durch sein dreistes und breitspuriges Wesen unter seinen Genossen eine gewisse Stellung verschafft, lauert dem armseligen Gegner mit einer Hetzpeitsche auf und schlug ihn damit am hellen Tage und vor aller Augen auf dem Platz vor der Universität und nun ging Brogi zum Rektor und klagte". Fichte, der gegen diesen Pennalismus *) Gegen das Ueberwuchern des Polentums in Westpreußen.