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KC-Blätter · 1923-04-01 · Heft 4-6 (April 1923) · p. Seite 19

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Journal
KC-Blätter
Volume
1923
Issue
Heft 4-6 (April 1923)
Date
1923-04-01
Page
Seite 19 (sequence 7)
Language
German
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teilweise dabei auf frühere Veröffentlichungen, die inzwischen , vergriffen sind, zurückgreifen, teilweise Neues schaffen^ Die Summe dieser Aussätze soll dann später einmal als Sonderdruck wenigstens den Grundriß einer solchen Verbandsgeschichte liefern unddamit eine zweifellos vorhandene Lücke ausfüllen. Auch hierfür bedürfen wir der Mitarbeit aller. Darum greift zur Feder Ihr Men Kämpfer unseres Verbandes und schreibt Eure Erinnerungen einmal ttiebfer, Ihr Jungen denkt daran, daß die K. C.-Blätter nicht nur das Blatt sind, das für Euch herausgegeben wird, sondern das sie Euer Blatt sein sollen und daß jede Kritik vor allen Dingen das Bessermachen verlangt. Werbet auch unter denen, die zwar aus unserm Standpunkt stehen, aber unserem Verbände nicht angehören und die einen Namen zu vertreten haben, daß sie wieder wie ftüher > unser Blatt als Sprachrohr benutzen, so wie einst Hermann Cohen und andere es getan haben. *Wenn Ihr so alle mitarbeitet, dann werden die K. C.- Blätter der Führer im Streite bleiben, zu dem sie sich entwickelt haben, dann werden sie aber auchmehr als sie es in der letzten Zeit konnten, ihren Aufgaben, die sie im Verbände zu erfüllen haben, gerecht werden können. ~ Auch die übrige studentisch-politische Presse scheint nunmehr sich grundsätzlichen Fragen zuwenden zu wollen. So bringt die deutsche Hochschul-Zeitung jetzt eine ganze Artikelserie über v. Freimaurertum und völkische Frage. Wir werden uns zu späterer Zeit eingehend mit diesen Aufsätzen zu befassen haben, denn eine sachliche Kritik ginge weit über dm Rahmen der Umschau hinaus. Das Problem des Freimaurertums hat aber inzwischen auch schon zu Verbandsbeschlüssen geführt. So ist die Deutsche Burschenschaft so weit gegangen, in Bezug auf die Freimaurerlogen ihren Verbandsangehörigen Vorschriften zu machen, wobei sie auch diejenigen Logen ablehnt, die Juden aus ihren Reihen ausschließen. Dies hat nun allerdings doch den Widerspruch ihrer Altherrenschaft . hervorgemfen. Die Vereinigung Mer Burschenschaftler verschob deshalb ihre diesjährige Tagung bereits in die Osterzeit und faßte dabei, trotz aller Freundlichkeit in der Begründung, folgenden Beschluß, der einer Erklärung eigentlich nicht bedarf: „1. Der Attherrentag hat das Gutachten des Ausschusses für vaterländische Arbeit über die Freimaurerfrage zur Kenntnis genommen und hält es zur Aufllärung in der Deutschen Burschenschaft geeignet. Er gibt im übrigen der Erwartung Ausdruck, daß das Studium in der Deutschen Burschenschaft über diese Frage fortgesetzt wird und beauftragt den Borort, beim Burschentage den Antrag zu stellen, daß die einzelnen Burschenschaften sich weiterhin mit dieser Frage beschäftigen. 2. Der Altherrentag ist der Meinung, daß die Annahme des Antrages 28 vom Burschentage 1922 in die Derfaffung und in die Befugnisse der einzelnen Burschenschaften eingegriffen und somit dem § 3 der Satzungen der Deutschen Burschenschaft widersprochen hätte. 3. Die Altherrenschaften der einzelnen Burschenschaften nehmen mit Recht für fich in Anspruch, daß sie in ihrer Zusammensetzung und Verfassung die Gewahr dafür bieten, daß ihre einzelnenMttglieder nach bestem Wissen und Gewissen bmschenschastlich wirken. 4. Es muß aber auch Verständnis dafür ausgesprochen und erwartet werden, daß die völkische Einstellung der burschenschastlichen Jugend hohe Werte in bmschenschaftlichem Sinne enthält, soweit sie wirklich, getragen ist von dem sittlichen Bewußtsein stärkster eigener Verantwortung für Leben, Geist und Art des deutschen Volkes." , Meder ein Zeichen mehr, wie hoch die Freiheit der Persönlichkeit in der Jugend der Deutschen Buschenschaft noch geachtet wird. Wie viele sind es denn, die in der völllschen Frage „von dem sittlichen Bewußtsein eigener Verantwortung für das Leben.des Deutschen Volkes getragen sind?" Der Erfolg dieses Vorgehens der Altherrenschaft, die zu den „Negerweibern" schwieg, hat sich bereits gezeigt; denn der diesjährige Burschentag sah ein, daß er zu weit gegangen war. Die Deutsche Hochschul-Zeitung meldet hierüber, daß „ohne irgendwelchen Zwang auf den einzelnen Burschenschaftler ausüben zu wollen, den einzelnen Burschenschaften eine Aufklärung ihrer jungen Mitglieder über die Freimaurerei dringend ans Herz gelegt wird und ihnen die Zugehörigkeit zu Orden und Bruderschaften, zu denen auch ftemdrassige Elemente Zutritt haben, ab geraten wird, da sich die gegenwärtige Einstellung des Freimaurertums mit der völkischen Auffassung der jungen Burschenschaft nicht vertrage. Alten Burschenschaftern muß es jedoch überlassen bleiben, ihre burschenschastlichen Ideale nach bestem Wissen und Gewissen zu vertreten." Eine Aufklärung also, die dahin geht, daß der Gegensatz zwischen der alten und jungen Burschenschaft noch verstärkt werden soll! Also ist es doch nicht so, daß die burschenschastlichen- Ideale von heut die gleichen sind, wie die von ftüher. Vor kurzem sprach man noch anders. Die Polittk ist durchsichtig, Mauern werdm aufgerichtet für den gesellschaftlichen Boykott, Mauern aber nicht gegen die Juden, sondern vielmchr, um die eigenen Verbandsbrüder, damit diese nicht vielleicht außerhalb des engen Kreises dieser Fuchsenstunden einsehen könnten, daß man zwar von deuffchem Wiederaufbau sprechen kann, vielleicht reiner und selbstloser, ohne sich in solche Dogmen einzuschnüren. Wo bleibt da die Freiheit der Persönlichkeit? Diesen Wandel sehen wir noch schärfer an der Stellung der Burschenschaft zu dem Jubiläum der Nationalversammlung von 1848. Nicht die Tatsache, daß die Deutsche Burschenschaft keine Zeit fand, sich an diesem Tage, der doch einen Markstein auch in chrerGeschichte darstellt, durch einen ihrerJüngeren vertretm zu lassen, beweist dies, sondern vielmehr noch, daß die ftir diesen Zettpunkt bestimmten burfchenschastlichen Blätter, über die verschiedensten Fragen zu berichten Platz fanden, ohne auch nur mit einem Worte des 18. Mai 1848 zu gedenken, und daß auch der Burschentag in keiner seiner zahlreichen Papierresolutionen dieses Tages gedachte. Vergeßlichkeit scheint überhaupt das Kennzeichen der völkischen Verbände zu sein. Die 4 Lern- und Lehrfreiheit ist das Schlagwort, das herhalten mußte, wenn es gM, einen Mann wie Rüge zu schützen, wenn man sich gegen die Ablehnung des Rücktrittsgesuchs von Prof. Steinherz in Prag wandte. Die Lern- und Lehrfteiheit, sie wird vergessen, wenn man damit gegen das Dogma vvn der „Prozentnorm" verstößt. Vergessen wird, daß man sich Steinherz gegenüber anders benommen hat. Äs wolle tnrat seine Lehrfreiheit schützen. Vergessen die Vorgänge in Karlsruhe, hiervon unabhängig der Beschluß der

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