KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 4-6 (April 1923)
- Date
- 1923-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Pflege seiner Frau zu verdanken, die monatelang nicht von seinem Bette wich. Endlich' — ich glaube es dauerte acht Monate — hörten Schmerzen, Eiterung und Fieber aus. Kaum genesen, fuhr er nach Oberschlesien, um für das Deutschbleiben seiner Heimat zu stimmen. Wie stolz war unser Dicker, als ich ihn am. Samstag vor der Abstimmung besuchte, wie fühlte er sich im Schmucke seines E. K. I. Er war noch der alte geblieben, der sich über jede Kleinigkeit freute. Seine Mutter sah damals all' ihre Hoffnungen erfüllt, ihre jahrelange schwere Arbeit war belohnt, ihr Hartwig, für den allein sie -gelebt und gelitten hatte, war Arzt geworden und von seiner ^Frau geliebt Auch als A.H. nahm Löbinger während seiner Assistentenzeit regsten Anteil am Verbindungsbetrieb, lobte und tadelte vieles, aber man nahm ihm feine aufbrausende Art nicht übel, man wußte ja, wie . gut er cs meinte. Doch bald zeigte sich ein neues Leiden. Wieder mußte er Wochen im Bett verbringen, denn die Nieren erkranken, und dafür gab es keine Heilung. Zwar hielt er sich für gesund, da er keine Beschwerden hatte, aber wir alle sahen trübe in die Zukunst. Frohgemut ließ er sich in Gleiwitz als Facharzt nieder und errang sich bald eine ganz hervorragende Praxis. In diese Zeit fällt auf sein Glück ein Schatten; seine Mutter starb während einer Operation. Zwar war ihr dadurch ein langes Siechtum erspart, aber trotzdem traf ihn dieser Verlust sehr schwer. Me freuten wir uns mit der Nachricht von der Geburt seines Kindes, doch wie bitter ward ich enttäuscht, als ich bei meinem Besuch einige Tage später einen mit dem Tode Ringenden antraf. Ich war so ergriffen, daß ich nur wenige Worte mit ihm wechselte und ihm dann stillschweigend das Band übergab, das ihm sein gefallener Leibbursch Auerhahn zur Reception geschenkt.hat und das sich in meinem Besitze befand. Seine Frau lag noch nach der Entbindung in der Frauenklinik und ahnte nicht die Schwere der.Erkrankung. Auch die Aufnahme in die Breslauer Klinik konnte Löbinger nicht retten, er starb am 12. Juni 1923 an einem Abceß am Rückenmark (alter Granatsplitter) und der Nephrites. Mit Löbingers Tod hat sich die große Zahl der Kriegsopfer der Ghibellinia wieder vermehrt. Da ich die Nachricht von seinem Hinscheiden zu spät erhielt, konnte ich ihm nicht Worte des Dankes für seine Treue und Anhänglichkeit am Grabe Nachrufen, so daß ich hier der Freundespflicht genügen muß. Leb' wohl, Dicker, du bleibst uns unvergessen! Deine Frau, die dich so aufopfernd pflegte und liebte, dein Kind, daß du nie gesehen, können stets auf unS Ghibellinen rechnen, denn du warst ein treuer Bundesbruder und ein echter K.C.er! Llmjchau. Mit dieser Nummer geht die Schristleitung der K. C- Blätter tu andere Hände über, und es scheint daher angebracht, rückblickend die Entwicklung unserer Zeitung und die des.studentischen Pressewesens überhaupt zu verfolgen. Daß wir dabei vor allem dem bisherigen Schriftleiter für seine aufopfernde Tätigkeit Dank schulden, und daß die Entwicklung des Blattes wesentlich durch ihn bestimmt war, beweist allein die Tatsache, dasi die Hälfte der seit dem Erscheinen der ersten Nummer verstrichenen Zeit auf seine Schriftleitung entfällt Als die K. C.-Blätter gegründet wurden, entsprangen sie dem Bedürfnis, für den Verkehr zwischen den im Lande wohnenden alten Herren und ihren Verbänden ein festes Bindeglied zu schaffen und in gleicher Weise, wie die übrigen Studentenblätter jener Zeit es taten, den hierdurch in den Vordergrund tretenden fragen Räum zu bieten. Aber dieser Raum war zu eng für das Organ eines Kampfverbandes. Es genügte nicht, nur allein studentische Fragen zu behandeln, es mußte _ auch an die grundsätzlichen Gedanken herangegangen werden, aus denen der Verband entstanden war und die durch die Entwicklung des Deutschen Judentums im Laufe der Zeit austauchten. Diesen Aufgabenkreis auszufüllen, haben die K. C.-Blätter bis weit in die Kriegszeit hinein voll und ganz vermocht. Dann trat ein Wandel in der Einstellung der studentischen Presse überhaupt ein und er mußte sich in noch erheblicherem Maße auf uns auswirken. Die Frage der Politik greift in"das Leben der deutschen Studentenschaft immer schärfer ein. Die studentische Selbstverwaltung entwickelte sich schnell zu höchster Blüte, und die Frage der Bedeutung des völkischen Gedankens für die Entwicklung des Volkes und des Staates wurde in der Studentenschaft immer lebhafter diskutiert. Dazu kamen die durch die Kriegsfolgen in allen Studentenverbänden in den Vordergrund gedrängten Fragen, ob die Korpo- . rationen in ihrer bisherigen Form existenzberechtigt' waren oder auch nur eine Existenzmöglichkeit hatten. Alles das war an sich geeignet, die Studentenpresse in ihrem Aufgabenkreis außerordentlich umfangreicher zu gestalten. Die Tatsachen standen dem jedoch entgegen. Die immer fortschreitende Geldentwertung zwang fast alle Blätter zu einer starken Einschränkung ihres bisherigen Umfanges, und so finden wir jetzt drei Arten von Organen, die sich scharf voneinander unterscheiden: Die Blätter, die keine Nachrichtenorgane der Studenten- , schaft sind und in der Regel den studenttschen Selbstverwaltungskörpern unterstellt sind, diejenigen, die lediglich Bindemittel zwischen den Gliedern desselben Verbandes sein wollen, und schließlich diejenigen, die sich nicht ausschließlich an den Kreis der eigenen Verbandsmitglieder wenden, sondern die glauben darüber hinaus eine Aufgabe zu erfüllen zu haben. . Als Organ eines Kampfverbandes haben sich die K. C.-Blätter zu dieser letzten Gruppe gezählt. Aus diesem Bedürfnis heraus ist die Umschau enfftanden; diesem Zweck mußten manche grundsätzlichen Arbeiten weichen. Die K. C.-Blätter können aber nicht allein politisches Organ sein, auch nicht bei der Auslegung des Wortes „Politik" im weitesten Sinne; sie dürfen sich nicht darauf beschränken, nur Abwehrarbeit zu leisten, sie müssen auch wieder die grundlegenden Fragen unserer Tendenz in den Kreis der Erörterungen ziehen. Erforderlich ist hierzu vor allem eine gesicherte finanzielle Grundlage. Um diese zu schaffen, muß eS jedes unserer Verbandsmilglieder als seine Aufgabe betrachten, auch in dem Kreise der uns Fernstehenden für unser ' Blatt zu^ werben, und zwar sowohl Leser, als auch solche, die uns durch ihre Inserate unterstützen. Daneben entsteht eine neue Aufgabe. Langsam ist der Zeitpunkt gekommen, in dem die unmittelbare persönliche Fühlung zwischen den Gründern unserer Korporattonen und der heutigen Aktivttas mehr und mehr zu schwinden beginnt. Da wäre es an der Zeit, wie dies ftüher bei den älteren Verbänden üblich war, an die Herausgabe einer Geschichte des Verbandes und der einzelnen Verbindungen heranzugehen. Dieser Plan ist auch mehr als einmal erwogen worden, aber immer wieder scheiterte er an der Kostenftage. Einen Ersatz hierfür sollen die K. C.-Blätter bilden. Aus diesem Grunde werden wir im Laufe der nächsten Zeit regelmäßig Darstellungen aus der Verbandsgeschichte bringen -