KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 4-6 (April 1923)
- Date
- 1923-04-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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das studentische Leben künstlich hineingebracht hat- und wenn man. an ihre Stelle wieder die einem jungen Menschen allein natürliche, freiheitliche Gesinnung und Umgangsförm setzt, die bis dahin immer Inhalt des Comments und typisch gerade für das Studentenleben war. Noch ist es nicht so weit. Trotzdem gehört jeder aufrechte, deutsche Jude in unsere Reihen, gleichviel ob er dem Comment freundlich oder ablehnend gegenübersteht; denn uns ist er nicht nur Aufrechterhaltung Mer Tradition und nicht nur Erziehungsmittel, uns ist er Waffe im Kampfe für Recht, Freiheit und Vaterland. In der Wahl dieser Waffe sind wir nicht frei gewesen, sie ist uns aufgezwungen worden. Darum müssen wir sie als altes, einziges erprobtes Kampfmittel mit allen Kräften Pflegen, gleichviel ob' sie dem oder jenem sympathisch ist oder nicht. Daß uns dann Erfolge auch nichtversagt bleiben, zeigt die junge Geschichte 4» des K. C. zur Genüge. Ist uns aber hie Unterwerfung unter den Comment eine Maßnahme zur Durchsetzung einer Idee, so muß folgerichüg auch jede Handlung, die wir in Ausführung des Comments vornehmen, von eben dieser Idee durchgeistigt sein. Gerade diese Tatsache ist dazu geeignet, das Niveau, auf dem sich unser Verbindungsleben abspielt, weit über das anderer Verbände zu heben und für uns uuch solche Kreise zu gewinnen, die sich dem Commenr sonst nicht unterwerfen würden, weil sie nach Tieferem verlangen. Diese Idee, die unser ganzes Wirken und Streben durchdringen soll von dem Augenblick, da wir stolz das Fuxenband umnehmen, bis zu . dem Tage, da sich über unserem Grabe das Banner senkt, für das wir gekämpft und gestritten, ist in großen Umrissen in unserem Tendenzparagraphen enthalten. So ist es^ denn die vornehmste Pflicht der Verbindungen, ihre Mitglieder — Füxe und Burschen — soweit nur irgend möglich in unsere Tendenz einzuweihen. Die Tendenz ist die Seele des K. C., Comment und Couleur nur der Körper, in dem sie wohnen soll. Ohne.Seele aber ist der Körper tot. Darum liegt Gegenwart und Zukunft des K. C. in den Händen der Fuxmajore für Tendenz. Mögen diese sich bei Ausübung ihres Amtes, die Verbindungen bei der Uebertragung des Fuxmajorates ihrer großen Verantwortung stets bewußt sein. Fuxmajor für Tendenz kann daher nur werden — 'Aktiver, Inaktiver oder alter Herr —, der genügend Zeit und genügend Liebe zur Sache hat, um einen regelmäßigen, ununterbrochenen Kursus nach einem bestimmten-Lehrplan durchzuführen. Auch müssen pädagogische Eigenschaften und Redegewandheit verlangt werden. Vor allen Dingen aber müssen genügende Kenntnisse vorhanden sein. Keineswegs genügt zur Qualifikation als F.m.f.T., daß der Bewerber selbst - nur in der Fuxenstunde ausgeblldet worden ist. Ein eingehenderes privates Studium der einschlägigen Gebiete — möglichst Besuch von Vortragskursen oder der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums — müssen verlangt werden. Das Amt der F.rn.f.T. kann nicht nach Anciennitätsgründen oder der Parteien Gunst, sondern nur auf Grund von Kenntnissen verliehen werden. Dazu wäre es von Vorteil, wenn man sich von, der Geeignetheit des Bewerbers dadurch überzeugte, daß man von ihm mindestens einen Vertrag verlangt, wodurch auch gleichzeitig die Allgemeinheit ihr Mssen bereichern könnte. Was für Kenntnisse der F.m.f.T. haben muß, ergibt sich aus dem Umfange dessen, worüber er die Füxe unterrichten soll. Darüber, was das ist, wird schon fett' langem im K. C. diskutiert (auch liegt schon seit langer Zeit ein K.C. Tags-Beschluß vor, wonach der G.A. Richtlinien ansarbeiten soll. Trotz mehrfacher Erinnerungen, auch meiner Verbindung, hat der G.Aaber für die Bearbeitung dieser ungemein wichtigen Frage anscheinend noch nicht die erforderliche Zeit gefundenwas im Interesse des Verbandes ganz außerordentlich zu bedauern ist). Nach dem Tendenzparagraphen soll der F. m.f.T. seine Füxe zu selbstbewußten Juden erziehen. Er wird also auf die Erziehung zum Selbstbewußtsejn und zum Juden gleicherweise Wert legen müssen. Die Erziehung zum Selbstbewußtsejn wird dabei im allgemeinen der leichtere Teil seiner Aufgabe sein. Wer sich beim K.C. aktiv meldet, wird schon ein gewisses Quantum Selbstbewußtsein mitbringen; denn er weiß, auf welchen vorgeschobenen Kampfposten für seine Gemeinschaft er sich damit hegibt und in welchem Maße er sich dem wildesten Antisemitismus der garantiert arischen „Commilitonen" aussetzt, während er sonst durch geschicktes Ducken und Untertauchen sich dem Eintreten für sein, Judentum entziehen könnte. Dieses Selbstbewußtsein kann durch eine Darstellung der Geschichte der Juden, namentlich in Deutschland, vertieft und gefestigt werden. Schwieriger für den F.m.f.T. ist der zweite Tell seiner Erziehungsaufgabe. Als der Tendenzparagraph geschaffen wurde, herrschte an den deutschen Hochschulen ein äußerst starker Antisemitismus, der sich um so rigoroser aus wirken konnte, als ein ernsth after Widerstand vonseiten der deutsch empfindenden jüdischen Commilitonen wegen des Fehlens kraftvoller Organisationen nicht möglich war. Mangels Unterstützung durch starke' Verbände und gegenüber einer überwältigenden, brutalen Uebermacht von Feinden kam es vor, daß die Kraft manches jüdischen Studenten im Abwehrckampfe. erlahmte. So legten wohl die Begründer unserer Organisation, als sie von Erziehung zum selbstbewußten Juden sprachen, die Betonung aufdie Erziehung zum Selbstbewußtsein, während ihnen das „Judesein" und das gedankliche Erfassen dieses Begriffes in seinem ganzen Umfange etwas Selbstverständliches war, das sie aus dem Elternhaus mitbrachten. Heute ist es fast umgekehrt. Es gibt wohl kaum einen Kartellbruder, der nicht jederzeit selbstbewußt für unsere Gemeinschaft einträte, es gibt leider aber nur wenige, die das als Juden tun, d. h. in dem Bewußtsein, nicht nur gegen d'as Unrecht anzukämpfen, das in der politischen und. gesellschaftlichen Unterdrückung einer Minorität durch eine Majorität liegt, sondern im bewußten Kampf gegen die Unterdrückung unserer Gemeinschaft als Anhänger einer ganz bestimmten ethisch-religiösen Lehre oder als Angehörige einer bestimmten Rasse. Dabei legen wir, wenn wir uns als Kartellkonvent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens bezeichnen, Wert darauf, daß wir einen Verband von Angehörigen der jüdischen Religionsgemeinschaft bllden und als solche alle Angriffedie gegen uns wegen der Zugehörigkeit zu dieser religiösen Bekenntnisgemeinschast erhoben werden, stolz mtd-. selbstbewußt abweisen. Ob wir uns auch als Ang^