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KC-Blätter · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 6

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Journal
KC-Blätter
Volume
1923
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Date
1923-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 einigung betört verschieben, batz ein Ausgleich unmöglich ist. Die ersteren lehren bie Jugend sich unterorbnen, damit sie dereinst alle führen lernen. Die letzteren wollen Jugend als Vorbereitungszeit nicht gelten lassen und Messen ihr Selbstzweck und Selbstwert zu. Die ersteren erblicken in den Formen Erziehungsmittel, die letzteren lehnen sie theoretisch ab. Uttb da den alten jüdischen Anschauungen die straffe Zucht der Verbindung formell weit näher steht, ist die Wandervogelbewegung ihnen besonders fern und fremd. Der Unterschied ist leicht auf eine Formel zu bringen: Die Verbindung treibt Persönlichkeitserziehung, der Wandervogel Jndividualitätsbildung. Ein Teil muß immer leiden. Bei den Zionisten wäre es das K. I. B. gewesen, wenn nicht die übergrotze Gier des „Freundes", der da K. S. V. mit Haut und Haaren verschlingen wollte, es noch gerettet hätte. Warnend zeige dem K. C. das Beispiel, wohin wir gelangt wären, wenn wir den Sirenenklängen aus unseren eigenen Reihen folgend irgend einen Ausgleich zwischen K. C. und „Kameraden" versucht hätten. Beider Weltanschauungen sind eben durch eine unendliche Kluft getrennt. Und der Humor von der Geschichte? Beide werfen sich Assimilantentum vor! Und beide haben recht! In Wahrheit ist das Deutschtum zu stark in allen, als daß es auf die Dauer unterdrückt werden könnte. Jeder Versuch, es abzustreifen rächt sich durch eine natürliche Reaktion. Das K.J. V. schwankt und tastet umher, sucht nach Anschluß, seitdem es durch Aufgabe der akademischen Werte sich seines besonderen Bodens und Wirkungskreises beraubte, und der „Blau-Weiß" bildet sich an germanisch-heidnischen Idealen. Uns aber zeigt der kritische Blick auf diese Wirren, wie richtig unsere konsequent festgehaltene Stellung ist, die Synthese zwischen deutscher Kultur und jüdisch-religiösem Geiste in uns zu verwirklichen. F. G. eritb fröhlich. (Gestorben am 5. Sept. 1922.) Zum Tode des Freundes. Stolz durften wir auf ihn sein. Dankbar mußten wir ihm sein. Stolz und dankbar — um der großen Kräfte willen, die in ihm waren und die er hergab für unsere gemeinsame Sache; um der unerschütterlichen Treue willen, mit der er zu uns gehalten in guten und schlechten Tagen; um des hohen Adels willen, der seinem ganzen Wesen inne war und der sein Wirken mit uns und für uns, unserem gemeinsamen Streben verlieh. Freundschaft mit ihm wuchs in vertrautem Gespräch. Die mit ihrem eigenen Widerstreit und Ringen im eignen Innern sich ihm enthüllten, fanden in ihm den verstehenden Gefährten und Freund. Auch er hatte mit sich gerungen, hatte sich selbst gesucht, um die Wahrheit zu finden! Und gemeinsam mit ihm fand man leichter den Weg, erkannte man schärfer das Ziel, spannte man straffer seine Kräfte. Es war die Lauterkeit seines Charakters, der Adel seines Wesens, was seine Freunde zu ihm zwang. Klarheit des Geistes, Reinheit des Wollens, Kraft der Persönlichkeit machten ihn zum Führer berufen in unserem Kreise. Zum Führer, dem wir vertrauten, den wir liebten, well wir an ihn glaubten! Vom Anfang seiner Zugehörigkeit zu uns, und bis zuletzt, bis ihn sein unheilvolles Leiden aufs Lager zwang, hat er in immer gleicher Art, mit gleichem Mute und gleicher Begeisterung, mit gleicher Kraft und gleicher Treue mit uns und für uns gestrebt und gewirkt, in Wort und Schrift und Tat. Es war ein stilles, hohes Heldentum, wie er sein schweres körperliches Leiden überwand, edel und selbstlos, in treuester Erfüllung sich selbst gestellter großer Pflichten. Sein Körper galt ihm wenig. Er lebte dem Geiste. Dem Geiste des Reinen, des Edlen, des Wahren! Und er lebte nicht umsonst! W. M. Lewinsohn, (Sax.-Bav.) Alpinismus und R. c.-Erziehung. Bon G- F- Bergmann (Thur.), Minden. Die meisten werden erstaunt ftagen, wie diese beiden Tinge zueinander kommen. Wer jedoch den Verhandlungen der letzten -großen Augusttagung des Deutsch- Österreichischen Alpenvereins gefolgt ist, wird zugeben, daß es wohl der Mühe wert ist, hier einmal einem offenen Worte über diese Zusammenhänge Raum zu gewähren. Auf der genannten Tagung des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins im August 1921 stand ein Antrag einiger in der Mehrzahl österreichischer Sektionen zur Diskussion, der die Einführung des „Arierparagraphen" verlangte und der eine Wiener Sektion, die, hauptsächlich aus Juden bestehend, in den Verband ausgenommen worden war, wieder aus diesem entfernen wollte. Dem einsichtigen Dazwischentreten deutscher paritätischer Sektionen gelang es, daß die Österreicher den Antrag noch vor der Abstimmung zurückzogen- Die Gefahr war für dieses Mal beseitigt. Der Alpenverein, ein Verband, der viele Tauft nde Deutsche und Österreicher, Christen und Juden, umfaßt, hat sich als Ganzes, nicht in seinen einzelnen Teilen, der Verhetzung zum Religions- und Rassenhasse widersetzt. Wir haben sv auch von Seiten des K. C.-Gedankens einen Erfolg zu buchen. Jedoch wie lange?! Wer die Ansichten und die Stimmung in Österreich kennt, die sich zuletzt in der Gründung eines „Deutsch-völkischen Skiverbandes" kundtaten, für den wird kein Zweifel bestehen, daß auch in den folgenden Jahren der Antisemitismus von Österreich aus weiter gleich einem schleichenden Gifte in die Sek ionen einzudringen versuchen wird. Schon hat auch eine Anzahl deutscher Sektionen den Arierparagraphen für sich angenommen. Wie aber ist dem entgegenzutreten? Bor allem, wie können wir K- C.er unser Teil dazu beitragen', daß im Alpinismus und damit im Alpenverein überhaupt die judenfeindliche Stimmung zurückgeht und allmählich wieder verschwindet? Wie oft hört man nicht von christlichen Wandergenossen, sie achteten die jüdischen Alpinisten genau wie ihre eignen Glaubensgenossen und hätten mit manchem jüdischen Bergsteiger in guter Kameradschaft Freud und Leid der Hochtour geteilt — aber es wären ihrer doch nur so wenige, es wären eben nur Ausnahmen! Sähe man dagegen nach Garmisch oder Tegernsee, da fände man ganz andere jüdische „Bergfreunde"! Hier gilt es einmal mit offenem Visier zu sprechen Sie haben in vielem leider Recht. Das Treiben in so vielen Gebirgsorten hat wirklich mit Sport und körperlicher Ausbildung nichts zu tun, so daß dem ehrlichen Bergsteiger ganz wehe wird. Gewiß sind Juden nur in demselben Maße beteiligt wie andere. Aber es ist das ewige Schicksal der Juden, daß man auf sie besonders achtet. Und darum haben wir hier eine Erziehungsaufgabe, wenn auch der größte Teil dieser Leute nicht den Kreisen entstammt, aus denen der K. C.

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