KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 auch „Studierende, die sich zur deutschen Kultur bekennen und am 1. Juli 1914 im Gebiete des derzeitigen Deutsch-Österreichs, De.utsch-Südtirols bezw. der Sudetenländer ansässig waren und jetzt die entsprechende Staatsangehörigkeit besitzen. In Wien und Prag aber wählt der deutsche einheimische Jude nicht mit! Die Würzburger Verfassung ist von der deutschen Regierung anerkannt, ihr offenbar antisemitischer Charakter sanktioniert worden. Zeichen der Zeit! Die republikanische Staatsmacht weicht auch im Reiche vor den antisemitischen Forderungen respektvoll zurück. Weite Teile der Studentenschaft treten eben mehr oder weniger offen gegen die Republik auf, und charakteristischer ist die Stellungnahme, die man dem „Kartell der Deutschen republikan. Studentenschaft", das am 2. August 1922 gegründet wurde, einnimmt. In einer schwachen Stunde erinnern sich wohl die „Burschenschaftlichen Blätter", daß die Burschenschaft eine republikanische Vergangenheit hat und daß gerade die großen Republikaner des.19. Jahrhunderts ihre Angehörigen waren. Es gibt zu, daß auch Burschenschaftler, insbesondere jüngere (?), Republikaner seien, findet aber doch einen Weg, um zu folgendem Schlüsse zu kommen: „Es ist . . . billigenswert und verständlich, daß der republikanisch gesinnte Teil unserer Freunde das „Reichskartell der deutschen republikanischen Studentenschaft" völlig ablehnt. Das Reichskartell hat nicht die mindeste Berechtigung sich als eine Zusammenfassung der deutschen republikanisch gesinnten Studenten darz u st e l l e n." Werden wir demnach eine burschenschaftliche republikanische Organisation zu erwarten haben? Seit dem Erscheinen der letzten Umschau ist der K. C. in der Presse selten behandelt worden. Das „Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden" enthält in derselben Nummer, in der der berühmt gewordene antisemitische Artikel eines gewissen S. Hob recht über „die Ostjudengefahr" und der ebenso bemerkenswerte antisemitische Erguß des „christlichen", aber jüdisch stark versippten Gerd Boß erschien, auch eine Betrachtung über den K. C. In Wahrheit ist es nur ein recht ödes und wehleidiges Ge- 'zetere über unsere Kartellbrüder Holländer, Fritz Loevy und Goldmann, den im K. C. „regierenden Zwischenschritt'ern". Der arme K. C. wird bedauert, weil er sich eine solche Herrschaft (Holländer!!) gefallen lasse. Da der Artikel sich über das Niveau einer kleinlichen Polemik nicht erhebt und keine neuen Gedanken enthält, die einer Widerlegung wert wären, kann hier von einer Auseinandersetzung ebenso abgesehen werden wie bei den „Burschenschaftlichen Wege n", dem Organ des A. D. B>, auf die sich Naumann triumphierend beruft. Der A. D.B. ist ins rassenantisemitische Lager abgeschwenkt: mir ihm seine Zeitung. Bemerkenswert ist die Freude über die „verschwindend wenigen bei uns verbliebenen Altherren jüdischer Abstammung". Nur das eine sei von einem polemischen Artikel gegen K. C., K. C.-- Blätter und dessen Redakteur festgestellt, da mit antisemitischen Redensarten zu polemisieren zwecklos ist. Wir hatten der Zeitung und ihrem Redakteur einen Borwurf gemacht, weil er den K. C. beschuldigt hatte, er „habe die Pflege deutschvaterländischer Gesinnung auf seinem Programm", seine Kräfte widme er jedoch ..in praxi fast ausschließlich der kritiklosen und unterschiedslosen Verteidigung des Judentums". Wir hatten ihn aufgefordert, für diese Behauptung einen Beweis zu bringen. Was tut der kühne Herr? Er verzichtet! Er schweigt sich über diesen Punkt sorgsam aus. Er gehört also zu denen, die Dinge behaupten, die sie nicht beweisen können. Das dürfte genügen! Und wenn er im Stile und in der Gesinnung des „Völkischen Beobachters" dem Redakteur dieser Zeitung vorwirft, er sei „ein erfolgreicher Förderer des Antisemitismus", so sei nur bemerkt, daß der Haß mancher Leute ehrenvoll ist, besonders jener, die erst Behauptungen aufstellen und sich dann um den Beweis drücken. Auch in der Zeitschrift des B. C., der „D e u tsch e n Hochschule", die übrigens — ein Zeichen der Zeit — vorläufig eingegangen ist, wird der K. C. erwähnt. Der dritte Burschentag des B. C. h at den Verruf gegen den K. C. aufgehoben. Aus demselben Berichte ist noch bemerkenswert, daß der B.C. auf leichte Waffen nur innerhalb des Verbandes ficht. Von den übrigen Verbänden interessiert vornehmlich die Entwicklung im K. I. B. Dort haben die Dinge jenen Verlauf genommen, den wir vorausgesagt haben, als der Verband sich von den Formen deutschen studentischen Wesens trennte. Seine Eigenart wurde dadurch schließlich derart verwischt, daß er eine Fusion mit dem nichtakademischen „Blau-Weiß" einging und damit vollständig seinen akademischen Charakter verleugnete. Wenn diese Verbindung nach ganz kurzer Zeit wieder in die Brüche ging, so war das lediglich eine Folge der Überheblichkeit des Wanderbundes, der eine ganz eigentümliche Entwicklung genommen hat. Er ist vollständig in das Schlepptau der deutschen Wandervögel geraten und hat in seinen Formen einen Stick ins Faschistische angenommen. Opposition par imitation! Seine Bundesgesetze, die auf der Tagung zu Prün angenommen wurden, verleihen den jugendlichen Führern eine — zumal für jüdische Anschauungen — unglaubliche Macht und gestalten das Verhältnis von Führern zu Mitgliedern ähnlich wie in einem alten germanischen heiligen Fehmorden oder dem Klu-Klux-Klan in Nordamerika. Mit solchen Herren und Damen die Einheit aufrecht zu erhalten, war dem K. I. V. denn doch nicht möglich, und mit einem stillen Lächeln verzeichnet man, daß der Widerstand gerade von jenen alten V. I. Stern ausging, die als Studenten noch wacker ihre Mensuren geschlagen und Mitglieder eines wirklich akademischen Bundes gewesen sind. Sie werden dafür in allen Tonarten als „Assimilanten mit zionistischem Anstrich" beschimpft und rächen sich dadurch, daß sie — und das mit Recht — dem „Blau- Weiß" seine völlige Angleichung an das germanischheidnische Wandervogelideal bescheinigen und ulkige Einzelheiten — wer hätte gedacht, daß der „jüdische" Blau-Weiß statt der früheren Jargongesänge deutsche Landsknechtslieder auf der Landstraße zum besten gibt? — anführen. Die Liebenswürdigkeiten, die die früheren Gegner sich sagen, füllen zur Zeit die zionistische Presse. Woher kommen nun diese unerquicklichen Streitigkeiten, woher die Borwürfe, mit denen die Parteien sich überschütten? Sie haben eine formelle und eine jüdische Bedeutung. Die Erziehungsbasis und die Anschauungen über das Wesen der Disziplin sind in einer Studentenverbindung und einer Wandervogelver-