KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 länder gleich behandelt werden. Ob unserer Forderung die Zeit günstig ist, bleibt dabei gleichgültig. Die Gewalt der rohen Masse können wir nicht besiegen. Aber jedes Abgehen von dem geraden Pfade ist ein Fehler, ja eine Sünde an uns selber. Denn nie dürfen wir selber die Gewalt legalisieren! Wir haben allen Grund, der immens clausus^e* wegung in Deutschland ernsteste Aufmerksamkeit zu schenken. Für ausländische Studenten wird sie heute schon geübt. Der deutschfeindliche Tscheche christlicher Religion findet — das betrachtet man schon als selbstverständlich — fast überall viel leichter Aufnahme als ein Deutschböhme jüdischen Glaubens. Es ist anzunehmen, daß schon in nicht allzulanger Zeit — von Süddeutschland ausgehend — das hier behandelte Problem die Gemüter. zu erregen beginnt. An uns ist es darum vorläufig einmal theoretisch die feste Grundlage zur Abwehr zu gewinnen, uns bewußt zu sein, daß die geistige Einstellung auf den K.C.-Gedanken dem jüdischen Studenten allein die Kraft und dasRecht gibt, den Kampf aufzunehmen und zu bestehen. Umschau. Bon der Ruhr. Aller Deutschen Augen schauen in diesen Tagen in Trauer und Empörung nach der Ruhr. Ein Zagen will uns alle ergreifen ob des neuen Unglücks, das über unser so unendlich schwer geprüftes Vaterland gekommen ist. Der Feind steht wieder mitten im Lande, sein ganzer Kriegsapparat — der in seiner Größe Frankreichs Übergewicht ebenso demonstriert wie seine blasse Furcht — wirkt gegen friedliche Bürger, kostbare Menschenleben fallen tückischem Morde zum.Opfer, Werte von unendlicher Größe werden sinnlos verschleudert, das ganze Wirtschaftsleben unseres Volkes in empfindlicher Weise gestört. Gleich hysterischem Aufkreischen klingt das Wutgeschrei der' Feinde, die selbst den Schandvertrag von Versailles nicht achten und wider alles Recht und wider alle Vernunft einen weiteren Teil unseres Vaterlandes, sein Herz, besetzten, unauslöschliche Verachtung und grimmen Haß auf ihren Spuren säend. So unendlich die Not, so groß ist doch der Trost, daß der Feinde Ziel nicht erreicht werden konnre. Waffenlos und arm konnten wir gewiß dem frevlen Angriff keinen positiven Widerstand entgegenstellen. Aber die Waffe der Würde, der Selbstachtung konnte uns keiner entwinden, und heute wissen die Franzosen bereits, daß sie wohl noch mehr morden, noch mehr zerstören können, daß sie aber niemals den passiven Widerstand überwinden werden. Und das um so weniger, als in diesem Gedanken alle Parteien, alle Stände,, alle Religionen eine Grundlage gefunden haben, die sie eint. Der einmütige Widerstand, den die französische Willkür fand, ist ein Lichtblick in trüber Zeit. Lehrt er doch, daß die beste Kraft des deutschen Volkes in den inneren Kämpfen der letzten Jahre nicht verzettelt worden ist. Lediglich den Antisemiten war es Vorbehalten, diese Einheit zu stören, und wieder bewiesen sie dadurch ihren gefährlichen, deutschfeindlichen Charakter. Abgesehen davon, daß die Beziehungen zwischen bayerische Antisemiten und den französischen Landesfeinden mehrfach die öffentliche Meinung erregt haben, ist es bemerkenswert, daß auch angesichts des Feindes der innere Krieg nicht verstummte. Man schlage deutschvölkische Blätter auf. wo man wolle, überall erklingt dasselbe Lied: Der eigentliche Feind ist der Jude, der hinter dem Franzosen steht und ihn wie die ganze Welt regiert. Ein Gefühl des Ekels wie des Zornes packt einen, wenn man von solcher würdelosen Anklage 'gegen Söhne des eigenen Staates hört, die den tiefsten Grad speichelleckerischer Erniedrigung verrät, wenn sie — wie es seitens eines Vertreters der neugegründeten „Deutschen Partei" geschieht — die Franzosen geradezu entschuldigt und umschmeichelt. Auch auf akademischem Boden hat diese Gesinnung ihre Triumphe gefeiert und zwar knüpfen sich die Vorgänge an den Namen der alten deutschen Universitätsstadt Prag. Aus den Tagesblättern kennt man den Verlauf der Dinge. Ein jüdischer Rektor, S. Steinherz, wurde gewählt, der nicht, wie sonst üblich, vor Antritt seines Amtes verzichtete, sondern der es trotz aller Drohungen übernahm und sich nicht einschüchtern ließ. Wild heulte die antisemitische Meute auf, suchte mit allen nur erdenklichen Mitteln den Rücktritt zu erzwingen und sogar ein Universitätsstreik wurde für einige Zeit veranstaltet. Steinherz benahm sich taktvoll und fest. Er verzichtete nicht auf sein Amt, solange er bedroht, angegriffen und mit Schmutz beworfen wurde. Erst in dem Augenblicke, da der Sturm sich beruhigte, legte er das Rektorat nieder, ein Schritt freilich, den das tschechische Ministerium nicht genehmigte, so daß er wohl das ganze Jahr hindurch Rektor der Universität Prag bleibt. Bemerkenswert — und das interessiert uns am meisten — ist die Art, in der d e r a n t i s e m i t'i s ch e Klüngel deutsche Interessen opfert, um seine Parteiziele zu fördern. Ein Bild für Götter! An der Prager Universität wüten die deutschvölkischen Studenten und Professoren gegen die deutschen Elemente, die jüdischer Religion und Abstammung sind, und bei diesem Amoklaufen gegen deutsche Werte schauen die Tschechen höhnisch zu! Man entblödet sich auf antisemitischer Seite nicht einmal, um die tschechischen Antisemiten als Genossen im mampfe gegen die Brüder der eigenen Kultur zu werben, ein Vorgehen-freilich, das selbst tschechische Antisemiten mit Ekel erfüllte — und zur Abwehr zwang. So erwiesen sich auch in diesem Falle die Judenfeinde als die Feinde des Deutschtums, denn es gibt keinen Einsichtigen, der nicht wüßte, daß die treue Mitarbeit der deutschen Juden gerade in Prag für die Aufrechterhaltung der jetzigen deutschen Stellung ganz unentbehrlich ist. - Freilich wütet der Judenhaß außerhalb der Reichsgrenzen überhaupt auf akademischem Boden viel schlimmer als im Reiche selbst. Zeugnis dafür ist, daß in der Berfass««gsfrage die österreichischen Antisemiten ihrenWilleu durchgesetzt haben. Honnef, das noch leidlich verständige Beschlüsse gefaßt hatte, ist überwunden. Würzburg hat den Sieg davongetragen! Zwar hat man in der Würzburger Satzung die Rechte der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens nicht angetastet. Dagegen heißt es in Stück 2 wörtlich: „Die auslandsdeutschen Studentenschaften regeln ihre Zusammensetzung selbständig." Das heißt, daß der Arierparagraph der Böhmen und Deutschösterreicher sanktioniert wird. In Deutschland hat der jüdische Ausländsdeutsche Wahlberechtigung, denn nach den Aussührungsbestimmungen wählten im S.S. 1922