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KC-Blätter · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1922) · p. Seite 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 7-9 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 71 (sequence 15)
Language
German
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71 irimu'iY Beleidigung empsindet — scheint von der grundsüdlich gleiche» seelische» Veranlagung des Jude» und Deutsche» anszngehen, die zwar de» zwischen Gleichgeartete» stets verständliche» erkläre, die aber dach das Hinstreben »ach friedlicher Zusammenarbeit rechtfertige. (5s kan» aber auctj anders sem. Das; einzelne Lüde scharspvintierte,' verständliche Wahrheiten, insbesondere über Zionismus und jüdischen Antisemit tismns sagen, sei der Gerechtigkeit halber hervorgehoben. Die jüdische Geschichte. CSin geschichtsphilosophischcr Versuch von S. M. Dubnow. Antorisierte ttbersednng ans dem Russischen von Israel F riedländer. Zweite Auslage. I. Kaufmann. Verlag, Frankfurt a. M. 1921. — Dubnow ist heute der bedeutendsten jüdischen Historiker einer, wenn er nicht gar an der Spihe aller Forscher steht. Cs» vorliegendem Bande gibt er einen vorzüglichen Überblick über das Ganze der jüdischen Geschichte und weist mit viel Geschick die leitenden Ideen auf. Wer jüdisclie (beschichte lernt, sollte unbedingt des höheren Zusammenhanges halber, in den er sein Wissen stellen kann, diese Übersicht der Grnndtatsachen und der leiienden Gedanken gelesen haben. Tie begeisternde schwungvolle Art. die ans vollen jüdischen Herzen geboren ist, und der vortreffliche Stil, den auch die Übersehuilg treu bewahrt, machen das Buch zu einer interessanten Lektüre und einem nützlichen Hilfsmittel znm Ltudium der Geschichte Israels. Für den Fnchsennnterricht wrrd es überall mit gros;em diutzen verwendet werden. — Bemerkt sei, das; auf die Terminologie Dubnolvs zu achten ist. Das Wort ..national" vor allem wird in einem ganz andren Linne als sonst üblich gebraucht. Hochschulführer, Lebens- und Stndienverhältnisse in den deutschen Hochschulstädten, herausgegebeu im Aufträge der Deutschen Studentenschaft vom Wohnungsamt der Deutschen Studentenschaft, Münster, Universität, 0. Ausgabe, Wintersemester 1922/23. Zu beziehen durch das Wohnungsamt der Deutschen Studentrnscchaft, gegen Einzahlung von U», Mk. (Ausland mit boclnvertiger Valuta OO Mk., sollst 3") Mk.) ans das Postscheclkonto Hannover Nr. .r>r> 20.') (Wohnungsamt der Deutschen Studentenschaft. Münster, Universität). Die neue Ansgabe des Hochschulführers enthält in klarer und übersichtlicher Weise alles Wissenswerte der einzelnen Hochschulen, wie Hocbschnlgrbühren und Unterrichtsgelder, Semester- und Porlesnngsbeginn. Wohluings- und Verpslegnngsverhältnisse, Nebenerwerbsmöglichkeiten und Vermittlungsstellen für Semester» und Ferienarbeit, Stlldien- und Berufsberatnngsstellen. Ein besonderer Abschnitt ist der Deutschen Studentenschaft und ihren Einrichtungen gewidmet, wobei die Angaben über die Wirtschaftshilfe und die Ämter besondere Beachtung verdienen. Die Abschnitte über die studentischen Wirtschaftskörper an den deutschen Hochschulen, die Darlehnskasse der Deutschen Studentenschaft und die amtlichen Zeitschriften der Hochschulen und Studentenschaften stellen eiiw lvesentliche Bereicherung des Büchleins dar. Die Schrift, die ansterdem nach Mitteilungen deS Anslvärtige» Amtes „Richtliliien für das Stndinin der Ausländer an den deutschen Hochschulen" enthält und auch die Verhältnisse Deutsch- Österreichs und der Sndetenländer berücksichtigt, ist für jeden unentbehrlich, der sich über die Verhältnisse an den deutschen Hochschulen unterrichten will. Wer in diesem Büchlein sich RatS holt, kann dadurch manche unangenehme Ersahrnng ersparen. „Rabbi Herz". Ein Schauspiel in drei Aufzügen. Von Josef Beisns- Oskar Wöhrle, Konstanz. — Das Trania eines Dichters, der Inden und Judentum liebt — daS Schicksal der Juden einer mittelalterlichen Stadt. Ter Kaiser hat die ganze Judenschait um 10 000 Dukaten verkauft. Ihr Gut verfällt dem hohen Rat, ihr Leben ist vogelfrei. Tie wilden Gerüchte des Blutmärchens tauchen ans. Die Magd Katharina, die Jahrzehnte bei Inden gedient, erhebt die ungeheure Beschuldigung. In lebendiger Gerichtssitzung klagt sie die Inden an. um die Osterzeit vor zwanzig Jahren rotes Ehristenblnt vergossen zu haben. Simon, der rnannhaste, den der Dichter wohl als Nachiabr der Makkabäer zeichnen will. bäumt sich mit Macht dagegen auf. lind Rabbi Herz, der welrkluge und gottergeben milde, spricht von der Botschaft dcS Friedens. die in tausend Zungen kommen wird über die Welt. Boiler Gottglänbigkeit schaut er in die Zukunft der messianischen kommenden Zeit, in der Gott alle Tränen trocknen und alle Leiden tröstet. „Die Schönheit soll sein ein Zustand der Seele und die Liebe das Leben." Und auch die Schergen des Blutbanns hören ans diesen Ton. wenn er auch das Geschick nicht zu wenden vermag, Nach diesem geistigen -Oberhaupt hat der Dichter den Titel.des Stücks benannt, dessen Held allerdings nicht ein einzelner ist, sondern die Juden selbst sind. Der Spruch des Gerichts ist gesprochen. Das Volk wütet in Waffen gegen den Tempel. Hier ist die ganze Memeiubc in Gebet und ihres Schicksals gewiss versammelt. Aber sie wehrt sich. Simon ruft nach Waisen und im Triumph verkündet er, das; sie den Feind von den Mauern des Tempels zurückgeschlagen. Nber dem Feuer entgehen sie nicht. Schon züngeln die Flammen heran und es gibt kein Entrinnen. Da schart sich die ganze Gemeinde uni ihren Rabbi Herz und seine Thora. Unter Lobpreisung Gottes zieht er ihnen voraus und alle folgen ihm in den Tod mit dem Bekenntnis, der durch den Lärm wie einziger Ruf ertönt: Schma jisroel. So endet das Stück mit einem ekstatischen Gipfelpunkt von Inbrunst und Heldentum. Walter Zwickauer. Kronprinz Friedrich Wilhelm nnd die Inden. Die Lebenseriniierungen oeS ztronprinzcn Wilhelm hat Karl Rosner im Verlag der Eotta'schen Buchhandlung vor kurzer Zeit herausgegebeu. Es ist hier nicht der Raum in eine Besprechung des Buches im ganzen einzugehen, um so mehr als dies in der Tagespreise in den levten Tagen bereits zur Genüge geschehen und auch noch weiterhin zu erwarten ist. Für uns ist die Stellung des Kronprinzen zur Jndensrage interessant, weshalb im folgenden drei Stellen zitiert werden sollen, in denen der Kronprinz direkt oder indirekt Probleme berührt, die uns Juden heute angehen. Aus-Seite 37 begründet der Kronprinz seine Liebe zum Sport mit folgenden Worten: „Tie sportliche Gemeinschaft ist wie kaum eine andere Grundlage gceiguet, innere und _ äussere Schranken zwischen den illeirhstrebenden Menschen aufzuheben, denn gerade beim Sport entscheidet ja nur die tatsächliche und jederzeit offenkundige Höchstleistung. Wer sie vollbringt — ob Junker. Kaufmann oder Fabrikarbeiter, ob Christ, ob Jude oder Muselmann - - das .ist gleichgültig." Am Ende seines Werkes spricht der Kronprinz der heutigen Führung des deutschen Volkes gegenüber folgendes, Wunsch ans: „Möge sich jeder, der heute berufen wird, des deutschen Volkes Schicksal an führender Stelle mitzulenken, der ganzen Schwere seiner Pflichten bewusst sein! Möge das so oft mistbrauchte und mistdentete Wort „Freie Bahn dem Tüchtigen" endlich Wahrheit

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