KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 72 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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werden! Nur die Besten gehören an das Steuer! Die erprobtesten Fachkenner, die Tüchtigsten uub Härtesten hervor: nicht darum, ob sie von rechts oder von links kommen, ob sie „Vergangenheiten" haben oder nicht, ob sie Republikaner sind oder Monarchisten, Unternehmer oder Arbeiter, Christen oder Inden, geht die Frage, sondern nur darum, ob sic als ehrliche dentschsublende Männer genullt sind, mit all ihrem Müiim'H als geschlossene straft am Anfbane zu wirken: einig nach innen — stark nach außen!" Cine dritte Stelle, in der er die Juden nicht wörtlich zitiertdie aber auch ein gewisses Interesse für uns bat, ßi gleichfalls zum Abdruck gebracht. Der Kronprinz schreibt über seine Bonner Bornsseuzeit folgendes: .„Mein sportllebendes Herz ließ mich mit großer Freude an den Übungen des Fcchtbvdens teilnehmen, den Vorbereitungen für die scharfen Mensuren. Gerne wäre ich damals selbst auch mal auf scharfe Klingen angetreten, doch mußte ich darauf verzichten, da ich schon Offizier war und damit auch für mich der C'riindsah galt, daß der Offizier nur im Crnstsalle von der Waffe Gebrauch inachen dürfe. So verständlich mir auch heute noch diese damals in meinem jungen Tatendrange lebendige Lust zur scharfen Mensur ist. und so wenig ich mich dem erzieherischen Werte der Mensur für Auge. Hand und Nerven verschließe, so glaube ich doch, daß nuser deutsches Verbindnngsstudententum zn einer Überschähung der Mensur gelangt war. Wie in der Wassensrage, so ist meiner Ansicht nach auch in dem Trinkkomment - 'für den ich selbst niemals viel Sinn besessen und dem ich ncich als Student auch ungern unterworfen habe -- eine Befreiung von manche» ztl Auswüchse» entarteten Formen eine Forderung der neue», härter gewordenen Feit. Sein deutsches Vaterland in all seiner Not und Erniedrigung iverktätig lieben, heißt heute: arbeiten und wieder arbeiten. Auch für unsere Jugend, die mit der Arbeit an der eigenen werdenden Persönlichkeit dem Ganzen Fliknnftswerte znfübrt, an denen vielleicht das Schicksal des kommenden Geschlechtes hängen tvird." — Dr. O. G. Der Ersü1lungsdic»er. Eine Studie von Dr. Walter Ostwald (Rbeno-Silesiae. Rbene-Bavariae), jeht Rechtsanwalt in Münster in Westfalen). Das Buch ist dem vor Jahresfrist verstorbenen, berühmten Rechtslehrer der Berliner Universität, Otto v. Gierke, „dem Altmeister des vaterländischen Rechts", wie es in der Widmung heißt, gelvidmet. Mit vollem Recht! Gierkesche Rechtsgedanken und Ideale beseelen den Verfasser. Ans ihnen baut er seine, trog Anknüpfung an bereits vor ihm Ausgesprochenes durchaus originelle und stets - in breiten Teilen des leicbt und flüssig geschriebenen Werkes - - interessanten Ausführungen ans. Cr beschäftigt sich in seiner 174 Seiten umfassenden, übe raus gründlichen Abhandlung mit einer Frage, deren Erörterung iu der Fachliteratur einen breiten Raum einnimmt, gewinnt ihr aber wesentlich neue weiten und Gesichtsvnnkte ab und wirkt weit über den engeren Kreis des Problems hinaus nach den verschiedensten Richtungen anregend. Es handelt sich um die Frage nach der zivilrechtlichen Haftung für fremdes Verschulden. Der Versasjer löst sie in erster Reibenicht ans dem Wege der rein reclitokoustriiktiven Methode trockener Begrisfsinrisvrndenz. sondern vor allem rechtshistorisch, re,blspolilisch und im Vergleich mit ausländischen Recbten. insbesondere dein ja vielfach auch für die reicbsdeutsche Rechtswissenschaft vorbildlichen schweizcrißben Recht. Das gibt seinen 'Ausführungen einen besonderen Reiz. Sie gipfeln darin, dal; jede Haftung für das Verschulden anderer Personen ihren zureichenden inneren Grund findet in der gemernsamen Zugehörigkeit zu einer höheren Einheit, einem Familien-, Herrschasts- oder Wirtschastsvcrbande. Sie streiten für die Anerkennung dieser Verbände als rechtlicher Einheiten, für den Thpns des Sozialrechts auch in der Privatrechtsjvhäre, der besonders das heute so wichtige gc>.'erbliche Arbeilsrecht immer mehr dnrchdringen muß. Vom Standpunkt des K.C. ist das besonders liebevolle Eingehen ans alte deutsche Rechtsgedanken und Institute in diesem Buche eines K.E.ers zu begrüßen. Es geschieht mit einer Wärme, deren nur jemand fähig ist, der sich seines deutschen Volkstums voll bewußt ist und das deutsche Recht nach Möglichkeit seines romantischen Einschlages, soweit er ihm wesensfremd ist, entkleiden möchte. Trvhdem die Ursprünge des Buches in fernen Grtindzügen bereits ans die Feit vor dem Kriege zurückgehen, ist ans die Rechtsentwicklnng der allersüngsten Gegenrvart Bedacht gciioinmen. Der Verfasser schließt mit einem „Ausblick ans das soziale Arbeitsrecht", einer .stritif der Betriebsrälegeievgebnng. in tvelcher zwar das moderne „sozial-organische GemeinschastsvcrhältniS" von Arbeitgebern nnd Arbeitnehmern das alte „individualistisch mechanische Vertragsverhältnis" zn ergänzen nnd abzulösen beginnt, aber eine folgerichtige Durchführung dieses Gedankens bis zur vollständigen gesetzlichen Auerkeunnng nnd Ausgestaltung der Arbritsgemeinschast zwischen Arbeitnelnnern und Arbeitgebern als wirtschaftlicher und rechtlicher Einheit noch zn vermissen ist. Dr. Hans W edel (Spreviae). Rechtsanwalt in Berlin. Joseph Klausner» G e s ch i cb t e der n c u h e b r ä i - scheu Litcratu r. Deutsch hernusgegeben von HanS M’olm. lÜ2l. Jüdischer Verlag, Berlin. — Auch unter den Inden des Westens kennt man heute Namen wie Bialik. Mendcle Moicher Sesnrim und die der jüngst verstorbenen BerdpezewSki und Frischnlann. Einen Blick in die geistige Welt, deren Exponenten sie sind, vermittelt das vorliegende Buch, das in streng logischem Aufbau Wesen und Wert der verschiedenen Strömungen in der neuhebräischen Literatur loürdigt und innerhalb der Gruppen die einzelnen Dichter in ihrer Art mit knappen Strichen zeichnet. Es sind von der Fachkritik dem Buche gewiß Mängel nachgewiesen worden — man empfindet insbesondere, daß ein Dichter >vie Agnon, der Verfasser von „Und das Krumme wird gerade" einfach übergangen wurde - , immerhin bleibt es aber für jeden, der in die reiche und interessante jüdische Literatur des Ostens etwas näher eindringen will, ein vortreffliches Hilfsmittel. Simon Nernfeld. Die jüdische Literatur. Erster Teil. Bibel. Aprkrhphen nnd Iüdisch-Hellenistisches Schristtiun. 4!)2l. Jüdischer Verlag, Berlin. — Nirgends ist die Unkeniltnis der Grundlage des Indentilms. der Bibel, größer als in jüdischen Kreisen, und das mangelnde Bedürsnis hat zur Folge gehabt, daß fast alle Einleitnngswerke vom christlichen Standpunkte ans geschrieben sind. So ist denn dieser erste Teil des Bernfeldschen Werkes, wenn man von den inehr historischen Darlegiingen in den ersten Bänden der Gräh'schen Geschichte absieht, ein Novum. Bernseld betrachtet die Bibel nicht vom religiösen, sondern vom literarischen Standpunkt ans. Sein lnbelknustber Standpunkt ist freilich ein durchaus maßvoller nnd er hält sich von haltlosen Hvpotbesen ebenso seei.wie von blinder Dogmatik. Da überdies das Buch einen fesselnden Stil ausweist und ein warmes jüdißbes ^,upfinden verrät, soll es jedem jungen Inden als Wegloeiser ans der Fahrt ins ureigene Land des Judentums empfohlen werden.