KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 68 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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68 flan.u'ii eingebrachtcn Vorurteil seiner Klasse gegennbergestanden hätte, so hätte er dieser überaus auffälligen Ziffer gegenüber unbedingt nachgerechnet. er hätte die einfache Multiplikation vorgenommen und sofort gesehen, dag hier ein Fehler durchgeschlüpst sei." An den weiteren Zahlen v. W r i s b e r g ' 6 nnrd bemängelt, das; liier die Vergleichsziffern, fehlen: v. W r i S b e r g bätte die entsprechenden Ziffern auch für die nichtjndische Mannschaft angeben müssen. Die Ziffern als solche sagen weder für. noch gegen die Inden ans, lediglich durch die Heranziehung der Ziffern für die niclujüdische ^Mannschaft könnte ein günstiger oder ungünstiger Schlnst gezogen werden. Dies wäre die Lache des Herrn v. W r i S b e r g gewesen! „Wir wissen eS nicht und brauchen es nicht ,vu nnssen. aber Herr v. W r i s b c r gder eine solche Statistik veröffeirllicht, mühte es wissen und mühte eS sagen." Nach diesen groben Rechenfehlern lverden v. Wrisb e r g grobe statistische wissenschaftliche Fehler nachgewiesen. (sin Prinzip der Statistik, das „dem werdenden Statistiker sofort nach den; ersten A B (5 e;ngeblent wird", in. das; man nur ans einem Vergleich zwischen wesensgleichetl (Gruppen Schlüsse ziehen darf. Dieses Prinzip ist von v. Wrisberg vollkommen vernachlässigt Wie kann man die Inden, die sich hauptsächlich und nicht ebne Mitschuld früherer Regierungen auf kanfmännische und akademische Berufe verteilen, ohne iveireres mit der ganzen deutschen Bevölkerung ververgleichen, die sich doch auch ans Bailern und sonstigen Freiluftarbeitern znsammenseht. War v. W r i s b e r g die prenhische Statistik von 1 i)07 uubekaiutt, ans der sich ergibt, das; die Besitzer und böheron Beamten in der Landwirtschaft 181,14 ihres statistischen Soll an kriegsverivendnngSfähigen Rekruten stellte», also beinahe das Doppelte der Norm, lvie gering dagegen in Nichtfrei-- lnstgewerben die Militärtanglichkeit geivesen. wie sehr sie insbesondere in den Groststädten «die .Hauptmasse der Juden wohnt in solchen! herabgesunken ist. Angenommen, cs wären nnrklich. wie Herr v. Wrisb c r g ohne Führung eines Nachweises behauptet, mehr Inden als Andersgläubige in der Etappe gewesen, cs batten verhältnismähig mehr Inden als andere ohne Waffe gedient.^ es wären mehr Juden reklamiert gewesen, hätte sich für diese Merkwürdigkeit wirklich kein anderer Erklärnngsgrund finden lassen, als der Vorwurf genereller Drückebergerei? Hätte sich dem objektiven Wissenschaftler nicht sofort anfgedrängt. das; die Inden infolge ihrer eigentümlich sozialen Schichtung eine unverhältnismähig grohe Zahl von Ärzten. Feldbilfsärzten. Feldnnterärzten. Canitätsnnteroffizieren stellten? Haben sic etwa dadurchdem Vaterland weniger Dienste geleistet? Ist etwa Drückebergerei der Grund, das; um» die Einkäufer und Dolmetscher ans der Reihe der Kanflente nahm nnd das; man nicht oberbaherische oder pommerische Bauern zur Verständigung mit den Kriegsgefangenen heranzog? Ist cs nicht ähnlich mit Schreibern und anderen Hilfsarbeitern gewesen, wobei noch hinznkoinmt, das; man sehr ivenig jüdische Einjährige zu Reserve Offizieren befördert hatte, so das; sie auch iir ihrer Eigenschaft als Unteroffiziere vielfach für solche Stellen Verwendung fanden? Oppenheimer führt mit Recht aus, das; nur ein Vergleich mit nichtjüdischen Mannschaften gleichen Bildungsstandes und gleicher Berufsausbildung ein vernünftiges Resultat geliefert hätte. Solange man dies nicht tut, sind alle Rückschlüsse wertlos, so wertlos etwa, wie wenn man daraus auf die Moralität der Patagonier schlicken wollte, dass sie weder Urkunden fälschen, noch Steuern hinterziehen, keine Geldschränke erbrechen und Brände stiften, um Versicherungsgesellschaften zu schädigen. (Oppenheimers eigenes schlagendes Beispiel!) In seiner vernichtenden Beweisführung bemerkt Oppenheimer weiter, das; ein Statistiker an die Möglichkeit hätte denken müssen, das; sich unter den deutschen Inden vcrhältnismästig weniger Männer im militärpflichtigen Alter befinden könnten, als unter der übrigen Bevölkerung. In der Tat ist dies so. Der Grund liegt zunächst in der bekannten Tatsache., das; die Geburtenziffern bei der jüdischen Bevölkerung schon lange vor dem Kriege im Sinken begriffen wäret«, während sie bei der übrigen Bevölkernng bis kurz vor dem Kriege stiegen. Das; dies im Znsammenhang mit der bekannt geringen Sterblichkeit der Inden ungünstig aut die Berhältniszahl einwirken musste, ist ohne weiteres klar. Als weiteren Grnitd gibt der Verfasser erstmalig an: Die zahlreichen Austritte ans dem Judentum! Ta cs hauptsächlich Knaben mib Männer waren tBefördcrnngSanssichten, Zutritt zu höheren Gesellschaftskreisen!», tvelche den Übertritt vollzogen, so ist dies wieder ein Moment, das aufzeigt, warum die Zahl der jüdischen Heerespflichtigen relativ geringer als die der übrigen war. Csn B erlin allein stieg die Zahl der Übertritte in der Zeit von 1873 bis l‘.)l() von öl auf 105Ö für je sieben Jahre. Ein drittes Moment cndlich. das die Zahl der jüdischen .Heerespflichtigen verringert hat, sind die zahlreichen Mischehen. Znm Schlüsse seiner Ausführungen verweist Oppenheimer ans die hohe Zahl der jüdischen Kriegstoten. <1?(»()()!) Wenn wirklich mehr Inden als der Durchschnitt sich in Etappe oder Besahnngshecr herumgedrüclt hätten, dann gäbe es zwei Rasten von Juden: eine von Feiglingen nnd eine von.Helden sondergleichen, denn cs hätten dann die jüdischen Frontkämpfer prozentual mehr Verluste erlitten als die nichtjüdischen. Welche Möglichkeit werden die Antisemiten anerkennen? Keim' von beiden! Denn beide sind ihnen unangenehm! ^o schreibt denn auch der Verfasser am Schlüsse seiner überaus dankenswerten Untersuchung, das; er eine Hoffnung auf einen Gesinnungswandel der Antisemiten nicht habe. „Die .Herren vom Hakenkreuz werden unentwegt behaupten, das; sich in der Etappe 11 no befunden haben." „Hilst nichts, der Jude wird verbrannt!" „Wir müssten die Mentalität dieses Völkchens schlecht kennen, wenn sic nicht sogar in dieser Widerlegung eine Probe jüdischer Frechheit erblickten." Nach der Lektüre von Oppenheimers Schrift wird . sich jedem billig Denkenden das Urteil anfdrängen, das; selten ein schwererer Vorwurf leichtfertiger erhoben worden ist, als es durch die Veröffentlichung des.Herrn Generals v. W r i s b e r g geschah. Gegenüber dieser Mentalität, die hinter allen Erscheinungen niedrige Instinkte wittert, hebt sich die Denkweise des Verfassers wie ein Licht ab, das in eine bessere Zukunft leuchtet. Trost der beinahe unglaublichen Leichtfertigkeit, mit der die statistischen Ziffern verarbeitet sind, spricht O p p e n h c i m e r seinen; Gegner niemals den guten Glauben an die Nichtigkeit seiner Schlnstfolgernngen ab. „Wir müssen versuchen, nach unseren Kräften dazu mitznwirkcn. das; all das Elend, das diese Mentalität über unser Vaterland gebracht hat, wieder geheilt werde. Wenn wir dabei andere Wege einzuschlagen durch unsere Kenntnisse und unser Gewissen gezwungen sind, wie diejenigen, die Herr v. W r i s b e r g nnd die Seinen für die einzig segcnsvollen halten, so wird uns ihre Mistbilligung nur beweisen, dast unser Weg der rechte ist."