KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 67 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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67 entfernte Mensch gewinnt die OK'iuiftlu’tt der 0)vttesnShc zurück. Wieder vollzieht sich hier die Vereinigung des Gegensätzlichen, zwar ein (Geheimnis, aber nicht durch einen mhslischen Vorgang, und eben diese vom Mp Nuschen freie Lösung der Spannung ist das Besondere des Judentums. Unmöglich in ganzem Umsang das Vild zu zeichnen, zu dem hier nur der Nahmen gesteckt werden konnte; in allerlei Abwandlung ans die verschiedensten Bezirke religiösen Fuhlens und Erlebens tvird das Thema von der Spannung und Lösung, der Ferne und der Nähe durchgesnhri; in diesen Leiten des Buches ist eine wahre Fundgrube der religiösen Erkenntnis, hier spricht ein suchender und seines Gottes gewisser Mensch zu uns, solche Stimme kann nicht überhört werden, sie findet den Weg zum Herzen, sie ist wie ein Licht, an dem anderes Licht sich entzündet. Aber diese Lehre von der Paradoxie des Religiösen, sie ist zugleich das Nene in dem Buche, das Schöpferische der religiösen Erkenntnis, der Schritt nach Vortvärts, das Mehr an Erkenntnis, das Baeck bringt. Will man an diesem Mehr teilhaben, dann lese man das Bnch. Feder jüdische Kommilitone soll es gelesen, soll es dnrchgearbeitet und mitgedacht haben. Die,« e m a n n. „vie ZudenstalistiK des preußischen Kriegsministeriums." Von l)e. Eugen S ch m i d t München t.Lie.). Wohl kein Vorwurf in der feit Kricgesende einsetzenden antisemitischen Propaganda hat die deutsche Juden heit tiefer berührt als die verleumderische Aebauptnng, sie habe im Kriege ihre vaterländischen Pflichten hintangesetzt. Um so drückender war dieser Vorwurf, als er sich ans angeblich, objektive Unterlagen. die bekannte Fudenstatistik des preußischen Kriegsministerinms, berief, welche Unterlagen aber infolge ihrer Geheimhaltung einer Nachprüfung nicht zugängig waren. Die Sachlage hat sich nunmehr insoweit geändert, als Generalmajor Ernst von Wrisb e r g , während des Krieges Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements im preußischen Kriegsminislerimtt, im 2. Band seiner Kriegserinnernngen l.,H e e r und H e i m a t") Zahlen veröffentlicht, die bei der persönlichen Stellung des Verfassers als authentische angesehen werden müssen^ Dies hat zum erstemnal Gelegenheit gegeben, die Statistik des preusnschen Kriegs- Ministeriums einer Kritik zn unterziehen, welche Aufgabe ein Berufener, der bekannte Nationalökonom, Prof. D,\ F x a n z Opp e n h e i m e r, in einer kürzlich erschienenen Schrift') auf sich genommen hat. Mit durchschlagender Beweiskraft ist es in dieser Schrift dem Verfasser gelungen, aufznzeigen. .das; das bekannte englische Weiswort von den drei Lügen: Notlügen, gemeinen Lügen und Statistik, an der Statistik des Kriegsministerinms lvieder einmal eine Bestätigung gefunden hat. O P P e n h e i m e r unterwirft diese Statistik in bezug auf Erhebung, wie auf Verarbeitung der Ziffern einer eingehenden wissenschastlichen Untersuchung und kommt auf Grund dieser Untersuchung zu einem geradezu vernichtenden Ergebnis. Schon was die statistischen Erhebungen anbelangt, bemängelt Oppenheimer mit stecht, das; nur eine Auszählung aus Listen stattgefnnden habe, anstatt der einwandfreien Erhebung durch Zählkarten unter der ') Pros. vr. Franz Oppenheimer. Die Judennatistik des preusnschen Kriegsministeriums, Verlag für Kulturpolitik, München. Aufsicht sachverständiger Zähler (was natürlich während des Krieges unmöglich nmr). Welche Gewähr war dafür gegeben, das; alle Truppenteile, auch die Detachierten. befragt wurden, das; alle geantwortet haben? Man weis; ja, wie sich die Feldtruvpen solchen Anfragen gegenüber zu verhalten pflegten. Wer garantiert ferner dafür, das; die Zählenden auch die Absicht hatten, die richtigen Zahlen anzugeben? Mit Recht bemerkt Oppenheimer: .Bei , der Mentalität des durchschnittlichen gebildeten Deutschen und namentlich des Militärs ist es durchaus nicht ausgeschlossen, daß einige Zählende absichtlich z,u.geringe Ziffern angegeben haben, um ein möglicherweise günstiges Ergebnis zu verkleinern." Wer garantiert für die Richtigkeit der der Erhebung zu Grunde liegenden Listen? Demgegenüber verweist der Verfasser aus die methodisch einwandfreien Erhebungen jüdischer Verbände während des Krieges, die von dem bewährten Sachverständigen 2 e g a l l bearbeitet und durch die Autorität Professor S i l b e r g l e i t' s, des Leiters des Berliner Statistischen Arntes, gedeckt sind. Hier wäre die Möglichkeit einer Nachprüfung, die das Reich selbst vornehmen sollte, in jeglicher Weise gegeben. Sind schon die Erhebungen des Kriegsministeriums unzuverlässig, so ist die Art der Verarbeitung der geivonnenen Ziffern vom statistisch-wissenschaftlichen Standpunkt aus geradezu eine ungeheuerliche zu nennen. Bevor wir für diese Behauptung die schlagenden 'Aachweise Oppenheimers anführen, sei kurz voransgeschickt. das; ans den Zahlen des Herrn von Wrisberg sich in der Hauptsache zwei Borwürfe ergeben, nämlich: 1. die Zahl der eingezogenen Znden sei relativ geringer gewesen, als die ihrer andersgläubigen Volksgenossen; 2. von den eingezogenen Juden seien unverhältnismäßig viele in der Etappe oder im Besatzungsheer gewesen. Schon der Nachweis der relativ geringen Zahl der eingezogenen Juden stützt sich auf einen zum mindesten grob fahrlässigen Fehler, General von Wrisberg berechnet nämlich die Proportion unter Zugrundelegung von 615 OOO o r t s a n w e s e n d e n Juden, hat dabei. aber übersehen, das; sich unter diesen schätzungsweise 65—70 000 ausländische Juden befanden, die als in Deutschland nicht wehrpflichtig für die Berechnung natürlich nicht in Frage konimen können. Daß hierbei niedrige Prozcntzissern herauskommen, bleibt nicht zu verwundern. Im Prinzip, ist dies nicht anders, als wcnn man bei einer Untersuchung darüber, wieviel im Durchschnitt eine Frau während ihrer Gebärfähigkeit in Deutschland Kinder zur Welt bringt, die Männer gleichen Alters hinzuzählte und nun die Behauptung aufstellte, die deutsche Frau genüge nicht ihrer Pflicht zur Nachkommenschaft. Es ist doch merkwürdig: die ausländischen Juden spielten in der antisemitischen Propaganda eine außerordentliche Rolle, hier aber werden sie vollkommen außer acht gelassen. Nicht weniger nachlässig ist von Wrisberg bei der Errechnung der in der Etappe befindlichen Juden zuwege gegangen, indem er behauptet, es seien dies Ho/o der gesamten Etappenmannschaft gewesen. Da von Wrisberg die Zahl der in der Etappe befindlichen Inden selbst mit 4752 angibt, so hätte dieser Berechnung zufolge die ganze Etappe des deutschen 10 Millionen-Heeres 42000 Mann betragen. Bon Wrisberg hat sich natürlich geirrt, es dürfte nicht 11 o»,-sondern nur 1,1°/» heißen. Oppenheimer merkt hier an: „Es ist sehr charakteristisch, daß dieser ungeheure Fehler stehen geblieben ist. Wenn der Verfasser (v. Wrisberg) den Juden nicht mit dem