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KC-Blätter · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1922) · p. Seite 65

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 7-9 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 65 (sequence 9)
Language
German
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05 uiijciv iitueic (5'vftrtvfniiti zu erlangen, in einem geschlossenen jüdischen .Ureis besser gefördert wird und das; wir als eine Abwehrgemeinschaft Geschlossenheit und Einheit branchen. Anders dagegen steht es mit den geselligen und sportlichen Bereinigungen. Da soll nnd darf sich keiner ausschlieüen. Gerade in engem Zusammenarbeiten mit nichtjüdischen Volksgenossen sollen Gegensnbe ausgeglichen werden und nur dann, wenn wir durch Prozentnormen, die für jeden aufrechten Mellschen ettvas erniedrigendes bedeuten oder durch gänzlichen Ansschlus; ferngchalten tverden uild auch sollst keine Möglichkeit besteht, uns turnerisch, sportlich nsio. zu oeroollkolninnen, gründen wir jüdische Vereine nnd treten ihnen bei. Doch darüber ein anderes Mal mehr. Sich selber treu zu sein in jeder Beziehung, das ist das Ziel für jeden von uns. Keine Rücksicht ans die Ansicht der Antisemiten über uns, nicht lautes B e t o n e u unserer vaterländischen Gesinnung, nicht Lchlagworte. sondern innere überzengungstrene uild lllnnnhasles Einstehen für unser Ziel sind bisher unser Wegweiser gewesen. Tie sollen es bleiben! Dem Artikel Loevys füge ich ein persönliches Wort von prinzipieller Bedeutung an. Naumann behauptet nlit bewundernswerter Kühnheit, das; ich d e n Besch l n s;, der die Zur ü ck h a l t n n g empfiehlt, durch geseht hätte! In Wahrheit habe ich aber lv e d e r v o n d e m A n t r a g e etwas g e;v n s; t, n o ch l> a b e i ri> der S i h u n g , i n d e r e r ge - st e l l t. b e h a n d e l t nnd a n g e n o m m e n lv u r d e. b e i g e w o h n t! Naumann hat also einfach ellvas behauptet, wofür Unterlagen nicht vorhanden sein konnten. Es ist ein erschreckendes Zeichen der Zeit, wenn Weltanschannngskäinpfe mit derartigen veriverslichen Mitteln ansgesochten werden, und Naumann stellt seiner Sache mib ihrem inneren Werte keine guten Zeichen ans, wenn er sie nicht anders propagieren zn können glaubt, als es mit dieser Behauptung geschieht. Jedenfalls sei daS ganze Verfahren hiermit niedriger gehängt. Ur. F. G. Lin unentdedrlildes vucd. Je deutlicher wir einfehen, das; der Kampf um unsere Selbstbehanptnng, um die Behauptung nuferer Geltung in der Welt, um unsere Ehre und unsere bürgerliche Stellung erfolgreich nur zu führen ist, wenn wir ein positives Verhältnis zur jüdischen Religion haben, wenn wir nicht blos; die Geschichte der bürgerlichen Entrechtung der Juden mib ihrer Wiedereinsetzung in den Stand bürgerlicher Rechtsgleichheit kennen, sondern auch um das Inden t u m, seine lehren nnd Gedanken, seine Hoffnungen und Zielsetzungen wissen, um so sehnsüchtiger langen wir nach einem Buche, das uns gerade darüber umfassend belehren kann. Solch ein Buch, lange vermint und nun endlich wiedergefunden, liegt lins nun in der zweiten Auflage von Baecks „Wesen des Judentums" vor I. Hatte schon vor Jahren die erste Auslage Anssehen erregt und sich als ein bedelitsames Werk erwiesen, so ist diese neue Auflage mit noch gröberer Freude zu begrünen. Alle Vorzüge der ersten Fassung sind geblieben. nnd neue haben sich dank dem vermehrten Inhalt, der neuen Form der Darstellung und dank der Ansrollnng und Erörterung neuer, uns bewegender Fragen hinzngesellt. Und dann — das Buch war verl) Leo Baeck. Das Wesen des Judentums. 2. neubearbeitete Ausl. 1922. I. Kanffmann, Frankfurt a. M. 308 S., geb. 00 Mk. griffen, und inzwischen ist ein neues Geschlecht herangewachsen, und die Welt der Menschen ist neu geworden und hat ihr Antlitz verändert, ein ganz neues Erleben ist durch die Seelen gegangen, neue Probleme sind anfgeiancht und heischen Lösung, ein neues religiöses Sehnen zieht durch die Welt, ein Hunger nach Festem, Haltbietendem, Werteschenkendem. da ist cS doppelt notwendig, das jüdische Ideal erneut hinzustellen, die jüdische Forderung der Welt gegenüberzustellen, die Welt an ihnen zu messen und sic selbst anr ihre Tragkraft neu zn prüfen. In diesen Blättern von dem neu wieder vorliegenden Buche zn reden, ist besonders notwendig, denn der jüdische Akademiker, insbesondere der im K. E. organisierte. soll sich als zur Führung des deutschen Judentums berufen fühlen. Führung jedoch wachst nicht von selbst ans Grund eines Grades oder Titels zu. aus Führung »ins; man sich seelisch vorbereiten und einstellen, es gibt aber keine Führung ohne innerste Fühlnngnahme mit dem Geist, der in der Glaubensgemeinschaft lebendig ist. mit den Gedanken, die ihre Vergangenheit ausgesüllt haben nnd ihre Gegemvart mit Leben erfüllen, ohlie Verlvachsensein mit dem. was die Seele des Gemeinsrhastskörpcrs ist. Dazu hinzufnhren ist kaum ein Buch so geeignet lvie das vorliegende, es gibt nicht blos; das Sachliche an sich, sondern es gibt cs in der wissenschaftlichen Begründung, in der gedanklichen Vertiefung, in den inneren Zusammenhängen, die derjenige in sich ausgenommen haben must, der wirklich gebildet sein rvill, der wahrhaft wissen tvill, der nicht blos; wissen, sondern aus seinem Wissen heraus an Zielen niitarbeiten und führend gestalten will. Es ist leider unmöglich, auch nur andeutungsweise aus die ganze Fülle dessen hinznweisen, das in Baecks Buch an Belehrendem und Neuem geboten wird, cs sind ja in ihm alle Einzelglieder der jüdischen Religiosität besprochen und umrissen, und von allen Fragen, die den religiösen Menschen bewegen, ist die Rede nnd die jüdische Antwort gezeichnet, die ganze Eigenart der jüdischen Religion und die Besonderheit der Geschichte ihrer Ideen und deren Träger kommt zum ''Ausdruck, so kann man kaum Einzelnes hervorheben, immerhin wird es von Interesse sein, ans die eine oder andere der ganz besonders charakteristischen Stellen hinznweisen, weil damit besonders Wichtiges auch hier skizziert werden und das Originelle der Auffassung zum Ausdruck kommen kann. Bon den Wandlungen der religiösen Grundstimmnngen spricht Baeck um zu zeigen, wie in all den Wandlungen die ewige Jugend, der Lebensdrang des Jndentums unverbrüchlich erhalten blieb, und deutlich erschtinen vor uns die einzelnen Phasen der Mdiscben Religion, lvie sie in die wechselnden Ströme des menschlichen Denkens hineingezogen wird und in allem Wechsel sich ihren Grundcharakter, die Ablehnung alles Mythischen erhält. Bor uns erstehen sie, die Tage, in denen die Seeleik darauf abgestiinmt waren, die Wunder der Herrlichkeit Gottes, deren die Welt voll ist, zu schauen, in der Gröste dieser Offenbarung die Erhabenheit und das Zwingende des Göttlichen zn erfahren, und daun tvieder jene Tage, da man Gott als den Fordernden lmd Heischenden erkannte, da man seine Stimme vernahm und aus ihr heraushörte Mahnung und Gebot. Das Judentum hat seine Tage gehabt, in denen der Sinn für das Irrationale zu ersterben schien, da alles auf Verstand und Denken und reine Erkenntnis gegründet war, und dann fand man sich doch wieder zurück zu dem göttlichen Geheimnis, nnd die Kraft erwachte wieder, im Symbol und der symbolischen Handlung das Gleichnis von sonst Unfascharem zu erlassen. Und in all diesem Wandes blieb das Judentum seiner

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