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KC-Blätter · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1922) · p. Seite 63

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Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 7-9 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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das haben wir immer wieder erkennen müssen, die Selbstverteidigung. Man mari den deutschen Juden vielleicht eine etwas zu starke, durch die lange Däner der Unterdrückung und Verfolgung hervorgernfene Empfindlichkeit in jüdischen fragen verwerfen. Wir alle, die wir im indische politischen Leben stehen, haben nur zu oft bemerkt, das; wohl beabsichtigte antisemitische Borstöüe, dib uns verleben sollten und die uns zur Abwehr zwaiigen, oft von ^l'ichttttdcn für ganz harmlos angesehen wurden. Ost wurde uns erklärt, wenn wir in Heller Empörung uns zur Verteidigung anschickten, das; man derartige Angriffe gar nicht erst aufbauschen sollte, sie wären sicher doch nicht so gemeint. Vor allem wird auch die Ablehnung der Politik in der Stndentenvertretung. die auch wir als nnangenehin, aber uns durch die Gegner aufgezlvungen empfinden, häufig in Einzelfragen eine andere Stellung durch nuferen eigenen Vertreter erfahren als durch den den Hochschnlbnndes. für den die Indenfrage nur eine des politischen Gerechtigkeitssinnes ist. Da;u kommt, das; diejenigen, die sich nicht ans selbstverständlicher Pflicht heraus mit jüdischen tragen soviel beschäftigen, wie wir es tun, Material. Statistiken usw. nicht zur Hand haben, um unverzüglich „Tatsachen" begegnen ztt können. Wir halten cs daher für notwendig, wenn wir nicht mit Sicherheit einen K. C.er oder eineil jüdischen Studenten mit unserer Anschauung bei anderen Fraktionen in den Asta hineinbekommen können, eine Wahlliste auf Grund unseres Programms auszustellen. Eine Liste, die wir in Gemeinschaft mit gleichgerichteten Kommilitonen anfüellten. führte bisher meist den Namen „Liste der deutschen Studenten jüdischen Glaubens." Die Liste nunastte nur Vertreter des K. (5., der Ortsgruppen des Zcntralvereins und dertenigcn jüdischen Freistndenten, die auf deutsch-vaterländischem Standpunkt standen.. Nun 511 der gemeinsamen Liste, von der der Artikel Ipricht. der jüdischen „Einheitsliste". Eine derartige Liste ist stets in Übereinstimmung mit den zionistischen Stnde.ntengrnppen dann ausgestellt worden, wenn die taktische Notwendigkeit dazu zwang, z. A. wenn durch eine Zersplitterung überhaupt kein jüdischer Vertreter ill den Asta gekommen wäre. Der prinzipielle Standpunkt wurde damit nie aufgegeben ebenso wie dort, wo wir mit dem Ctudeutenbund gemeinsam vergingen. Eine Ausgabe auch des kleinsten 'Teiles unseres Standpunktes bedeutete dieses aus taktischen Gründen erfolgte Vorgehen natürlich nicht. Es blieb dem Herrn Einsender des angeführten Artikels Vorbehalten, etwas derartiges festznstellen. bisher ist sonst lloch niemand auf diesen Gedanken gekommen. Borausfebuug war bei derartigen gemeillsamen Listen stets, das; ein Sitz für einen K. C.er im Asta gesickert wurde, ohne uns in. der Betonung unseres Standpunktes zu beengen. 9hm wendet man häufig ein. das; eine Wahlliste, die einen Sitz einem Jüdischnationalen neben einem K. E.er ermögliche, gegen unseren deiltschvaterländischen Standpnutt verstosten muffe: denn dentschnational vertrüge sich eben nicht mit jüdischnational. Die Einwendung, das; eine solche'Liste gegen den vom K. E. betcnnlen deiltschvaterländischen Standpunkt verflöge, .scheint n;ic ans einer Verwechslung der Worte Einheit und Einheitsfront zu beruhen, die gerade in der letzten Zeit zu starken Begriffsverwirrungen geführt hat. Ob man bewusst oder unbeabsichtigt diese Verwirrung herbeigesührt hat. bleibe dahingestellt. Es ist ein geivaltiger Unterschied, ob man die deutschen Inden als Einheit betrachtet, d. h. als eilte Vielheit von Personen, die auf Gebieten, die mehr oder minder stark von ihrer Weltanschauung berührt werden, ein gemeinsames Ziel verfolgen, die in politischer Hinsicht eine Einheit bilden oder ob von Inden, die sich gegen hinterlistige Angriffe zu schützen haben, ein gemeinsames Vorgehen in einem beschränkten Fragenkomplex ermöglicht wird. Jeder ivird sich mit aller Deutlichkeit noch der Ereignisse der 4 letzten Jahre erinnern: die Beschimpfungen und Schlägereien in allgemeinen Stuoentenversammlungen. die Sprengungen von jüdischen Stndentenverfammlnngeu durch antisemitische Studenten, die sich da;u oft mehr oder minder zweiselhaske Existenzen -- nicht Studenten - mit mehr oder minder starken Stöcken mitbrachteu. alle diese Heldentaten sind nicht vergessen. Auch wenn es in der letzten Zeit ans irgendwelchen vorübergehenden Gründen äußerlich etwas ruhig geworden ist, an die Stelle des offenen Kamvscs ist die Verfolgung aus dein Hinterhalt getreten: Satisfaktionsverweigerungcn — nicht nur die wafsenstudentischen — „aus politischen Gründen", die jildenfeiudlichen beschimpfenden Verhandsbcschlüsse — der Bnrschenschasterbeschluß über die Heirat mit Jüdinnen oder Schwarzen — Beschimpfungen und Storungen bei offiziellen akademischen Festen, die bei dem Mangel an Mut und offenem Einstehen für ihre Handlungsweise nie zur Bestrafung der Antisemiten, wohl aber oft der indischen Studenten, die sich der Angriffe extvehrten, führten, Angebereien bei Rektor und Senat, Weigerungen, gemeinsam mit jüdischen Korporationen bei offiziellen Festen zu chargieren, — Ansschlus; von Juden aus Klinikerichaften und Fachschaften. Weigerungen gegen jüdische Studenten bei Hochschnlsvortwetrkämpsen anzutretcn. Boykottierung von Lokalen für den Fall, das; dort weiter jüdische Korporationen gednloet würden. Bestrebungen,, das Arierzengnis. für die Zulassung zur Hochschule zu erlangen —, die Reihe liehe sich noch beliebig vermehren. Man führt den Kampf heute mit gefahrloseren, dafür aber oft wirksameren Waffen. Collen wir dabei ruhig zusehen. sollen wir dabei im Abwehrkampf nicht jeden mit offenen Armen anfnehmen und uns mit ihm verbinden, ganz gleich, welcher Richtung er sonst angehört, zumal gerade von ionistischer Seite durch schneidiges Antreten im Asta er Sache der deutsch-jüdischen Studenten sehr genützt wurde. Sollen da erfolgreiche Zusammenarbeit gegen einen gemeinsamen Gegner Unterschiede der Weltanschannngen hindern und den Abivehrkamvf dadurch erschweren, das; lvir auch noch gegen diese Front kämvfen, wenn es bei den lokalen Verhältnissen nebensächlich ist? Wer weis;, welche Formen die Berbindlingsstreitigkeiten in der deutschen Studentenschaft angenommen hätten, wer weis;, ob das Arierprinzip statt des Staat:bürgerprinzips nicht doch noch feine Verankerung irgendwie in der Studentenversas;ung gefunden hätte, wenn nicht gerade von unseren Vertretern gemeinschaftlich mit den anderen Mindcrheitsgruppen so hartnäckig gekämpft worden wäre?! Zn prinzipiellen Auseinandersetzungen mit den jüdisch-nationalen Vertretern im Asta ist es bisher kaum gekommen, da die Behandlung der Judenfrage im Asta meist eine reine Abwehrsrage war, bei der es sich um die Frage der Ansrechterhaltung der staatsbürgerlichen Rechte handelte. Die Abweichungen, die hierbei entstehen, sind sowohl von unseren Vertretern, wre denen der Zionisten stets betont worden. Sollte es aber auch einmal in irgend einem Asta dazu kommen, wir würden trotz oder vielmehr gerade wegen der „Einheitsliste" eine Auseinandersetzung nicht scheuen. Um diese zu vermeiden, ist Selbständigkeit der Vertretung immer von uns angestrebt und nur in dem

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