KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
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Und ihr Bundes- und Kartellbrüder, kommt herbei. In schwerer Zeit laßt uns bei würdiger Gelegenheit Gemeinschastswillen bekunden. Erheben wir uns über den grauen Alltag. Daß — wie Fichte in seinen „Reden" sagt — in uiifre Brust ein Funken geworfen werde, der da fortglimme und das Leben eriN'cise. Linbeit, Cinbeitsfront, Zusammenschluß. Von Dr. Fritz Loevv <Bav.-Bad., Spr.), K. E.-Geschäflssührer. „Alle Gegensätze im Judentum entfallen, wenn es sich darum handelt, es zur Macht zu bringen." Wie oft hört man diesen Latz! Zusammen mit dem Wort von der „Jüdischen Internationale" ist er irr den Sprachschatz der ans ihr Dogma eingeschworenen Antisemiten übergegangen. Leider lvird aber den Antisemiten die Kampfbasis gestärkt, leider werden ihnen oft dadurch „authentische" Quellen eröffnet, daß auch von jüdischer Seite ans parteipolitischen Gründen der an die Spitze gestellte Satz, wenn auch nicht wörtlich, so doch inhaltlich zitiert wird, um damit die Gesinnung eines großen Teiles der deutschen Inden zu brandmarken. Man wäre verflicht, nachstehenden Artikel als Ausschnitt einer Kochschulbeilage der Deutschen Zeitung anztlnehmen, wenn man als Überschrift der Zeitung nicht läse: „Mitteilungen des Verbandes nationaldeutscher Juden e. V.". Da die meisten Angehörigen des K. C. wahrscheinlich keine Danerabonnenten dieses Blattes sein werden, geben toir den Artikel im Worttlaut nachstehend wieder: „Die jüdische Einheitsfront an der U n i v e r s i t ä t." Ein auswärtiges Mitglied, Student an einer süddeutschen Universität schreibt uns: .Übrigens interessiert es Sie sicher, daß zur Astawahl (d. h. Wahl zum Studeuteu-Ausschuß-, die beute stattfand. die Fraktion jüdischer Studenten eine gemeinsame Liste ausgestellt hatte, K. C.er also friedlich mit I ü d i s ch nationalen z u s a m m e n. Das spricht doch sehr für die seoessio tAnfpielung auf das Blüher'sche Buch: Leceasio Judaica), wenn die K. C.er ihre Stimmen nicht eine der acht anderen L i st e n geben konnten. Es kamen für sie in Betracht: l. Deutscher Studentenbund. der die politischen und Rassenkämpse ablehnt und vor allem wirtschaftliche Ziele verfolgt; 2. die AstaMittelgrnppe. 3. Rationalfreiheitliche Studenten. Eifrig wurden die Studentenausweise den allzu Bequemen abgesordert (persönliches Erscheinen ist leider nicht als nötig erachtet worden) um so m ö g - lich st viele Stimmen der jüdischen Einheitsliste zu zu führe n." Unser Verband hat im K. E. heute schon recht schätzenswerten Anhang, der sicherlich noch größer wäre, wenn der Palastiua-Ausrns-Zeichner Rabbiner Goldmann und der Zentralvereins Spudikus Holländer, die beide dem Gescliäftssühreuden Ausschuß des K. E. angeboren, nicht schon vor Monaten einen Beschluß durchgusetzt hättten. der allen K. E.-Mitgliederu „Zurückhaltung" uns gegenüber empfiehlt und allgemein als veZchleiertes Beitrittsverbot aufgefaßt worden ist. Die oeutschfühlenden Mitglieder des K.C. werden an ihren oben gekennzeichneten Verbandsbrüdern keine allzu große Freude haben. M. N." Es sei vorweg bemerkt, daß unsere Würzburger Verbindung gemeint ist, aus die allein der Tatbestand zutrefsen kann. Dem nubekannten Einsender und auch.fderrn Dr. Naumann mögen die nachstehenden Zeilen, die keine Rechtfertigung sein sollen. — denn einer Rechtfertigung bedarf es nicht, wenn man selber genau weiß, daß man den richtigen Weg geht — zu denken geben, daß es zum mindesten unzweckmäßig ist. Tatsachen zu bringen und fosort Schlußfolgerungen daran zu kuüpscu. Ein so hiugeworsener Artikel kann vielleicht ein antisemitisches Lob einbringcu. Das ist möglich. Auf indischer Seite aber werden wohl nur wenige den Artikel billigen können, die die im folgenden kurz wiedergegebenen ho.lsliulpouis.hen Verhältnisse kennen. Bei jeder Astalvahl taucht für uns immer von neuem die Frage auf. tvelche Liste wir wählen bezw. ob mir eine eigene Liste ausstellen sollen. Tie heutige Studentenschaft ist in 2 Lager geteilt: Die Mehrheitsparteien. hestehend ans dem kochschulring deutscher Art und deit übrigen lokalen auf völkischem Boden stehenden Gruppen korporativer und uichtkorporativer Art und den afnbemifrfieit Minderheitsgruppen. Den Miuderheitsgruppeu fehlte bisher eine geschlossene Organisation nach Art des Hochschnlringes, und ihre Gemeinsamkeit bestand in der Opposition gegen den Dochschulring. iu der Ablehnung des „Arisch-völkischen Prinzips" für die .kochschulpolitik. Im übrigen gingen ihre Ansichten auseinander. Teils waren sie parteipolitisch eingestellt, teils korporativ oder freidentsch. teils waren es Listen jüdischer Korporationen mit größtenteils bestimmter Festlegung ans die Grundsätze des .St'. (£.. des Zentralvereins oder des Zionismus. Die Zahl und Art dieser Gruppen war außerordentlich verschieden und richtete sich nicht nur nach der Politik der Mehrheit, sondern auch nach der Größe der Studenteuvertretnng und der Möglichkeit, einen Vertreter der eigenen Richtung zu Wort kommen zu lassen. Ein teilweiser Zusammenschluß ist erst lokal und nunmehr infolge des .Kampfes um die Göttinger Notoersassung für das ganze Reich in der Gründung des deutschen Kochschulbiindes erfolgt. Dieser vereinigt iu sich alle freiheitlichen Elemente der deutschen Studcuteufchaft und bildet gewissermaßen im Gegensatz zu dem Kochschulbund deutscher Art den Kochschulriug deutscher Kultur und Zunge. Eine Entpolitisierung der Wissenschaft ist fein Ziel und darüber hinaus die Fernhaltnng jeglicher Parreipolitik von der Hochschule. Daß unsere Sympathie ans.seiten des kochschulbuudes liegt, haben unsere Kartellvcrbindnngen nicht einmal, sondern wiederholt in den örtlichen Studeutenalisschüsken betont. Der Verband als solcher hat die Kartellverbindnngen anfgcsordert. den örtlichen Ausschüssen beizutreteu bezw. deren Gründung zu unterstützen. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, gemeinsam mit diesen Gruppen unseren Weg zu gehen. Eine Selbstverständlichkeit ist es aber atlch für uns, in jedeni Asta einen unserer Vertreter zu haben. In der Stndentenpolitil nimmt heute die Judensrage, d. h. der Anrisemitismns, noch inrmer einen weiten Raum ein. Mit Genugtuung stellen wir fest, daß gerade in letzter Zeit Vertreter der freiheitlichen Gruppen ganz besonders tatkräftig antisemitischen Vorstößen entgegengetreten sind. Alber — dabei wollen wir keinem zu nahe treten — die beste Verteidigung ist doch für uns,