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KC-Blätter · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1922) · p. Seite 61

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Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 7-9 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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61 kämpse improvisiert wurden, es nach schwerer Sihnng mit z»vei Verwundeten gen Freilnug ging, du wurde manchem sclnver ums Herz. .v>dl, tvie die 3oituc am Fimmel, so war cs in den Herzen aller gewesen, doch als bei der \Hbfafjrt die ersten schweren Regentropfen herniedersielen, da wurde es manchem recht weh zu Mute . . . „und die am tollsten geivettert, sind still und stumm, die Lieder oertönt, die Becher der Freude zerschmettert". Am anderen Tage >oar der Schwarm verrauscht, die «tragen leer von den alten bekannten (Gesichtern, die Fahnen eingezogen, nur das Münster grüsst in alter Schönheit hoheitsvoll hernieder. (5s ladet ein zur baldigen Wiederkehr. Folgt seinem Ruf! Einen herzlichen Dank aber allen, die ihre ganze Arbeit in den Dienst des Gedankens gestellt haben, jenen, die nicht mehr den Frohsinn Freibnrgs voll geniesten dürfen, ein Fest zu bereiten, wie es schöner nicht denkbar war. H. B. Soxo-Vavaria. Zum zehnjährigen Stiftungsfeste am 20. 23. 10. 1022, von Zahnarzt Heinrich Mannes (Saxobav., Lie.). Alles fliegt, alles ist Entwicklung. Und alles organisch Entstandene ershliesst sich in seinem innersten Wesen nur von diesem Gesichtspunkt ans betrachtet. „Rur im Werden erfasst wird das Gewordene verständlich." Warum sollte eine Verbindung davon eine Ausnahme machen? ''Auch ihre Geschichte ist Entwicklungsgeschichte und weist ganz analog die z>vei Momente auf --wenn auch natürlich in etwas veränderter Form — die die allgemeine Entwicklung beeinflussen: Vererbung und Anpassung. Das, lvas die „Vererbiingsmasse" der Verbindung bildet, ist seine Traditiondie auf der Tendenz der Korporation und dem Geist, mit dem die Gründnngspersönlichkeiten sie ausschlaggebend erfüllen, beruht. Und anderseits ist's auch im Verbindlittgsleben das „Milieu", an das sich die Grundform im Kampf ums Dasein zweckmästig, d. h. zur Selbsterhaltnng. anznpassen hat. das Milien, das hier besteht in der Mnsenstadt samt Land und Leuten, der Philisterschast und, lant not. lenst, der Korporationswelt. Zehn Fahre hat unser alliebes sächs. - bahr. Kindchen mit seinem Traditionspfund gewuchert und sich, soweit und wann immer es nötig war, seinem rechtlich gesicherten „Lcebzcher" Milieu anzupaisen bestrebt, um sich dnrchzusehen. Halten wir uns beim Rückblick ans das vergangene Dezenieum ganz an die eingangs gegebenen Gesichtspunkte. Die „Tradition" der Saxo-Bavaria ist zunächst die jeder deutschen Korporation, des ferneren aber ist sie spezialisiert die K. E.-Verbindungen umfassende gemeinsame Tendenz. Die ureigenen Elemente und Wertungen werden ihr gegeben durch den Geist, den der rühmliche und rühmenswerte Verbindnngsgrundstork den kommenden Geschlechtern zum Vorbild seht. Und dieser Geist war beseelt von Kampfessrendigkeit, die sich nach ansteil hin gewaltig betätigte, beseelt auch von bnndesbrüderlicher Freundschaft im inneren Kreis, die ihrerseits allein dem kleinen Häuflein die Waffen schmieden konnte gegen die stürmende Übermacht. Und lvas waren das für Kämpfer und Bundesbrüder zugleich, unsre K. C. - Ahnen; die Angen der Fnngen leuchteten auf, wenn sie von den Taten jener Draufgänger hören. Tie Verbindnngschronik hat unseren ersten Mannen Denkmäler zu sehen geivusst, „Monumente für Lebendige", deren Effekt der Autor wohl nicht ganz unzutreffend ausmalte: „und der Stolz, ein Denkmal bei Lebzeiten zu erhalten, wird hinter dem Gefühl zurück-« treten, der Rachtvelt in nicht genügend würdiger Form überliefert zu werden." Also liebe Leser der Ehronik, noch höher tvaren sie. als ihr's geschildert findet. — Am Sonntag, den 21. Fuli 1012 erregte die giftgrüne Eouleur der Reuen erstmalig gesteigertes Aufsehen der „Grimmschen": „im feierlich stolzen Zuge gings die Peterstraste hinauf zum Frühschoppen im Ratskeller". Denkst du daran, Genosse froher Stunden? Kling-Klang und Sing-Sang war der Grundtc-n deines Lebens, Freude ani Schönen fein Inhalt. Tu wirst lächeln, alter, alter .Herr, wenn du inmitten geschäfts- und dollargeschwängerter Atmosphäre der Fehlzeit an die aura uwulemia denkst und die Dinge, die dir damals Mittelpunkt waren. Vielleicht wirst du in einer Feit extremsten Materialismus dankbar der Tage denken, an dem auch andere Sachen als die heut nur geltenden, Existenzberechtigung hatten. Wirst vielleicht auch meinen: die Korporation, soweit sic an wirklich ideellen Werten festhält ist nicht überlebt, wenn sie einer überwiegend materiell orientierteil Umgebung nicht folgen tvill, nicht reaktionär, wenn sie „Traditionen" bewahrt. Wir haben in unserer angewandten Entwicklungslehre konsequent des Punktes 2 zu gedenken: der Anpassung im allgemeinen, des Milieus als sie bedingendes Moment im besondern. Thema also: „Dir Leibzch liewe Lindenstadt!" Ein früherer Autor (Luft) zwar kann es schlechterdings nur „geologisch genommen" als einen „kleinen künstlichen Steinhaufen wie jede andre Ste.dt auch" bezeichnen, deren einziges Beachtliche der ans Schutt geborene Scherbelberg sei (sogenannt nach Arsenik-Scherbel, wie jede Fnchsenstnnde glaubwürdig versichern soll). Und die Leute, die „die Steinhauses bevölkern, bezeichnet ja ein anderer Pessimist auf seine Art, wenn er meint, das; es Menschen. Sachsen und „noch Lcebzcher" gäbe. Aber nicht wahr du, der du dank längeren Studiums tiefer dringen konntest, hast deine Freude erleben können, suchtest du sie nun im Bnrgkeller, Thür. .Hof, «chlost Rheinsberg, auf der Plciste, die Stech-Kähne zu tragen bereit und imstande ist, iit Meusdorf oder sonstwo. - „Wahre Freude in ernsten Dingen!" Was bot und bietet unsere Musenstadt dem Kunstsinnigen! Wer wird die Gewandhauskonzerte so gleich vergessen, wer sich nicht der Theater, Museen, Bibliotheken nsw. erinnern? Stets hat Leipzig neben eifrig betriebenem Handel Sinn für Kunst und Wissenschaft gehabt. Von frühester Zeit an blühte das Verbindnngslebeu an der Universität, dem die Groststadt sein vorwiegend gesellschaftliches Gepräge aufdrückt. Und manche urwüchsige und natürliche Formen mussten unter der drückenden, allzu sehr aufs äusterliche gerichteten Etiquette verkümmern. Der K. C. und die Saxo-Bavaria haben im Krieg ihre selbstverständliche Pflicht erfüllt,' die Kbr. Kbr. eilteit an die Front und die Verbindung schlost ihren Betrieb. Sieben unserer Kbr. Kbr. bezeugten ihren inneren Willen zum Deutschtum durch heiligen Opfertod. Ein schlichtes Erinnernngsblatt auf der Kneipe enthält ihre Namen: mutige Vorbilder der Tat gedenken wir der Gefallenen: Erich Blnmenthal Fritz Ehrlich .Herbert Grostmann Kurt .Haas Siegfried Lnbinski Richard Sachs Max Simonsohn. Möge ihr Opfer, die Begeisterung, mit der sie's brachten, nicht umsonst gewesen sein.

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