KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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reifenden Weinberge, biivrij die der Zug die vielen Freibnrgpilger führte. die ans allen Richtungen des Reiches znsammenströmten. van fern schart grüßte der Münstertnrm, der seit zebn Jahren zürn ersten Male seine Hülle abgewarfen hatte, und in alter Schönheit neu erstände«; war. wie ihn der fronime Sinn des seiner Macht belvnßteu deutschen Bürgertums vor einem l,alben Jahrtausend errichtet hatte. Bald fühlten sich alle wieder heimisch in den Strassen und Kneipen, die belebt waren van Gesichtern, die seit Jahren zum ersten Male wieder die Farben ihrer Berbindnng in Freibnrg tragen kannten. Alle Jahrgänge waren vertreten, die ratbemühten Fribnrgen und die ältesten Gliibellinensemester, selbst solche, die mehr als zwei Jahrzehnte nicht wieder deit Weg in den Schwarzwald gegangen waren. Sa kannte man sich garleicht zurückverseht fühlen in die Tage der seligen Fnchsenzeit. und als erst beim Bier im altgewohnten ...Kops" alles zur Begrüßungsfeier beieinandersaß. als einer nach dem andern van den alten Bekannten anftauchte, als hier und da sich kleine Gruppen bildeten, van denen, die vor 5, vor lO. Var 20 Jahren „die Berbindnng" lvaren. da war auch der Zweck der Reise schau erfüllt, da merkte man. das; Berbindnngstreue und Bnndesbrüderlichkeit fartdanern, weit über die Stndenteniahre hinaus. Ein solches Erlebnis mns; nachwirken. trah allen Ernstes der Zeit, selbst in die schtverste» Sargen des Alltags hinein. Hier kann und soll nicht jeder einzelnen Beranstaltnng gedacht werden, denn der Znsammenklang ist es, der die Schönheit dieses Festes ansmachte. Wie Ernst und Frohsinn zusammen die Kneipe verschönten, so auch tvaren die Veranstaltungen aufeinander avgestimmt. Was Freiburg an Schönem bieten konnte, lvnrde genossen. Die alten Kneipen der Stadt, der Dattler, der Loretto, die alten Berkehrsphilister wurden wieder besucht, alte Konvents- und Kneipreden zur Erheiterung aller in neues Leben zurückgernfen, und wenn auch die Wasgauberge nur von fern als unerreichbar herüber grünten, so wurde am Ufer des Rheines dach der Tage gedacht, da nach mit dem anderen Ufer treue Freundschaft uns verband. Den Höhepunkt bildete jedoch zweifellos die Kneipe. In grauer Zahl tvaren trat; der weiten Reise die Vertreter der Kartellverbindungen erschienen, im Namen der Universität und des Senats nahm der Rektor an der Feierlichkeit teil, und die befreundeten Organisationen und die Gemeinde hatten Delegierte entsandt. Trotzdem verlies der Abend nicht in der sonst bei solchen Veranstaltungen gefürchteten Steifheit. Wenn man die Reden, die hier gehalten wurden, zusainmenfas;t, dann tonn man eins für die Zukunft hinüber nehmen. Aus allen Rednern ans unseren Reihen sprach die Begeisterung für unsere Sache. Aus denen des Rektors und der Freunde die Anerkennung für das, was die Verbindung geleistet bat, und tvenn der Rektor in feiner Rede davon sprach, das; die Verbindung niemals Veranlassung zuin Tadel gegeben habe, das; sie immer bereit geivesen sei, Rektor und Senat.in der Wahrung des akadentischen Friedens und der Ordnung zu unterstützen, so mag dies für manchen alten Draufgänger merkwürdig klingen, und als ein schlechtes Lab empfunden worden. ^Es mag auch manchem scheinen, tvenn er an seine Studenteuiahre zurückdenkt, als wenn Rektor und Senat nicht immer diese Überzeugung besessen hätten, und dach ist es so. Mit Recht sprach der Rektor davon, das; er es für seine oberste Aitfgabe betrachte, die Fühlung mit allen Kreiselt der Studentenschaft, namentlich in der heutigen Zeit schärfster Gegensätze, zn suchen, nnd daß er deswegen die Veranstaltungen der Studentenschaft besuche, wo ihm die Gelegenheit dazu geboten werde. Wenn man unter diesem Gesichtspntlkte bestrebt ist, jeden zn verstehen, und erst wenn man ihn gehört hat, ein Urteil zu fällen, dann sind diese Warte des Rektors kein schlechtes Lob, dann sind sie auch mit unserer Vergangenheit vereinbar. Was den einzelnen häufig in Widerspruch zu den Gesetzen der Universität gestellt hat. was ihn zum Ruhestörer stempelte, war ja gerade der Widerstand gegen jene, die akademische Ehre, studentische Freiheit zu verletzen suchten, und die Worte des Rektors entsprechen auch durchalls dem Standpunkt, den der Senat schon vor längerer Zeit eingenommen hat, als er im Jahre 15)21 einen BundeSbrnder vor dem Disziplinargericht freisprach, mit der ausdrücklichen Begründung, das; in der Verteilung qntisemitischer Hetzzettel allein eine Beleidignitg liege, die geeignet fei, einen ehrenhaft denkenden Kommilitonen zu verletzen nnd zu einer Verbalinjurie zu veranlassen. Oder waren wir cs vielleicht, die den akademischen Frieden und die studentische Disziplin verletzt haben, als andere bei studentischen Trancrfeiern einen bewußt weiten Abstand hielten (hat doch Freibnrg den traurigen Ruhm, hiermit den Anfang gemacht zn haben)? Waren wir cs, die die einheitliche Front der Korporationen durch die Begründung des Hochschulrings gesprengt habet«? Waren wir es, wie cs in anderen Städten der Fall gewesen ist, die die Beteiligung an Sportsesten oder an studentischen Feierlichkeiten von der Ausschließung anderer Kommilitonen abhängig gemacht haben? Das ist nicht in Freibnrg nnd auch sonst nirgends der Fall gewesen. Ja, «vir waren stets Wahrer der studentischen Freiheit, die Träger des Gedankens von Recht nnd Ordnung: wenn die andern uns dieses Recht bestreiten, «vir legen keinen Wert darauf. Alleinhüter dieses Gedankens zn fein, im Gegenteil: aber dailn sollen sie erst vor ihrer eigenen Türe kehren und sich die gleichen Gedanken zir eigen machen, in« Gegner den Menschen und den Kommilitonen trotz aller Gegensätze der Anschauung zu achten. Das ist die große Aufgabe und die Lehre, die uns dieses Stiftungsfest nnd sein wunderbarer Verlauf auf den Weg geben: wir müssen das Gefühl der Verantwortung in unserer Jugend erhalten, der Verantwortung vor dem gesamten deutschen Volk, der Verantwortung der jüngeren vor den älteren, von dem Erbteil, das sie ihm überliefert haben, nicht nachzulassen in dem Kampf um unser 5)kecht, und so auch die Verantwortung gegenüber dem Verband, und uns betvnßt zu sein, daß wir nur ein Glied des ganzen fiitb. Wir dürfen nie vergessen, das; «vir im Volk, in der Universität nnd im Verband nicht nur Rechte zn fordern, sondern auch Pflichten zu erfüllen haben, und das; tvir unsere Rechte stets neu ertverben müssen, damit, wenn in tveiteren fünfundzwanzig Jahren wieder ein solches Fest alt und jung vereint, auch die heutige Jugend mit der gleichen Freude am Tische sitzen und schwärmen kann, von dem, was früher war. Ein schötier Auftakt in diesem Sinne sind für die Zukunft die Erfolge, die die Verbindung im letzten Semester am sportlichem Gebiete errungen hat. Sic hat in Freibnrg und in ganz Südwestdcutschland gezeigt, das; 'wir das, was heute mehr denn je erforderlich ist, die Aufgabe, körperlich unsere Jugend zu erziehen, und sie zu Männern zu machen an Geist und Körper, in gleichem Maße zu erfüllen trachten. Das Band zwischeit alt und jung zeigten auch die einzelnen Veranstaltungen. Bei allen tvirkte alt und jung zusammen, um keinen unbefriedigt nach Hause ziehen zu lassen. Als schließlich nach dem wundervollen Sommertag in Breisach, bei dem noch einmal alles sich zusantmendrängter Liebe zum Verband. Freude an studentischem Frohsinn, und auch an den I Ufern des Rheines gar schnell Schtvimm- und Sport-