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KC-Blätter · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1922) · p. Seite 59

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Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 7-9 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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59 DaS deutsche Judentum steht im Kampf um sein Recht gegen einen Feind, der keine Rücksichten kennt und dem jedes Mittel recht ist, um mit brutaler Macht die Juden zu entrechten. Man glaubte gewiß, einen wirksamen Schlag gegen das deutsche Judentum zu führen, indem man es eines ihrer Besten hinterrücks beraubte. NnS kann aus dieser unseligen Tat nur neuer, fester Wille erwachsen, für unser Recht im Kampfe einzutreten; wir wissen aber auch, daß dieser Kampf vor allein Menschen erfordert, die willens sind, ihr Bestes ihrer» Volke zu geben, und daß nur derjenige ein Anrecht auf die allgemeine Achtung hat, der in seiner Lebensführung seine Ideen nicht verleugnet. Auch hierin werden wir in Walter Rathenau ein leuchtendes Vorbild für die deutsche Judenheit erkennen, der sein Leben getreu seinen Ideen geformt hat, deren Kampfpreis er darin erblickte: „Das Ziel, zu dein wir streben, heißt menschliche Freiheit". Wegen Raummangels mutzte die Umschau fort» gelassen werden. Sie erscheint in der nächsten Nummer. Narbruk kür Paul Wiesbader (Bavariae). Wiederum bat der Tod in unserer Mitte Einkehr gehalten und sich ein blühendes junges Menschenleben zum Opfer ausersehcn. Mein lieber Leibsnchs und der freund meiner Ingendtage Paul Wiesbader ist am 23. August nach schwerem Leiden von uns gegangen. Nachdem wir beide durch den Krieg einen dritten gemeinsamen freund verloren hatten, ist es mir setzt, als ob mit Paul Wiesbader das lebte Liebe ans der goldenen Jugendzeit zn Grabe getragen worden sei. Ein ansrechter deutscher Jude, der an seine Ehre als Deutscher und Jude nicht rühren lies;, der in selbstverständlicher Pslichtersüllung auch im Felde seinen Mann stand, ein Mensch von immer gleichbleibender Freundlichkeit und Opserivilligkeit. so war Paul Wiesbader. Wie viele Tränen Darbender er durch sein Leben getrockner bat, das wissen nur wenige. Ein Helfer war er, und als Helfer ist er gestorben. In Ausübung seines ärztlichen Berufes, an dein er mit Liebe hing, infizierte er sich. Rach neunwöchigen schrecklichen Onalen starb er an einer ganz anstergewöhnlich schweren Gehirngrippe. Der Tod erschien ihm als Erlöser. Nie lverden wir dich vergessen, mein lieber Leibfux! Ruhe in Frieden! vr. Kurt Oppenheimer (Bav., Nassov.). vem ttndenken vr. Max Steindergsl Am 2t). Mar 1022 starb in Godesberg, wo er nach überstandener Grippe Erholung suchte, Herr Rechtsanwalt vr. Max Steinberg ails Münster i. W. im Alter von erst 38 Jahren, an einem Herzleiden. Das Andenken des Verstorbenen, der in seiner Studentenzeit (1902—04) in der Ghibellina aktiv war. und der 1918/19 wieder als A. H. bei der Gründung der Verbindung Rhenv-Bavaria in Münster in hervorragender Weife mitwirkte. jedoch ans Gründen der Weltanschauung in jüdischen Fragen beide Male ans dem M\ E. anstrat, verdient es des ungeachtet in diesen Blättern gewürdigt zn werden. Ter Verblichene war trotz seines Austritts aus nnserm Verbände seit seiner Studentenzeit bis an sein Lebensende mit einer groben Anzahl älterer westfälischer K. E.er. vor altem Juristen, die in Münster in ihren lebten Semestern studierten, in engster, herzlichster Freundschaft verbunden, die rvohl ausnahmslos eine Freundschaft fürs Leben war. Schon durch seine äntzere Erscheinung zu einem Führer in des Wortes edelster uub bester Bedeutung berufen, wagte er durch die angergewöhnlichen Gaben seines Geistes und .Herzens, durch seine nngeivöhnliche juristische Begalmng nicht minder wie durch seine ständige Hilfsbereitschaft und seinen unvergänglich goldenen Humor sich die Herzen aller zn gewinnen, die ihm näher traten. Mancher tvestfälische >t. E. er wird gleich dem Unterzeichneten in Dankbarkeit und voller Wehmut der schöllen Feiten gedenken, die er in Freud und Leid mit denl Verstorbenen verbringen durfte. Sv war er trotz seines formellen Austritts aus dem K. C. lange Zeit das anerkannte .Haupt einer Gemeinschaft von i’l. E. ern. die an ihm hingen und durch ihr; inniger verbunden waren als durch korporative Organisation mit Sabnng und Vorstand. Sein allznsrühes Dahinscheidell. 'das auch außerhalb seines engeren Wirkungsscldes von fernstehenden Kreisen, innerhalb wie außerhalb Münsters, von jüdischer wie nicht-jüdischer Seite, betrauert wurde, bedeutet für seine engeren Freunde im 3i‘. E. einen besonders herben Berlnlt. „Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem, Ihr werdet niemals jelnesgleichen sehn." Walther Ostwald Mhen.-Sil., Rhen.-Bav.) Vas 25. Stiktunaskest der Gbibelllnia. „Sek,' ick den a'ken Riesenbau Tr» ruten Münster» ra en. Hör' ich an Ii'ller Höuser Rtih'n Der Trrgam Wellen schlagen. E'h' ich d'e Lassen aus und ab Die lieben grauen Mützen. So lvr'b Ich. das, »» Hrelburg Ist. Wo meine Augen blitzen." Wie jede Verbindung unseres Verbandes ihren eigenen Charakter trägt, so auch deren Feste. Die wunderbare Veranstaltung im Oktober 1921 in Breslau war »veniger ein Tag einer einzelnen Verbindung als ein Freudenfest des gesamten Perbandes. Die Tage, mit denen in Berlin und Heidelberg die Verballdsjnbilüell begangen wurden, waren die ersten Zeichen des Wiedererwachens alter, durch den Krieg unterbrochener Beziehungen. Das Berliner Fest trug damals den Stempel des ersten Nachkriegs-K. E.-Tages, und stand unter dein Zeichen der Hast des Berliner Lebelrs. Das Heidelberger Fest spiegelte die Studentenromantik der alten Nerkarstadt wieder. Das Fest, das wir in den letzten Inlitagen feierten, war anders, es war ein Familiensest im schönsten Sinne. Es ist schwer oder sogar unmöglich zu sagen, welcher von diesen Tagen der schönste war. Aber eins ist sicher: hier war der Traum zur Wirklichkeit geworden: „Mir ist, als säh' ich jugendfrisch die alten Freunde wieder, als hörte ich von Lieb' und Wein die alten frohen Lieder." Alles wirkte zusammen, um diesem Fest zum vollen Gelingen zu verhelfen. Nach wochenlcngem Regen schien die Sonne zum ersten Male wieder auf die dunklen Bergwälder und die

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