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KC-Blätter · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 48

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Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 48 (sequence 12)
Language
German
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48 wir alle nicht müde und abgekämpft, erschöpft im Spengler'schen Sinne, um nicht an das ewig Neue im Weltgeschehen zu glauben. Auch unsere Zeit hat ihre besondere Schicksalsausgabe, ihre Tragik ist die ganze Tragik des modernen Menschen, des Juden Nack — wenn man will — auch des assimilierten Juden. Denn diese läßt sich nicht in tiefere Gedankenform bringen als in jenen Sätzen Friedrich Naumanns: „Es ist schwer, ganz ungläubig zu sein, weil man dann ohne Daseinszweck und ohne Welterklärung herumläuft: aber freilich ebenso schwer ist es, sich als gläubig zu bekennen, weil dann die Leute denken möchten, als sei man ein Kind der neuen Zeit und stecke noch im Aberglauben. Wir sind so gebildet, daß wir meinungslos geworden sind; vor lauter Bildung wissen die Menschen nicht mehr, wozu sie eigentlich auf der Erde sind." fö Ls bucker- und vlültersckau. fö Ls Schröders Allgemeiner deutscher Nniversitäts- und Hochschulkalender für das Jahr 1S22 (auf Grund amtlicher Quellen herausgegeben von Otto Schröder, Sekretär der Universität Rostock, Kirchhain, N.-L-, Brücke- Verlag Kurt Schmersow) ist in einer Studentenausgabe erschienen, die hauptsächlich das Verbindungswesen behandelt. Zuverlässigkeit und Vollständigkeit zeichnen das Büchlein auch im neuen Gewände aus, so daß es den alten Ruf seiner Unentbehrlichkeit wieder aufs neue festigt. vr. JSmarFreund, Der Judenhaß. EinBeitrag zusein er Geschichte und Psychologie 1922. Philo-Verlag, Berlin 81V 68. — Auf nur achtunddreißig Seiten gibt Freund eine Fülle von Material, das den geschichtlichen Verlauf, die innere Gesetzmäßigkeit und die seelischen Grundlagen einer Entwicklung aufzeigt, deren Anfänge weit zurückliegen, deren letzte Auswirkungen iwch der Zukunft angehören. Besonders wertvoll ist es, weil die Belesenheit des Verfassers umfangreiche literarische Nachweise bringt. Jeder Kartellbruder sollte es gelesen haben und über seinen Inhalt Bescheid wissen. Monistische Märchen von vr. Max G r u n w a l d. Aus einem Briefwechsel 1921. Benjamin Harz, Verlag, Berlin—Wien. — Das alte Problem der Feindschaft zwischen Naturwissenschaft und Religion erfährt hier vom jüdischen Standpunkte aus eine reizvolle Beleuchtung. Grunwald ist Theologe und Philosoph, aber er beherrscht auch alle Zweige der nrodernen Naturwissenschaft. So sind seine Auseinandersetzungen weder einseitig in ihren Voraussetzungen noch tendenziös in ihren Zielen. Sie wägen schlicht und klar ab, und so manches naturwissenschaftliche Dogma wird dabei des Nimbus entkleidet, den es bei gedankenlosen Massen erworben hat. Grunwald will nicht überreden, sondern überzeugen, er wendet sich an den - kende, jüdische Menschen. Allen jungen Juden, die sich nicht in dogmatischer Überhebung fertig fühlen, sondern die um ihre Weltanschauung ringen, wird das Büchlein ein treuer und sicherer Führer sein. So sei es denn insbesondere den jüngeren Kartellbrüdern zur eifrigen Lektüre empfohlen. Geschichte der Deutschen Burschenschaft. Erster Band. Vor- und Frühzeit bis zu den Karlsbader Beschlüssen von Paul W e n tz ck e. Heidelberg 1919. Carl Winters Nniversitätsbuchhandlung. (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung. Im Aufträge der Burschenschaftlichen Historischen Kommission in Gemeinschaft mit Ferdinand Bilger, Wilhelm Hopf, Friedrich Meinecke, Otto Oppermann, Paul Wentzcke herausgegeben von Hermann Haupt. Band VI.) — Daß es sich um eine hervorragende historische Leistung handelt, sei von vornherein hervorgehoben. Eine unendliche Fülle von Material, das die Entwicklung der Burschenschaft an den verschiedenen Universitäten behandelt, ist zusammengetragen . und zu einem lichtvollen Bilde verarbeitet worden. Das Buch ist mehr als sein Titel sagt, denn es birgt in sich eine Geschichte der gesamten studentischen Bewegung für den behandelten Zeitraum und seine wuchtige, edle, aber sehr flüssige Darstellungsweise macht es zu einer wirklich erfreulichen Lektüre. Die uns besonders interessierende I u - denfrage wird in diesem Bande nicht behandelt; abgesehen davon, daß an einigen Stellen von dem christlichen Charakter der Burschenschaft gesprochen wird, lag wohl auch kein Anlaß vor, sie in dieser Frühzeit der Entwicklung zu berühren. Der allgemeine Charakter der Burschenschaft stand so sehr fest, und sie war derart von freiheitlichem Geiste erfüllt, daß es vielleicht eine religiöse, keineswegs aber eine Apolitische Judenfrage in ihr gab. Die späteren Bände werden sich mit der Judenfrage eingehender beschäftigen müssen. Eine allgemeine Bemerkung sei hinzugefügt. Welches müssen wohl die Gedanken eines nachdenklichen Burschenschaftlers von heute sein, der dieses Buch liest und in die Vergangenheit seiner Bewegung schaut! Aus ihr spricht ja — und das Werk vermittelt diese Empfindungen und Gedanken besoirders gut — so viel freiheitlicher Idealismus, so viel ehrliches Widerstreben gegen Reaktion und Volksknebelung, so viel Freude an der Überwindung des Zwanges auf dem Gebiete der gesellschaftlichen Form, so viel Einheitssehnen, mit einem Worte so viel Jugend, daß man sich nur lächelnd fragt, warum denn nur die Burschenschaft von heute denselben Namen trägt, sie, deren Mitglieder ihre eigenen Farben — und das mag symbolisch sein — in der Politik als „Judenfahne" verachten. Gesellschaftlich, in Form und Brauch, hat die Burschenschaft erchgültig vor dem schneidigen, vornehmen Idealbild, das die einst so befehdeten Korps gaben, kapituliert. Politisch herrscht die schwärzeste Reaktion, Haß gegen die Demokratie — von Sozialdeinokratie ganz zu schweigen —, Sehnsucht nach der Diktatur des rasselnden Säbels! Und die jugendliche Frische, der ritterliche Anstand ist vor jenem pervers-gehässigen Geisteszustand gewichen, der in den Tagen deutschen Unglücks mit fieberhafter Gebärde die Heirat mit einem „farbigen oder jüdischen Weibe" verbietet! Zwei Wartburgfeste! Man vergleiche die Beschlüsse des ersten, aus denen heiliger, reiner, ritterlicher, deutscher Idealismus spricht, und die der wiederum unsterblich werdenden Tagung unserer Zeit, die in einer wüsten, kreischenden Beschimpfung der Juden gipfelt, mit denen man Seite an Seite fürs Vaterland gekämpft hat! „O alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du geschwunden!" F. G. Die Prophetie, von vr. Elias Auerbach. Jüdischer Verlag, Berlin 1920. — Die Bibel ist das Fundament der sittlichen Weltkultur, und es ist darum um so bedauerlicher, daß weder die jüdische Wissenschaft diesem den Juden ureigenes Gebiet die gebührende Rücksicht widmet, noch auch der gebildete Laie diesen Teil der Weltliteratur auch nur annähernd

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