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KC-Blätter · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 49

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Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 49 (sequence 13)
Language
German
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49 so kennt, wie andere. Jeder Versuch ist darum zu begrüßen, der den modernen Juden in die Fragen seiner geistigen Grundlage einführt. Besonders geeignet ist hierzu das Buch von Auerbach, der einem Grundproblem, nämlich der Prophetie, gerecht zu werden versucht und hierbei vom Propheten Jeremias ausgehend ein packendes und lebendiges Bild dieser einzigartigen Erscheinung entwirft, das vor allem den psychologischen und religionsgeschichtlichen Vorgängen gerecht wird- Die wissenschaftliche Fachkritik mag in diesem und jenem Punkte in den Ausführungen zweifelnd ünd wägend Stellung nehmen, für den gebildeten Laien kommt es darauf nicht an. Er hat in der Schrift einen Führer, der ihn in den Geist jüdischer Religiosität und Prophetie, in den Geist der Bibel einführt, und so kann das Buch unsere geistig strebende Jugend auf dem Wege in das Verständnis der Bibel gewaltig fördern. Jakob Klatzkin, Hermann Cohen, zweite Aufl-, Jüdischer Verlag, Berlin 1921. Die erste Auflage des Buches ist an dieser Stelle gewürdigt worden. Bei aller Ehrfurcht des Verfassers vor Cohen ist und bleibt es eine Kampfschrift, die den Gegensatz zwischen zwei Weltanschauungen offenbart. Klatzkin kann dem Juden Cohen, von dem ihn eine unüberbrückbare Kluft trennt, nicht gerecht werden. Immerhin ist es hochinteressant und bleibt dauernd besonders wertvoll durch die ausgezeichnete Cohenbibliographie. Die zionistische Bewegung. Eine kurze Darstellung ihrer Entwicklung von Adolf Böhm. II. Teil. Die Bewegung vom Tode Herzls bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Mit einem Anhänge : Kurze Übersicht der Entwicklung vom Ausbruch des Weltkrieges bis zur Gegenwart. 1921. Welt-Verlag, Berlin. — Der stattliche Band von über dreihundertundfünfzig Seiten führt ein Werk zu Ende, dessen erster Teil an dieser Stelle bereits eingehend besprochen worden ist. Wenn auch Böhm sich dagegen verwahrt, eine „Geschichte" oder ein „Handbuch des Zionismus" geschrieben zu haben, so trifft es für den Gegner der Bewegung, indessen Denken und Fühlen sie keine zentrale Stellung einnimmt, doch zu. Es gibt keine Frage aus dem Gebiete der nationaljüdischen Theorie und Bewegung, sei sie historischer, philosophischer, nationalökonomischer oder kolonisatorischer Natur, über die man sich nicht kurz, schnell und zuverlässig an der Hand eines ausführlichen Sach- und Personenregisters orientieren könnte. Daß dem Verfasser seine Absicht, ein Bild des lebendigen Werdens der Bewegung zu geben, voll gelungen ist, sei ihm gern bescheinigt. Man lebt das Entstehen der einzelnen Ideen und Strömungen der Bewegung mit. Wenn Böhm hier und da etwas subjektiv die Dinge sieht und behandelt, so stört das höchstens den andersdenkenden Nationaljuden, nicht aber uns, die wir die Bewegung ablehnen. Das Propagandistische, das Böhm ausdrücklich betont, ist zudem in Wirklichkeit nur schwach angedeutet, so daß das Werk tatsächlich als ein ausgezeichnetes Hilfsmittel zum Verständnis des Wesens und Werdens des Zionismus genannt werden darf. F. G. Heinrich Margulies. Kritik des Z i o n i s m u s. II. Teil. Der Zionismus als Volksbeweg u n g. 1920. R- Löwit, Verlag, Wien und Berlin. — Noch nie ist von seiten der Gegner des Zionismus eine so scharfe, stellenweise, sogar bissige Kritik an Personen und Dingen geübt worden, wie in diesem Buche. Wenn man den ersten Teil des vorliegenden Bandes, der dem Raume nach etwa drei Fünftel einnimmt, gelesen hat, so steht man vor einem Trümmerhaufen! Kein Stein ist auf dem anderen geblieben, und das Illusionäre und Imaginäre der nationaljüdischen Ideen und Hoffnungen leuchtet jedermann ein. Gerade jene unter uns, die vielleicht der Beeinflussung durch die national-jüdische Idee in diesem oder jenem Punkte zugänglich sind, sollten es lesen. Bewies der erste Band, der die Säkularisierung des Judentums und damit die absolute Hinausdrängung der Religion forderte, wie destruktiv die nationaljüdische Idee für das historische Judentum ist, so zeigt dieser Band die ganze Hohlheit und Schwäche all der Vorstellungen, die wir zusammengefaßt als politisches Nationaljudentum bezeichnen. Was Margulies dann auf etwa fünfzig Seiten von der Politik und Sendung des erweiterten Zionismus phantasiert, wird nirgends ernst genommen werden können. Nach ihm soll das Judentum in Palästina der Träger eines modifizierten Kapitalismus sein, und der Ton, den M. den Salonagrarieru unter unseren jungen Zionisten und Zionistinnen gegenüber anschlägt, ist bei dieser Darstellung das Interessanteste. In Europa aber soll sich das Judentum als versöhnender und überbrückender Faktor im Streit der anderen Nationen bewähren, es soll den Klassenkampf überwinden, einen Volkssozialismus schaffen und auch sonst sich edel, liebevoll und gütig betätigen. Mit anderen Worten: Der Sinn des politischen Nationaljudentums ist der ethische Teil der religiösen Sendung Israels, die vielgelästerte Mission! Wozu also der Lärm? Das hätte man erheblich einfacher haben können. Jeder Gegner des Nationaljudentums sollte das Buch eifrig lesen, und es ist nur zu bedauern, daß die Nationaljuden selbst es wahrscheinlich nicht tun werden. F. >G. W. Friedemauu, Vier Lieder.0 (Für 1 Singstimme mit Klavier.) Verlag von Albert Stahl, Berlin. — Die Lieder, die deswegen in diesem Blatt Erwähnung finden, weil Verfasser ein Badene ist, sind in der Stimmung ganz hübsch erfaßt. Sie stellen an den Sänger keine großen Ansprüche hinsichtlich Schwierigkeit und sind wohl für den Dilettanten (natürlich nicht in schlechtem Sinne gemeint!) geschrieben. Sie werden in dem angedeuteten Rahmen gewiß die beabsichtigte Wirkung nicht verfehlen. Nur ist zu bedauern, daß F. ein einmal gewähltes charakteristisches Motiv, das mitunter die Stimmung recht schön wiedergibt, nicht konsequent beibehält. Das hat mir besonders in Nr. 3 („Das einsame Grab") leid getan, wo die Beibehaltung des zwar kurzen, aber bezeichnenden Motivchens die Wirkung erheblich gesteigert hätte. Man hat in den Liedern mehr den Eindruck eines Darauflosmusizierens. Dazu trägt auch nicht unwesentlich der Mangel an strophischem Aufbau, sowie Unterbrechungen der Perioden durch unmotivierte Pausen, die zu falscher Atmung und Zerreißung von mitunter recht hübschen Melodiephrasen führt. Diesen Ausstellungen gegenüber tritt die musikalische Frische, der Sinn für effektvolle Klangwirkungen und echt Gesangsmäßiges durchweg vorteilhaft in Erscheinung. Wer dankbare und nicht schwierige Gesangsmusik liebt, dem kann man diese Lieder empfehlen. F. P—r. Berichtigung. Anläßlich einer Auseinandersetzung im „M itteilungsblatt des Verbandes national deutscher Juden, e. V." vom März 1922, 2. Beilage, sei bemerkt, daß in der Bücherschau der vorvorigen Nummer lediglich die Kritik des Buches von vr. jur. Kurt Brandt von Kbr. Dr. Fritz Goldschmidt stammt. Für Besprechungen, die ohne Namenszeichen erscheinen, übernimmt der Redakteur die inhaltliche und formelle Verantwortung. Dr.. F. G. i) Die Titel der Lieder sind: Nr. 1. Im Herbstwald, 2. Meine Mutter hat's gewollt, 3. Das einsame Grab, 4. Glockenblumen.

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