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KC-Blätter · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 45 (sequence 9)
Language
German
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daß K. C. er. Zentrasvereinler und Naumannianer diese Zeilen lesen werden; denn sie werden es nicht hindern können. Wir wollen vorläufig nicht durch einen Kommentar die Bedeutung dieser Worte abschwächen l Sie werden uns noch beschäftigen! Lest sie, Kameraden und denkt über sie nach! Denkt ü b e r s i e n a ch l vr. F. G. Cbamberlain der Jüngere. Der Talmud sagt, die Vorsehung sorge dafür, daß, wenn ein Gerechter stirbt, sogleich ein anderer erstehe, der seinen Platz einnehme. Houston St. Chamberlain ist geistig und moralisch tot, aber schon ist ihm ein Platzhalter erstanden in der Person von Hans Blüher, einem der Führer der freideutschen Jugendbewegung. In seiner im Jahre 1919 erschienenen Schrift „Deutsches Reich, Judentum, Sozialismus"^ einer Rede, die er in mehreren Großstädten gehalten hat, predigte er, noch eingehüllt in eine Wolke von idealistisch-philosophischen Phrasen, den Kampf gegen die Juden, von dem Grundsatz ausgehend, daß der „politische Sozialismus", der das Deutsche Reich zugrunde gerichtet habe und seinen Wiederaufbau verhindere, ein „überwiegend südisches Denkprodukt sei". Seither hat Hans Blüher sich mächtig vorwärts entwickelt, und in einer vor kurzem herausgegebenen starken Broschüre „Secessio Judaica, philosophische Grundlegung der historischen Situation des Judentums und der antisemitischen Bewegung" entwickelt er ein vollständiges System seines „neuen, echten" Antisemitismus, der den bisherigen ganz in den Schatten stellen soll. Es ist schwer, in der ganzen bisherigen antisemitischen Literatur eine zweite Schrift zu finden, die auf verhältnismäßig so engem Raum eine gleich große Fülle von Haß und Gift enthält, eingebettet in einen süßlichen Brei von hochtrabenden philosophischen und mystischen Floskeln, darauf gerechnet, Verstand und Phantasie der Unreifen und Halbgebildeten zu benebeln und ihre Instinkte aufzupeitschen. Der „neue, echte" Antisemitismus, wie ihn Hans Blüher predigt, will „ohne Haß sein", will „nicht aus den Affekten handeln", aber sein Endziel ist — — der Weltpo grom (Hans Blüher schreibt beharrlich: d a s Weltpogrom). „Das Weltpogrom kommt zweifellos". Äs eine unabwendbare Folge der „Leoesslo judaica“, das heißt der Ausscheidung der Juden aus dem Volksorganismus, die sich in allen Ländern: vollzieht, am stärksten aber in Deutschland, welches von den Luden am schwersten heimgesucht und am tiefsten geschädigt wird. Einstweilen, bis „das Weltpogrom" kommt, darf es einem Juden nicht ertoubt sein, zu sagen, „Wir Deutschen". Man muß ihm stets und unter allen Umständen zu verstehen geben, daß man weiß, wer er ist. Es ist nicht erlaubt, daß ein Jude Offizier wird, „obgleich die Juden, stärker als die Antisemiten alten Schlages zugeben wollen, Mannschaften zur Verteidigung Deutschlands gestellt haben und tapferer waren als man ahnte, und ihnen das Eiserne Kreuz gebührt". „Es gebührt sich nicht, daß ein Jude deutscher Richter wird, obgleich es Juden von salomonischer Gerechtigkeit gibt und ihnen die Ehre ihrer Gesinnung" nicht abgesprochen werden kann. Blüher duldet überhaupt keine Ausnahme, denn er ist erhaben über die Empirie, die gemeine Erfahrung, er sieht nur „das Gesetz", nämlich das seiner „Substanzphilosophie", und dieses kennt keine Ausnahme. Nach diesem höheren Gesetz sind „alle Juden in der Substanz krank, infektiös Verseucht" und unheilbar. Ihre Krankheit besteht darin, daß sie „im Dienste einer destruktiven Geschichtswirkung stehen gegenüber den Völkern, unter denen sie wohnen". Wo es ihnen gelingt bis in die historisch empfindlichen Schichte:: des Volkes vorzudringen, „da ist ausnahmslos die destruktive Wirkung sofort nachweisbar". Die Aufgabe des Juden ist, das Reich zu verhindern. Jeder Jude, ganz gleichgültig, ob hoch oder niedrig, hat teil an diesem Berufe. Sie sind von der Geschichte dazu „b e o r d e r t", die Reiche der Völker, utner -denen sie wohnen, zu zerstören, besonders aber das Deutsche Meich. „Das hat mit Gesinnung nichts zu tun", „Verdienst entscheidet nicht". „Ein Jude kann leidenschaftlich Deutschland lieben und sein Leben dafür einsetzen — et tarnen Judaeus est — er bleibt doch Jude." „Es gibt Juden von großer Milde des Charakters, die der sozialen Not steuern wollen und sich in die Politik verstricken mit dem besten Willen um das deutsche Volk — et tarnen Judaei sunt. Stärker als das, was sie selber wollen im Banne ihrer vereinzelten Persönlichkeit, ist das, was der Geschichtsausdruck ihrer Rasse von ihnen verlangt, ob sie wollen oder nicht." Es ist wie mit den „geborenen Verbrechern" der anthropologischen Kriminalistenschule, die absolut besserungsunfähig sind, und gegen die es nur ein Mittel gibt: die Todesstrafe. Gegen die Juden gibt es nur ein Mittel, den Weltpogrom. Ihr unheilvolles Werk vollführen die Juden mittels einer ganzen Reihe von „korruptiven Gedankengängen", von denen der wichtigste die sozialistische Theorie ist. „Sie hat Deutschland am tiefsten getroffen und seine Ehre vernichtet." „Das Judentun: ist der Träger und Propagator der materialistischen Geschichtsauffassung." „Der jüdische Sozialismus hat die Aufgabe, die Völker von der Idee ihres Volkes und von der Erkenntnis ihres Schicksals abzulenken. Er ist leicht verständlich, jeder kann ihn lernen, er befriedigt die Besitzgier des niederen Volkes und ist daher die exquisite Pöbelphilosophi e." „Nur ein Jude konnte eine so tiefe Fälschung finden, daß sie vernichtend in die geschichtsempfindende Schicht der Völker eingreifen konnte." „Wir Juden sind zugleich Propheten und Zerstörer, — sagte einmal einer von ihnen. Sie sind Propheten für sich und Zerstörer für andere." Welcher Jude hat das gesagt? Genau derselbe, der den berühmten Ausspruch tat: „Die Revolution ist der Stern Judas." Seit etwa 2 Jahren durchstöbern wir ganze Bibliotheken, untersuchen alle möglichen alten Hefte und Scharteken, um den Ursprung dieses Satzes zu finden, von dem die Antisemiten nicht müde werden zu behaupten, ein Jude habe ihn getan. Alle Mühe ist vergebens, wir finden ihn nicht. Die sozialistische Theorie-, diese exquisite Pöbelphilosophie ist zwei oder drei Jahre ehe Marx geboren wurde, von dem französischen Grafen Henri de Saint Simon entwickelt worden, der ein intimer Freund des Grafen von Redern, preußischen Gesandten in London war, zwei oder drei Jahre ftüher von dem exquisiten englischen Gentlemen und Großindustriellen, Robert Owen. Es haben an dem Ausbau dieser Theorie vor Marx, Fourier, Blanc, Proudhon gearbeitet. Alle Stände der deutschen Nation haben an dem Bau hervorragend mitgewirkt. Der Professorensohn und Großgrundbesitzer Rodbertus von Jagetzow, das proletarische Schneiderlein Wilhelm Weitling (1838, als Marx 20 Jahre alt war), der kerndeutsche Großindustriellensohn Friedrich Engels — um nur die hervorragendsten zu nennen. Ja, als den Vater der modernen sozialistischen Theorie, muß man

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