KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 43 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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43 „Am neuen Werk ist ein neues Geschlecht, das wieder an den Sonnen glauben der Väter anknüpft, der deutschen Väter, und es ab-- lehnt, sich von dem ersten jüdischen Defait i st e n (gemeint ist euer CH r i st u s) Vorschriften machen zu lassen! Unser deutscher Bismarck steht uns zu hoch, weltenhoch über ledern internationalen Juden — heiße er nun Professor Kantorowicz oder Jesus von Nazareth!" Allerdings gehen auch unsere Deutschvölkischen mit den Katholiken oft so unsanft um, als ob sie gar — Juden wären. Die „Kölnische Bolkszeitung" berichtet über einen Abschieds-Kommers der Abiturienten in Kaiserslautern folgende erbauliche Geschichte: Der Vertreter der deutschen Turnerschaften, Handelskammersyndikus vr. K., führte aus, daß nur auf deutschnationaler Grundlage die jungen Studenten eine Erziehung zu echten Deutschen erhalten könnten, und diese Erziehung exhielten sie nur in den schlagenden Korporationen. Derselbe vr. K., der es vorgezogen hatte, sich selbst im Krieg reklamieren zu lassen, um sein teures Leben zur Verbreitung des nationalen Gedankens nach dem Krieg zu erhalten, beschimpfte dann das Andenken der sehr vielen im Kampfe für das Vaterland gefallenen Angehörigen der katholischen Studentenkorporationen und Katholiken überhaupt. Ein Student K i. sprach dann im Namen eines nur drei Korporationen umfassenden schlagenden Verbandes diese die Katholiken beleidigenden Äußerungen nach. Als dann der Vertreter des C. V., ein A. H. A u g u st Mayer, das Präsidium erhielt, führte er aus: „Mit dem Ausdruck tiefster Verachtung weise ich jene schmachvolle Rede (von vr. K.) zurück. Lediglich die Pflicht gegen die Gefallenen unseres Verbandes, die in Flandern und in der Champagne, in der Türkei und in Rußland modern, veranlaßt mich, auf die Beschimpfung der Gefallenen zu erwidern, es ist eine Schande, daß an dieser Stelle ein Deutscher eine solche Rede hielt. Man sprach vorhin von Überbrückung konfessioneller Gegensätze und Überwindung von Vorurteilen und Heranbildung von Charakteren." Bei diesen Worten wurde von dem Vertreter der deutschen Burschenschaften, Zivilingenieur Hermann A r n h o l d, gegen Herrn Mayer mit mehreren .Schnapsgläsern, mit Bierfilzen unb Streichholzschachteln geworfen. Die Mitglieder der schlagenden Korporationen stimmten ein lebhaftes Beisallsgeheul und „R a u s"-Ruse an. Herr M a y e r legte darauf das Präsidium nieder und verließ mit den übrigen C. B. ern den Saal. Nach dein Abzug der katholischen Studenten fielen im Saal die Worte: „Jetzt sind nur (!) üoch Deutsche da." Was der Angelegenheit einen besonders pikanten Reiz gibt, ist der Umstand, daß dieses alles im besetzten Gebiete (!) vor den Augen und Ohren der Franzosen sich abspielt. Einen sonderbaren Patriotismus betätigen doch unsere Völkischen! Von den Juden verlangen sie dagegen ein ganz anderes Zurückstellen der natürlichen Gefühle. Heft 8 der Burschenschaftlichen Blätter" vom Mai 1922 enthält auf Seite 12? folgendes „Streiflicht": Der jüdische Bankmann Herzseld hat eine große Stiftung („Deutsche Studentenhilfe sHugo Herzfeld-Stiftungj") für minderbemittelte Studenten gemacht. Im „Kuratorium" der Stiftung ist die „Deutsche Studentenschaft" durch die „Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft e. V." und diese wieder durch den Herrn Schwabach vertreten. Es gehen üble Gerüchte über diese Stiftung um. So lesen wir in der Hochschulbeilage der „Deutsch. Tagesztg." vom 8. Ostermond (April): „Die Juden Herzfeld und Marburg haben Riesenstiftungen gemacht, um minderbemittelten Studenten eine Daseinsmöglichkeit zu geben. Bedingung i st, daß die U n t e r st ü tz t e n nicht dem „H o ch s ch u l r i n g deutscher Art an gehöre n." Das ist natürlich eine so grobe Entstellung der Absichten der jüdischen Spender, daß sich eine Berichtigung darauf gar nicht lohnt, wird sich Herr Schwabach denken. Denn er hat bis heute keine Berichtigung zu den Ausführungen der „Deutschen Tageszeitung" erlassen, der gleiche Herr Schwabach, der auf dem Erlanger Studententag für die „Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft" gegen die alte Göttinger Verfassung Stellung nahm. Ich weiß nicht, ob wirklich an die Hugo Herzfeldstiftung diese Bedingung geknüpft ist, und ich habe Gründe es stark zu bezweifeln. Wenn dem aber so wäre, was wollen dann die „Burschenschaftlichen Blätter"? Wollen sie mit aller Gewalt das jüdische Geld für die Antisemiten retten? Halten es vielleicht die Helden, die „farbige und jüdische Weiber" nicht heiraten dürfen, für angebracht und würdig, sich durch „Judengeld" unterstützen zu lassen? Der Jude Herzfeld hat durch seine aufbauende Stiftung bewiesen, daß er ein besserer Deutscher ist als die ganze Schar der Zwietracht säenden deutschvölkischen Antisemiten. Sollte er von den Wohltaten der Stiftung jene ausgeschlossen haben, die ihn und seinesgleichen, deren Frauen mib Töchter besudeln und sie entrechten wollen, so wäre das ein begreiflicher, ja selbstverständlicher Akt der Selbstachtung und der Wahrung der Ehre. Ich mache den „Burschenschaftlichen Blättern" einen Vorschlag. Sie mögen einen Deutschvölkischen schleunigst veranlassen, eine ähnliche Stiftung mit gleichem Kapitale zu schaffen und zu bestimmen, daß nur Mitglieder des Hochschulringes deutscher Art in den Genuß ihrer Wohltaten treten dürfen. Dann ist der Ausgleich da! Hoffentlich kann ich bereits in der nächsten Nummer von der Errichtung dieser Stiftung Mitteilung machen. Geschäststüchtigkeit ist nach den Deklamationen der Deutschvölkischen ein Zeichen jüdischen Materialismus. Aber man kann auch anders! Welches Geschrei würde man bei den Hütern der germanischen Ideale erhoben haben, wenn etwa der jüdische K. C. ein wirtschaftliches Unternehmen zur materiellen Festigung seiner Grundlagen gründen wollte! Wir lesen schon im Geiste die Äußerungen moralischer Entrüstung über dieVerquickung von Geschäft undAkademikerideaiismns. Diesen neuen Weg beschritten zu haben, ist —demHohen Kösener S. C. Vorbehalten geblieben, der in der „Deutschen Korpszeitung"