KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Hochschulen. Die Behauptung des Grenzlandamtes des Deutschen Hochschulrings stellt sich somit.als unrichtig heraus. Da die amtlichen Besuchsziffern der Wiener Universität erst vor kurzem dem Hochschulring amtlich zur Kenntnis gegeben worden sind, erscheint die Frage berechtigt, ob das Grenzlandamt des Deutschen Hochschulringes eine bewußte 'Irreführung der Öffentlichkeit beabsichtigt, oder ob es sich nicht die Mühe gegeben hat, vor Verbreitung einer solchen Notiz die Unterlagen genauer zu Prüfen, die ihm selbst zur Verfügung stehen müssen. Der Deutsche Hochschulring, dessen Wahrheitsliebe die „Akademischen Stimmen" so glänzend gekennzeichnet haben, spielt überhaupt in dem Verfassungsstreit eine etwas merkwürdige Rolle, mit der man sich etwas näher befassen sollte.. Hier zunächst einmal die Tatsachen (nach der eben erwähnten Zeitung): Man wird sich erinnern, daß die Göttinger Notverfassung vom 18. Januar 1922 ein Vertrag ist, der von Herrn Hüter im Namen des Deutschen Hochschulringes und von Herrn B e r g - sträßer im Namen der mittleren und der linken Gruppe abgeschlossen wurde. Dieser Vertrag ist jetzt vom Deutschen Hochschulring aufgehoben worden. Man höre und staune: Der Deutsche H o ch s ch u l r i u g hatte in Göttingen schriftlich die Verpflichtung auf sich genommen, für die Durchführung der Verjßfiinig einzutreten. Das m achte er aui 'Weise: er berief einen Bertretertag nach Hannover. Der Führerausschuß des Deutschen Hochschulrings hielt Reden. Der Erfolg war, daß sich zunächst einmal die Ortsgruppen des Hochschulrings in Berlin und Hannover weigerten, und zwar ganz entschieden weigerten, die. Notverfassung anzuerkennen. Es wäre nun die selbstverständliche Pflicht des Hochschulrings gewesen, die widerspenstigen Ortsgruppen, die ihn an der Erfüllung einer feierlich übernonrmenen Verpflichtung zu hindern versuchten, aus dem Hochschulring auszustoßen. Das geschah aber nicht. Zwar verkündigte der Führcrausschuß in einer Pressenotiz, Berlin und Hannover seien ausgeschieden, fügte aber gleich hinzu, an dem inneren Verhältnis würde durch dieses Ausscheiden nichts geändert. Wir müssen gestehen, daß wir uns die Erfüllung eines gegebenen Wortes unter Ehrenmännern etwas anders vorstellen. Aber es kommt noch schöner: Während Herr Hüter sich anscheinend nach Kräften bemühte, seine Pflicht zu tun, und mit der Vollmacht des Führerausschusses in der Tasche die „Friedensverhandlungen" mit den gegnerischen Gruppen und auch mit der Wirtschaftshilfe in Dresden führte, dementierte der Führerausschuß des Hochschulrings fröhlich und unbekümmert Hüters Vollmacht. Doch das Schönste kommt noch. Da der Deutsche Hochschulring die ehrlichen Versuche seiner gemäßigten Unterhändler planmäßig sabotierte, bekamen in den Einzelstudentenschaften die radikalen Leute wieder Mut und Oberwasser. Erst fing Bayern an, dann kamen die Brüder in Österreich, die „Arischen", denen der Friede in der reichsdeutschen Studentenschaft schon zu lange gedauert hatte, die Berliner, die Hannoveraner, * die Kieler, Breslauer, Königsberger — wer zählt die Völker, kennt die Namen! Die einen wollten keine Juden in der Studentenschaft, denn sie sei „national" (Großer Beifall!), die anderen wollten der Studentenschaft durchaus politische Aufgaben belassen (es ist doch so schön, wenn der Ausschuß der Studentenschaft an „nationalen Festtagen", als da sind Ludendorffs Geburtstag oder so etwa, irgendwo hin telegraphieren oder gelegentlich der Entscheidung über Oberschlesien törichte „flammende Proteste" an alle Kulturnationen der Welt schicken oder gegen die Entsendung Dr. Rathenaus, des Juden, nach 'Genua protestieren kann), wieder andere waren an sich zwar einverstanden, waren aber darüber erbost, daß sie selbst in Göttingen nicht mitgewirkt hatten. Die Mitglieder des Vorstandes der Deutschen Studentenschaft begaben sich auf Reisen. Ich glaube, es gibt keinen Kreis, den Herr Holzwarth, der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft, nicht beschworen hat, doch endlich Vernunft anzunehmen. Umsonst: überall die Entgegnung, daß man die sofortige Einberufung eines außerordentlichen Studententages verlangt. Herr Holzwarth wies darauf hin, daß vier Studententage vergeblich getagt hätten: warum eine halbe Million (!) Mark verschwenden? Tut nichts! Die Ortsgruppen des Hochschulrings hatten sich auf ihre „Macht", d. h. ihre zahlenmäßige Überlegenheit, besonnen. Es wäre zwar richtig, daß die anderen bessere Köpfe seien, aber, zum Donnerwetter, auf Studententagen ginge es doch nicht nach Köpfen, sondern nach Stimmen! Also! Es ging nicht anders, man mußte den Kindern den Willen tun. Aber nun. kommt: Nachdem der Deutsche Hochschulring durch seine Ortsgruppen die Einberufung eines außerordentlichen Studententages durchgesetzt hatte, erklärte er mit großer Würde, der Vor st and der Deutschen Studentenschaft sei 'vertragsbrüchig geworden, nach Paragraph soundso der Notverfassung dürfe vor 1925 kein Stüde n t e n t a g e i n b e r u f e n werden: er, der Hochschulring, träte daher vom Vertrag zurück. Alle Achtung! Die Franzosen in Genua waren diplomatische Jammerlappen gegen diese Herren! d) Aus völkischen Verbänden. Ein kräftiges Wort, das der katholische frühere Reichskanzler Fehrenbach auf dem Zentrumsparteitage in Berlin sprach, verdient der Vergessenheit entrissen zu werden. Es lautet: „Der „Hochschulring deutscher Art", der sich jetzt aufgetan hat, verbrämt seine Ziele mit allen möglichen völkischen Redensarten. Wenn ich das Wort „völkisch" höre, dann wird es mir schon ein bißchen bunt. Der Zweck ist aber eiu rein politischer, er ist gerichtet gegen die Sozialdemokratie und gegen die Jude n. Wir, die Zusammenarbeiten, Zusammenarbeiten müssen mit der Sozialdemokratie, fönneH denöden Antisemitismus und das blöde Ariertum nicht ^^1^. Ich verstehe nicht recht, wie gerade im Rheinland und Westfalen diese begeisterte Schwärmerei für die alten Verhältnisse sich so betätigen kann. Ich erinnere mich ganz dunkel, daß man früher davon geredet hat, nicht bloß, daß unsere Studenten keine Förderung erfahren haben, sondern davon, daß unsere ganzen Bestrebungen durch ein ganzes Jahrhundert hindurch unterdrückt worden sind." Daß man in Zentrumskreisen etwas verschnupft ist, mag verständlich sein. Behauptet doch die Zentrumspresse, daß auch jener anonyme Brief eines Deutschvölkischen an die „Freiburger Tagespost", der im Freiburger Hochschulstreite (Below- Kantorowicz) eine Rolle spielte, aus den Kreisen des Hochschulringes deutscher Art stamme. Als klassisches Zeugnis der Gesinnung unserer Überarier sei er hier abgedruckt: