KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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30 vollen Ganzen hat „Rescht weg" trinken lassen, kam natürlich mit, und als er einmal bei einer Partie einen Durchzieher mit 2 Nadeln abbekam, durste er abends auf der Mensurkneipe bei dem Vers „für die, die gefochten haben", mitsingen. Während des Krieges war die Ghibellinia ruhmvoll verwaist, aber gleich danach wurde der alte Korporationsbetrieb in vollem Umfang wieder ausgenommen. Trotz veränderter Zeitumstände hat die Verbindung auch nach dem Kriege ihre Aufgabe erfüllt, mit der Kraft des Armes und des Geistes dem Judenhaß entgegenzutreten und in den Mitgliedern das Bewußtsein wachzuhalten, daß sie auf einem vorgeschobenen Posten des deutschen Judentums stehen. In diesem Geiste begehen wir auch unfern 25. Gründungstag, nicht als rauschende Freudenfeier, nicht als ausgelassenes Fest, aber in würdigem Gedenken unserer Vergangenheit, voll Dank an alle die, die als Vorkämpfer unserer akademischen Freiheit die Gasse gebahnt, und in dem stolzen und erhebenden Bewußtsein, einer großen Idee zu dienen, deren Anerkennung die Voraussetzung bildet für den Wiederaufstieg unseres Vaterlandes, der Idee der Gerechtigkeit! Wenn jeder Ghibelline, mag er in Freiburg die schwarz-weiß-blauen Farben tragen oder längst als Alter Herr im grauen Philisterium stehen, sich auch fernerhin der hohen Verpflichtung bewußt bleibt, für sein Deutschtum und sein Judentum zu jeder Zeit und in jeder Weise einzutreten mit der rückhaltlosen Hingabe der ganzen Persönlichkeit, dann dürfen wir hoffen die Mächte des Hasses und der Verleumdung zu überwinden, dann werden wir stärker sein als alle Gegner von rechts und links, und „dann wird einst", wie es in unserm Trutzliede heißt, ..der Sieg nicht fehlen, Ringen wir auch lang und schwer. Unser Bund sei uns ein Mahner, Jeder tue seine Pflicht Und das schwarz-weiß-blaue Banner Führe uns „„durch Nacht zum Licht""!" Einen besonderen Glückwunsch entbietet der Ghibellinia auch die Redaktion der K. C.-Blätter. In der Chronik der Verbindung ist zu lesen, daß sie „K. C.- Blatt-Mutter" sei, und tatsächlich soll von ihr — wie man mir schreibt — der Antrag auf Gründung der Verbandszeitschrift gestellt worden sein, deren erste Nummer vor nunmehr 12 Jahren am 1. Oktober 1910 erschien. Der in ihr veröffentlichte Artikel von Mainzer („Zur Vorgeschichte der K. C.-Blätter") kündet davon freilich nichts. Immerhin gebührt der Ghibellinia für jeden Fall der Ruhm, daß ihr der erste Redakteur vr. E r n st H o ch sch i l d angehörte, der für den ersten Jahrgang verantwortlich zeichnete. F. G. Speer, Sport, Spiel. Von vr. S o l o n (Sprev.) Der Speer ist das überlieferte Sinnbild der Mannesehre des deutschen Waffenstudenten. Wer auf die Klinge den Burscheneid ablegt, schwört, seine und seiner Farben Ehre nie zu entweihen, und der Abglanz des nie entweihten Schlägers leuchtet ihm bis zum Ende seiner Tage und weist ihm durch die Jrrtümer und Fährnisse des Lebens stets wieder den rechten Weg. Beim Landesvater legt der Chargierte den „blanken Weihedegen" über Haupt und Couleur des Bundesbruders und sichert ihm so unter festlicher Verbrüderung den Schutz und die Freundestreue aller Bundesangehörigen zu: „Ein Hundsfott, wer ihn schimpfen soll!" Jung und Alt haben sich dem Zauber dieser Symbole immer willig ergeben; man kann ihn daher nicht ohne weiteres als alten Plunder abtun. Und nirgends besser als auf dem Boden der Romantik blüht der Idealismus und die Begeisterung, die fü'' unsere Bewegung lebensnotwendig sind. Der Nüchternheit würde die Resignation rasch folgen. Doch wir schätzen den Speer nicht nur als Symbol, sondern auch als handfestes Erziehungsmittel. Nicht, daß ausnahmslos alle, die auf Mensur ihren Mann stehen, damit den unwiderleglichen Nachweis geführt hätten, sie seien vorbildliche Charaktere! Aber für jeden ist die Schlägermensur, ein ausgezeichnetes Mittel, den Willen zu st ä h l e n, das Selbstvertrauen und damit das Selbstbewußtsein zu stärken. Darin ist sie dem Sport nach zwei Richtungen überlegen. Erstens beansprucht sie ein höheres Maß an Entschlossenheit und Nervenstärke; denn der Kampf, Auge in Auge mit dem Gegner, bleibt immer etwas Härteres als der Wettkampf mit dem Kameraden. Sodann aber stellt die Mensur — während der Sport erfahrungsgemäß Höchstleistungen nur bei wenigen Auserlesenen mit sich bringt — alle ohne Unterschied auf die Probe, den Starken und den Schwachen, den Gewandten und den Ungeschickten, den geübten Fechter und den Fuchsen. „Gut stehen" kann jeder,, der sich in strenger Zucht zu halten weiß. Für die Säbelpartie ist die Schlägermensur als Vorstufe unentbehrlich. Säbelmensuren sind jetzt seltener als früher, da sich die meisten der antisemitischen Gegner der Austragung von Ehrenhändeln auf schwere Waffen zu entziehen wünschen. Gleichwohl können wir damit' rechnen, daß die Grundsätze der Honorigkeit allmählich wieder Geltung erlangen. Wir müssen daher für die Aufrechterhaltung des Mensurbetriebes, wie er Verbindungen mit unbedingter Satisfaktion ohnehin geziemt, stets besorgt sein. Der einzelne wie die Verbindung als Ganzes dürfen dem Mensurgedanken nicht — wie es unseren Gegnern am liebsten wäre — entfremdet werden, und vor allem müssen unsere Korporationen zu jeder Zeit über ein reichliches, wohlerfahrenes Mensur- Personal verfügen. Durch den Sport erzielen wir Kraft und Geschmeidigkeit des Körpers und bei ernsthaftem Betrieb auch eine Förderung der Entschlußkraft. Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß man hiernach auch das Schlägerfechten auf blanke Waffe als Sport ansprechen könnte. Es sind mehr graduelle als qualitative Unterschiede zwischen beiden. Nach außenhin kann der Verband durch gute sportliche Leistungen in weiteren Kreisen Achtung erringen als durch Schlägermensuren; was oben über das Fechten als Erziehungsmittel gesagt ist, steht auf einem anderen Brett. Noch flüssiger sind die Grenzen zwischen Sport und Spiel. Das Spiel dient im gewollten Gegensatz zum Ernst des Lebens und seinen Pflichten zu unserer Unterhaltung und Erheiterung, zum Vergnügen. Aber man kann sich vorstellen, daß etwa ein Tennisspieler, der tagtäglich morgens von sechs bis acht Uhr fleißig trainiert, sportlich mehr tut als ein Gelegenheitsruderer oder Familienhadschwimmer. Im allgemeinen wird es ja umgekehrt sein. Biele, die zum ernstlichen Sport zu — sagen wir — phlegmatisch sind, werden sich und anderen weißzumachen suchen, daß Spielen, Tanzen und Spazierengehen ausgezeichnete ..Mittel für die körperliche Ertüchtigung seien. Immerhin: Speer, Sport und Spiel — allen dreien soll im K. C. je nach ihrer Bedeutung für unsere Aufgaben ihr Recht werden — dem Notwendigen, dem Nützlichen und dem Angenehmen.