KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 24 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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es fei doch jedem unbenommen, zu gehen, wre er wolle. Vor allem aber bedeute es eine Provokation von seiten der Silesen, von den Neo-Germanen überhaupt zu fordern, aufzurücken, da doch die Silesen nicht Festordner gewesen wären. An diesem Jdeengang hielt er auch in dem darauf folgenden Senatsverfahren gegen Elkeles fest, das mit dem vousiliurn abeundi und Verlust eines Semesters endete. Auch bei dieser Gelegenheit betonte er immer wieder, daß sich nur die Herren der Gegenseite korrekt benommen hätten und gar nicht abzusehen wäre, was aus der Sache entstanden wäre, wenn die Neo-Germanen wiedergeschlagen hätten. Besorrders interessant für die Art des Vorgehens gegen 'uns war auch die Mitteilung Wollenbergs, daß die Anzeige bei dem Rektor nicht allein durch die Neo-Germanen, sondern auch durch den Ausschuß der Studentenschaft erstattet worden war, demauch ein Spreve angehört. Dieser war natürlich von dem Vorgehen nicht benachrichtigt und wandte sich darauf an den Vorsitzenden des Ausschusses mit der Bitte uni Aufklärung, auf Grund welches Rechtes überhaupt der A. D. St. dazu käme, einen Antrag auf Suspension einer Verbindung und Relegation eines Studenten zu stellen, vor allem jedoch, nachdem er nur den Bericht einer Partei zur Kenntnis genommen hatte. Die Antwort des Herren lautete: Der Bericht des Geohrfeigten sei ehrenwörtlich; man pflege nicht Ehrenwort gegen Ehrenwort zu setzen; im übrigen sei die Sache nun einmal geschehen. Einige Zeit nach Abschluß des Verfahrens gegen Elkeles erhielten wir vom Rektor eine Anfrage, wie sich die Verbirchung als solche zur Angelegenheit Elkeles stelle und ob dieser noch unser Bnndesbruüer sei. Wir antworteten hierauf lediglich, daß wir nicht in der Lage seien, das Verhalten des Elkeles zu mißbilligen, da er in Abwehr eines beleidigenden Angriffs gegen seine Verbindung gehandelt habe. T i c Antwort hierauf war das Verbot der Verbindung! In der ganzen Angelegenheit zeigte sich, daß die Universitätsbehörden einen vollständigen Mangel an Verständnis für die besondere Lage, in welcher sich heute die K- C.-Verbindungen befinden, an den Tag legten. Sie verkennen völlig die Schwierigkeiten, die darin liegen, daß uns einerseits jede Satisfaktion verweigert wird, andererseits diese gleichen antisemitischen Helden glauben, uns immer wieder ungestraft schwerste Kränkungen antun zu können. Innerhalb des K. E. gehörte die Silesia der Richtung an, die ein besonderes praktisches Interesse der sportlichen Betätigung entgegenüringt. Es war im letzten Sommer telungen, die Verbindung durch Weglassung von -neipen und allem sicheren, was das Sporttraining beeinträchtigte, so umzustellen, daß die sportliche Betätigung im Vordergrund stand. Ten Erfolg zeigte das Breslauer Sportfest, auf dem die Silesia die Mehrheit der ersten Preise, sowie eine große Anzahl weiterer Preise erringen konnte und bei den Teilnehmern der FesÜichkeiten in Breslau in jeder Hinsicht einen derart ausgezeichneten Eindruck hinterließ, daß dies wohl.manchen unentwegten Fechtanhänger zu Einkehr und Umkehr veranlaßt haben mag. Es lieat ein merkwürdiges Schicksal darin, daß gerade in Breslau, der Hauptstadt unserer Patenprovinz, die größten Erfolge unserer Verbindung während ihres kurzen Bestehens errungen worden sind, und diese Erfolge erhielten wir gerade in den Tagen, in denen ein großer Teil dieser Provinz gegen Recht und Vertrag unserem Vaterlande entrissen wurde, was wir bei der Wahl des Namens auf dem Gründungskonvent leider schon befürchten mußten. Daß die Silesen sämtlich dem K. C. erhalten bleiben. ist selbstverständlich; in welcher Form kann in dem Augenblick, in dem die Verhandlungen darüber schweben, noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Es soll jedoch an dieser Stelle die Hoffnung ausgesprochen werden, daß in Berlin oder einem anderen Ort wieder eine Silesia entstehen möge, die treu den Wahlspruch im Wappen führen wird, den wir Silesen seiner Zeit mit freudig erteilter Genehmigung des A. H. V- Viadrina, vielleicht in einer gewissen Vorahnung, gewählt haben: „Nemo me impune lacessit.“ 0. G. Im Anschluß an diese Darstellung veröffentlichen wir das Schreiben, das das Verbot der Silesia anzeigte, als historisches Dokument. Nur einen Satz wollen wir hinzufügen: Seit der Freiburger Ausschreitung weiß in Deutschland jedes Kind, daß beim Chargieren das Abstand n e h m e n hinter K- C. - V e r b i n d u n g e n ein Ausdruck antisemitischer Gesinnung ist. Nur der Rektor und der Richter der Berliner Universität wissen nichts davom Auch ihnen hätte doch wohl auffallen müssen, daß andere Verbände diesen Abstand nicht nehmen. Nur der Verband tat es, überdies ein als scharf rassenantisemitisch bekannter, der hinter den Anden marschiert!! Es passieren doch noch komische Zufälligkeiten. Wir werden später auf die Dinge noch zurückkommen. F. G. Friedrich-Wilhelms-Universität. J.-Nr. 4.22U Berlin 6 2, den 10. März 1922 Kaiser Franz Joseph-Platz. Auf den Bericht der Verbindung über die Vorgänge am 18. Januar d. Js. und das übrigens im ungehörigen Ton abgefaßte Schreiben vom 1. März d. Js. eröffnen wir der Silesia folgendes: Die von dem Studierenden E l k e l e s am 18. Januar d. Js. verübte Ausschreitung, die vom akademischen Senat inzwischen mit der Strafe der Entfernung von der Universität geahndet ist, wird durch die Ausführungen des Berichts in keiner Weise gerechtfertigt oder auch nur erklärt. Ob der Abstand der Verbände 3—4 oder 1—2 m betrug, war für die Öffentlichkeit belanglos; in der Öffentlichkeit erschien die nach der Auffassung der Silesia von der Neo-Germania in beleidigender Absicht vergrößerte Abstandnahme durchaus nicht a l s B e l e i d i g u n g; sie ist sicherlich von niemand als solche wahrgenommen. Deshalb war auch das Vorgehen des stuck. Elkeles in keiner Weise notwendig, um sich für eine etwa öffentlich empfangene Kränkung auch öffentlich Genugtuung zu verschaffen. Es war vielmehr Sache der Silesia, die Angelegenheit später zum Austrag zu bringen; zur Selbsthilfe hatte stuck. Elkeles keinerlei Recht oder Anlaß. Der Bericht, der in völliger Umstellung des Sachverhaltes und des Verschuldens der Beteiligten und liodj dazu in ungehörigem Ton unter Himveis auf mögliche Presseveröffentlichungen die Bestrafung der Neo-Germania fordert, läßt erkennen, daß, wie auch das Eintreten des ersten Chargierten gelegentlich des Angriffs von Elkeles auf Wolfs bezeugt, die Silesia sich mit dem Verhalten ihres Mitgliedes identifiziert. Es bedarf keiner Ausführung/daß Ausschreitungen solcher Art, noch dazu auf belebtester Straße und gelegentlich einer allgemeinen Universitätsfeier nicht blotz die Studentenschaft arg bloßstellen, sondern auch die akademische Disziplin in besonderem Maße gefährden. Wenn es diesmal nickt zu einer allgemeinen Schlägerei gekommen ist, so ist dies lediglich der Ruhe und Besonnenheitdes Angegriffenen zuzuschreiben.