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KC-Blätter · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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12 den Ämtern für Leibesübungen ausgestellt. Sie enthalten als Einleitung einige beherzigenswerte kernige Worte, warum und wie jeder Student Leibesübungen treiben soll. Dann sind die auf dem Göttinger Studententag angenommenen „Leitsätze zur Pflege der Leibesübungen" und die „Allgemeinen Prüfungsbestimmungen" zum Abdruck gelangt, wie sie vorläufig zur Ausführung gelangen sollten. Es folgen die Prüfungseintragungen selbst. Diese sind in ihrer Anlage ähnlich denen für das deutsche Turn- und Sportabzeichen angelegt, nur wesentlich gemildert, damit jedem Studenten die Durchführung ohne technisches Können ermöglicht wird. Gruppe I: Schwinunen 300 Meter, in beliebiger Zeit bei stromlosem Wasser. Bei fließendem Wasser: Mindestschwimmzeit 10 Minuten. Gruppe II: Laufen 100 Meter 14,4 Sek., 400 Meter 75 Sek., 1500 Meter 6 Min. . Gruppe III: Hochsprung ohne Brett 1,20 Meter, Weitsprung ohne Brett 4,00 Meter. Pferdsprung (Grätsche'» über das 1,10 Meter hohe, langgestellte Pferd mit Brett. Gruppe IV: Diskuswerfen 18 Meter, Speerwerfen 22 Meter, Kugelstoßen 7 7* Kilogramm 7 Meter. Steinstoßen V* Ztr. beidarmig zusammen 7 Meter, Schwimmen 100 Meter 2 Minuten, Reckturnen, Barrenturnen. Gruppe V: Laufen 5000 Meter 25 Minuten, Radfahren 60 Kilometer 4 Std., Rudern 30 Kilometer 6 Std., Schwimmen 1000 Meter ohne Zeitbeschränkung, Schneeschuhlaufen, Gepäckmarsch 25 Kilometer mit 25 Kilogramm Belastung 6 Stunden. Anschließend ist ein Raum für ärztliche Untersuchungen, zu statistischen Zwecken und eventuell Befreiung und die Bescheinigung der erfolgreichen Ablegung der Prüfungen gelassen. Das Leistungsbuch schließt mit einem Auszug aus den Bestimmungen für den Zweck des deutschen Turn- und Sportabzeichens. Durch die Nebeneinanderstellung der Bedingungen ist es jedem Studenten ermöglicht, an der Hand seiner Leistungen festzustellen, ob er den Bedingungen für das deutsche Turn- und Sportabzeichen genügt oder in welchen Punkten er sich verbessern muß. Das Buch kommt mit einer Leistungskarte in Gebrauch. Während das Leistungsbuch dem jungen Studenten — an einigen Hochschulen durch den Rektor bei der feierlichen Immatrikulation — ausgehändigt wird, bleibt die Karte auch nach den Prüfungen zu statistischen und Revisionszwecken in den Händen des Amtes für Leibesübungen. K IS bucker- und vIStterscdau. IS IS Bom national-deutschen Juden. vr. Max Naumann gibt bei der Deutschen Berlagsgesellschaft fiir Politik und Geschichte m-b. H. in Berlin W8 eine Broschürenreihe heraus unter dem Titel: Der nationaldeutsche Jude in der deutschen Umwelt, Beiträge zur Klärung der deutschen Judenfrage. Erschienen sind das erste und zweite Sonderheft: „Bom mosaischen und nichtmosäischen Inden", und „Bon Zionisten und Jüdischnatioualen". Immer llarer zeichnen sich in dieiem Bändchen die Quellen der Naumannschen Geistesrichtung ab. Mag er es auch mit seinen Beteuerungen ganz ehrlich meinen, daß er keiner politischen Partei dienen wolle, das Deutschtum, das er predigt, ist doch lediglich Produkt der d e u t s ch n a t i o n a l e n, völkisch-reaktionären Anschauung, und daß auch jene Mehrheit des deutschen Volkes, die sich zum Zentrum oder zur Sozialdemokratie bekennt, für die Gestaltung des Begriffes „deutsch" eine Bedeutung habe, läßt er nicht gelten. Armer Goethe! Müßte er sich dem kritischen Blicke Naumanns Stellen, er hätte das Recht auf sein Deutschtum schon verloren! Naumann starrt wie fasziniert auf dos von den deutschvölkischen Antisemiten konstruierte Zerrbild des deutschen Gedankens und zieht mit recht unangenehm tvirkender Gesinnungsriecherei alle Juden vor seinen Richterthron; hinter ihren Anssagen wittert er lediglich Selbstbetrug und auf Grund seines unfehlbaren Maßstabs teilt er sie ein in weiße, reine Nationaldeutsche, in pechkohlrabenschwarze Nationaljuden und in innerlich schwarze, aber äußerlich Heller schimmernde Zwischenschichtler. Alle seine Veröffentlichungen variieren bis zum Überdruß dieses eine Thema und bedeuten ein ebenso flehentliches wie — so hat es sich bisher herausgestellt — vergebliches Winseln um die Gunst der Judenfeinde. Naumanns Überzeugung und Ehrlichkeit in allen Ehren, bisher hat seine Bewegung lediglich der Judenheit in ihrer Gesamtheit durch ihren denunziatorischen Charakter Wunden geschlagen, ohne selbst den wenigen Anhängern auch nur ini geringsten zu initzen. In seinem Buche vorn mosaischen und nichtmosaischen Juden gesellt sich ein weiteres erschreckliches Moment hinzu. Naumann redet von religiösen Dingen mit einem Rationalismus und einer Unwissenheit, daß man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Naumann fehlt jedes Verständnis für die Bedeutung historischer Symbole, für den Wert des äußeren Brauches in der Religion, und ich wette, daß er den Katholizismus, zu dem ja immerhin fast die Hälfte des deutschen Volkes sich bekennt, genau so schief auffaßt, wie das Judentum- Jüdische Religion faßt er in ihrer historischen Gestalt als ein Produkt des jüdischen Stammesgefühls auf, das zu dem deutschen Heimatsgefühle in einem Widerspruch steht, und er hat nicht erfaßt, warum gerade aus dem religiösen Lager der tiefste Widerstand gegen den jüdischen Nationalismus erwuchs, wie gerade die sin jüdischen Glauben am tiefsten wurzelnden Menschen durch ihre innere Sicherheit und Ausgeglichenheit ani festesten auf deutschem Boden stehen. Es muß an anderer Stelle, die sich besser dazu eignet, ausführlich aus die Anschauungen Naumanns von der Religion eingegangen werden. Hier sei nur festgestellt, daß seine Forderungen die jüdische Religion vernichten müssen, und da positives Judentum nur religiös ist — alles andere, ob es national oder sonstwie sich nennt, ist lediglich relativ —, so würde eine Ausbreitung seiner Ideen den Untergang alles'Judentums bedeuten! Und das scheint Naumann ftir eine große Kulturtat anzusehen. Was instinktiv empfunden wurde, was die Unterschriften unter dem nationaldeutschen Aufruf praktisch zeigten, das.beweist Naumanns Buch theoretisch, daß nämlich seine Gründung mit jedem positiven religiösen Judentum in einem unüberbrückbaren Widerspruch steht. Seine Partei ist die der „Nochjuden", -die nicht fliehen können oder sich von der Flucht wenig Erfolg versprechen. Das Büchlein über den Zionismus schildert — und das ist sein bestes Stück — die Schwierigkeiten einer jüdischen autonomen Heimstätte, und hier wird er auch die Zustimmung aller finden, die in der Heimstätte lediglich das humanitäre Werk sehen. In seiner

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