KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Bewußtsein der Erwählung jene zwei Grundelemente der jüdischen Frömmigkeit in uns hineintrinken, bis sie zum unverlierbaren Bestandteil unserer Seele werden, kommen sie zu uns als sicherer Besitz auch für die Erweckung und Ausbildung unserer persönlichen Frömmigkeit. Und das ist die letzte und tiefste unzerstörbare Fernwirkung des Bewußtseins der Erwählung. Denn darauf kommt es ja schließlich an, daß Juden erwachsen, die in allem ihrem Tun jene wahrhafte Frömmigkeit bewahren, die sich mischt aus der Demut des Bewußtseins, sein Schicksal aus Gottes Hand zu empfangen, und dem Stolz der selbstschaffenden, schöpferischen, Aufgaben sich setzenden und Aufgaben lösenden Persönlichkeit. Das ist jüdische Frömmigkeit, und indem das Bewußtsein der Erwählung sie in uns reifen läßt, gibt sie uns, wonach wir uns sehnen, das Quellende und Freudige und die Sicherheit des Jndeseins. Akademische und allgemeine Nachrichten. Deutsche StudeuteuhUfe. Zur Förderung des Studiums begabter Söhne minderbemittelter Eltern hat der Bankier Hugo I. Herzfeld in Berlin dem Reichspräsidenten Ebert einen Betrag von zunächst 5 Millionen Mark mit der Zusicherung zur Verfügung gestellt, auch in den kommenden Jahren weitere größere Summen zu demselben Zweck zu übertveifen. Der Reichspräsident hat diese Stiftung gern entgegengenommen und bestimmt, daß die überwiesenen und künftig noch eingehenden Beträge unter dem Namen „Deutsche Studentenhilfe" (Hugo I- Herzfeld-Stiftung) dazu verwandt werden sollen, begabten Söhnen minderbemittelter Reichsdeutscher Eltern aus allen Teilen Deutschlands, spez. solchen von Arbeitern, Angestellten, Beamten, früheren nnd jetzigen Unteroffizieren und Offizieren ohne Unterschied der Konfession und Partei das Studium an deutschen Hochschulen zu ermöglichen. Zur Verwaltung und Beaufsichtigung der Stiftung wird der Reichspräsident ein Kuratorium berufen, das unter seinem Vorsitz im allgemeinen und im einzelnen über die Verwendung der Summen Entscheidung treffen wird. Die Zusamsetzung des Kuratoriums, die Bedingungen für die Bewerbung und die Stelle, wohin Bewerbungen zu richten sind, werden demnächst besonders bekanntgegeben. Allgemeiner Deutscher Burschend und. Der Mitbegründer des A. D. B. Univ.-Prof. Dr. Eugen Wolfs hat seinen Austritt aus dem A. D. B. wegen der Beschlüsse des letzten Bundestages des AD. B. erklärt, welche die Aufnahme von Semiten ablehnten. Wolfs ist jüdischer Abstammung. Die Reifezeugnisse der Studierenden an de« Universitäten im Sommersemester 1921. Nach Mitteilungen des Akademischen Auskunftsamtes waren im Sommersemester 1921 an den preußischen Universitäten 37 343 deutsche Studierende voll immatrikuliert. Bon diesen hatten 21626 das Reifezeugnis eines Gymnasiums, 15 717 das einer Realanstalt (9375 eines Realgymnasiums, 6342 einer Oberrealschule). Die entsprechenden Zahlen für das Sommersemester 1920 tvaren: 42065 (25009 Gymnasiasten, 17 056 Schüler von Realanstalten). An allen deutschen Universitäten betrug die Zahl der voll Immatrikulierten 73 636; von ihnen waren 41946 Gymnasiasten, 31690 Absolventen von Realanstalten, und zwar 18 692 Realgymnasiasten, 12 998 Oberrealschüler (1920: 75179, und zwar 44176 Gymnasiasten, 31 003 Schüler von Realanstalten). Wie sich hieraus ergibt, ist der Anteil des Gymnasiums immer noch überwiegend, urw zwar ist dies in allen Fakultäten der Fall, außer in der philosophischen, wo besonders in der neueren Philologie, Mathematik und Naturwissenschaft die Realanstalten die meisten Studierenden stellen. Der Vergleich gegen die früheren Jahre zeigt, daß in der Entwicklung, die mit der Gleichstellung der Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen im Jahre 1900 begann, die Ziffern der Realanstalten auf Kosten der Gymnasien in ständigem Wachsen begriffen find. Der Prozentsatz der Gymnasiasten an den deutschen Universitäten ging von 63 im Jahre 1918 auf rund 57 im letzten Sommersemester zurück: bei den im ersten Semester Stehenden beträgt der Anteil der Gymnasien nur noch 53,7 Prozent. Des weiteren lehrt die Statistik, daß im Sommersemester 1921 auf Grund eines Reifezeugnisses 1543 Studierende weniger immatrikuliert waren) als im Sommersemester 1920. Den Hauptrückgang haben die Mediziner aufzuweisen, die um rund 2600 gegen das Vorjahr zurückblieben. Dagegen nahmen die rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultäten um rund 2200 zu. In der philosophischen Fakultät ist die Verminderung hauptsächlich auf Kosten der klassischen Philologen und Germanisten erfolgt. Den gleichen Entwicklungsgang zeigt auch das Studium der ersten Semester. Von den. 9200 Abiturienten, die inl Sommersemester ihr Studium begannen, wandten sich nur rund 10 Prozent der Medizin zu, während im Sommersemester 1920 der Prozentsatz lwch das Doppelte betrug. Bemerkenswert ist auch hier die starke Zunahme der Studierenden in den rechts- und staatswissenschaftlichen sowie in den Wirtschaftsnnd sozialwissenschaftlichen Fächern. Leistnugsbnch für Leibesübungen. Ein volles Jahr nach dem Göttinger Studententage 1920 ließ man die Beschlüsse, die eine pflichtmäßige Durchführung der Leibesübungen an ben Hochschulen forderten, ruhen. Nachdem man bei allen zuständigen Behörden vorstellig geworden war, blieb abzuwarten, ob diese die Durchftihrung in die Hand nehmen würden. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht, eine gesetzliche Regelung trat bis zum 4. Studententag 1921 in Erlangen nicht ein. Darum sahen sich die Vertreter der Studentenschaft genötigt, eine Teilung der Beschlüsse uird Forderungen be§ Göttinger Studententages vorzunehmen, in solche, die sofort von seiten der Studentenschaft durchgeführt werden konnten, nnd in solche, die nach wie vor nachdrücklichst als Forderung der Deutschen Studentenschaft aufrecht erhalten und vertreten werden sollten. Wenn also die Deutsche Studentenschaft nur au die sofortige Durchführung der Punkte 1—12 der Göttinger Leitsätze ging, so ist damit nicht eine Zurücknahme oder ein stillschweigendes Fallenlassen des Punktes 13, der die Abänderung der Prüfungsbestimmungen behandelt, anzunehmen. Das Amt für Leibesübungen, der Deutschen Studentenschaft legt Wert darauf, zu betonen, daß die gesetzliche Regelung in Abänderung der Prüfungsbestimmungen durch Einführung vorheriger körperlicher Leistungsprüfungen unsere unbedingteste Forderung gegenüber den Behörden bleibt. Solange jedoch diese Forderungen nicht in die Tat umgesetzt worden sind, hat der Studententag in Erlangen die Studentenschaft beauftragt, an die Durchführung der übrigen Punkte zu gehen. Zu diesem Zweck ist vom Amt für Leibesübungen der Deutschen Studentenschaft ein Leistungsbuch herausgegeben. Dieses Buch müssen alle ab Wintersemester 1921/22 erstmalig immatrikulierten Studierenden führen und die Prüfungen ablegen. Die Bücher weichen von