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KC-Blätter · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 13

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Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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13 Kritik der nationaljüdischen Gedanken steckt gleichfalls Wahrheit, auch wenn er nicht erkannt hat, daß methodisch sich das Nationaljudentum zum deutschen Nationalismus genau so verhält wie seine nationaldeutsche Bewegung zur völkischen Reaktion. Beides ist Opposition par imitation! Von dem grotesken Gedanken aber, daß die Unterstützung des Palästinaaufbaus deutschfeindlich oder wenigstens nicht mit wirklichem Deutschtum vereinbar sei, kann er nicht abkommen. Andere sind nicht nur der Ansicht, daß jeder deutsche Christ ohne Bedenken für christliche Zwecke sin Auslande sein Opfer bringt, und daß der Jude nicht in üblem Übereifer, der die innere Unsicherheit nur schlecht verbirgt, sich deutscher gebärden solle als die große Menge, sondern sie meinen auch, es liege gerade im deutschen Interesse, wenn durch den Aufbau Palästinas große Teile der in Deutschland lebenden Ostjuden eine Heimat im heiligen Lande fänden. Aber all das sicht Naumann nicht an, er wird seiner Palästinaauffassung ebenso treu bleiben, wie seinen gelynchten Negern in Nordamerika, bei deren Leiden er bekanntlich genau dasselbe empfilldet, wie wenn Juden in Rußland beim Progrom ermordet werden. Die Schriften beweisen aufs neue, daß Naumanns Bewegung sich mit Recht den Vorwürfen aussetzt, die ein führender christlicher Gewerkschaftsführer ausspricht. Von Carl Eisfeld, Hagen, ist im Verlage ,d e r Buchhandlung „Neue Freie Presse", Hagen i. Wests, eine Broschüre von nur dreißig Seiten erschienen, deren Titel lautet: jüdischer Antisemitismus und Arbeiterschaft. Weshalb ist die Gründung des Verbandes nationaldeutscher Juden würdelos, zwecklos und vor allen Dingen gefährlich?" Eisfeld geht sehr stark ins Zeug, und seine Broschüre, die jeder deutsche Jude gelesen haben sollte, läßt den Bolksführer sprechen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Er weist nach, wie würdelos der „jüdische Antisemitismus" ist, der das Judentum bloßstellt und denunziert, und er vergleicht die nationaldeutsche Bewegung mit dem jüdischen Trabanten Stöckers, der in den Versammlungen des Herrn Hofpredigers die Anschuldigungen Stöckers getreulich bestätigte und der sogar bei einer Besprechung des jüdischen Geruchs das schöne Wort prägte: „Ja, es ist wahr, dlrß alle Juden stinken. Glauben Sie's nicht? Gut, dann riechen Sie doch, wie . ich stinke!" Er zeigt, wie zwecklos sie ist, indem die Parteien der Rechten den Sirenenklängen weder heute noch später Gehör schenken werden. Bor allem aber predigt er ihre Gefährlichkeit, indem sie die Juden zu Schleppträgern der politischen Reaktion degradieren wolle, und hierdurch die Arbeiter, die heute die getreuesten Hüter der Deüwkratie und der Gerechtigkeit sind, gegen die Juden mobil machen werde. Eisfeld nennt die nationaldeutsche Gründung einen Dolchstoß von hinteuinden Rückendes Zentralvereins! Seine Broschüre ist besonders wertvoll, weil sie alle Behauptungen mit sprechenden Beispielen belegt. Man lese sie und lerne daraus, wie ein deutscher Christ denkt und rät. BiSruarck und die Juden. Unter Benutzung unveröffentlichter Quellen von vr. Otto Jöhlinger, Ministerialrat. Dietrich Reimer (Ernst Bohsen), A. G. in Berlin 1911. — Die wirklich großen Männer der Weltgeschichte sind niemals Antisemiten gewesen, und so ist es auch von vornherein unwahrscheinlich, daß Bismarck, der gewiß der bedeutendste deutsche Geist des neunzehnten Jahrhunderts war, zu der Gilde der kurzsichtigen kleinlichen Judenfeinde gehört 'habe. Den urkundlichen Beweis hierfür erbracht zu haben, ist das Verdienst Jöhlingers, der »ine ira et studio mit unendlichem Fleiße alles nur zu findende Material objektiv zusammenstellte und Bismarcks Verhältnis zu Juden und Judentum damit endgültig klargestellt hat. Wir sehen, wie der „Junker von Bismarck-Schönhausen", dessen mißverstandene Äußerungen aus dem Jahre 1848 ihm den Ruf des Antisemiten eingetragen haben, allmählich zum überragenden Politiker wird und wie er in vorurteilsloser Weife sich nicht nur einer ganzen Reihe von Juden zur Erreichung seiner politischen Ziele bedient, sondern wie er sich auch für das staatsbürgerliche Recht der Juden jederzeit mit Energie einsetzt. Besonders interessant sind die Kapitel, in denen Bismarcks Beziehungen zu hervorragenden, zeitgenössischen Politikern (Lassalle, Marx, Bamberger. Lasker, Simson, Beaconfield) geschildert werden, von höchster Wichtigkeit die Darstellung des Falles Stöcker- Die Fülle des Materials ist verblüffend, zur Ergänzung sei hier noch auf einen Artikel in der Dezembernummer der „Süddeutschen Monatshefte" hingewiesen, der „Bismarcks Persönlichkeit" betitelt ist und der nach Aussage des Herausgebers von einer geistig bedeutenden Persönlichkeit herrührt, die dem Kanzler viele Jahre hindurch sehr nahe stand. Die Nummer bringt auch eine sehr interessante Stelle aus bisher unveröffentlichten Berichten des bayerischen Gesandten Gras Lerchenfeld über Bismarcks Entlassung, die seine Meinung über die Juden vortrefflich wiedergibt. Jöhlingers Buch darf wirklich ein geschichtliches Dokument genannt werden. Wer Bismarck verstehen will, wird es lesen müssen. Zugleich enthält es aber auch einen vorzüglichen Abriß der Zeitgeschichte, ist reich an Ausblicken in andere interessante Gebiete und stellt mit seinem flüssigen Stil und seiner abwechslungsreichen Darstellungsweise eine fesselnde Lektüre dar. Weite Verbreitung sei ihm im Interesse der gerechten Würdigung des großen Kanzlers und im Interesse der Judenheit gewünscht. Dr. Jur. Kurt Braunl), „Die Konzentration der Berufsvereine der deutschen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und ihre rechtliche Bedeutung." Berlin. Verlag von Julius Springer, 1922. 118 Seiten. Zur Zeit des Kapp-Putsches ist wohl auch demjenigen, der dem Wirtschaftsleben ganz fern stand, blitzartig Kar geworden, welche ungeheure Bedeutung die Gewerkschaften gewonnen haben. Damals ist mancher überrascht gewesen, wie weit die Organisation und Konzentration der verschiedenen Gewerkschaftsgruppen fortgeschritten ist. Eine entsprechend rasche Konzentration ist aber auch bei den Berufsvereinen der Arbeitgeber festzustellen, ja die Entwicklung ist bereits zu Arbeitsgemeinschaften der Berufsorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gelangt, so daß in Bälde ein genügender Unterbau für den endgültigen Reichswirtschaftsrat, das in Artikel 165 der Reichsverfassung vom 11. August 1919 vorgesehene Wirtschaftsparlament, vorhanden sein wird. Durch die Nachkriegsgesetzgebung sind die Berufsvereine vielfach zu gesetzgeberischen und Vertvaltungsaufgaben herangezogen worden. Die rechtliche Natur der Organisationen ist aber der Theorie nach noch dieselbe wie vor Jahrzehnten, als die gewaltige, heute ihrem Abschluß zustrebende Bewegung gerade begonnen hatte. Nach alledem ist die Untersuchung wünschenswert, ob die Rechtsordnung „mit dem tatsächlichen Stand der Dinge noch übereinstimmt". Dieser Ausgabe hat sich Braun unterzogen und zunächst einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der Berufsvereine gegeben, den ein jeder. Kurt Braun ist Kartellbruder (Spreve). Arbeiten von Kartellbrüdern werden in Zukunft ohne Rücksicht auf das Wissensgebiet hier angezeigt werden. Die Red.

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