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KC-Blätter · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 6

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Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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6 einer Region, wo alle Scheinwerte zu Seinswerten umgewertet werden. Jene aber verschließen ihr Tor dem Werben und ihr Ohr der Stimme ihres Innern, jenem Daimonion, und betäuben sich dagegen mit der Orgie ihrer Leidenschaften. Diese Ausführungen entspringen keinem Moralisierungsbestreben, sondern sind eingeg^eben von dem, was Schopenhauer das metaphysische Bedürfnis genannt hat. Es weist den Menschen, den es ersaßt hat, mit zwingender Macht über das Gegebene hrnaus zu der: Ewigkeitswerten des wahren Seins. Die anderen mögen es nicht begreifen; er aber ist besessen vom Taumel seiner Mission. Auch in der Verbindung führt uns nur das Hinausgehen über das Gegebene einpor; nehmen wir die Vorgefundenen äußeren Formen hin, bleibt sie inhaltlose Form und wird zum mechanischen Getriebe. Erst indem wir kraft Erfühlens der Idee das Vorhandene umwerten, schaffen wir uns die wahre Gemeinschaft. Alle Funktionen, die sich dann nach außen ergeben, müssen daher das Siegel dieses Strebeus nach Wahrheit tragen und werden es, wenn wir erlebt haben; solange dies fehlt, sind sie von innerer Unwahrhaftigkeit, und das zu unserem Schaden, indem wir uns selbst betrügen. So steht es beispielsweise mit unserem Bekenntnis zum Deutschtum, das ja für den K. C. einen Teil seiner äußeren Beziehungen ausmacht. Was frommt es, wenn wir programmatisch uns als Deutsche bekennen, ohne deutsches Wesen an der Wurzel erfühlt zu haben?! Dem Maßstab der äußeren Welt mag lenes genügen, dem Maßstab des absoluten Wertbewüßtseins nicht. Darum gilt es, mit dem Deutschtum innerlich zu verwachsen. Erfaßt es aus deutscher Kultur, sei es aus unseren Klassikern, sei es aus deutscher Musik; denn diese hat das deutsche Volk vor allen anderen Völkern voraus, und sie gerade darf als stärkste Offenbarung deutschen Charakters gelten. Begreift aus der Tonsprache eines Beethoven deutsche Gefühlstiefe, und ihr wißt mehr um das Deutschtum, auch ohne es zu proklamieren, als wenn es euch nur Begriff und Losungsruf ist. Auch die Forderung der Erziehung zum selbstbewußten Juden, für die der K- C. sich einsetzt, gewinnt unter dieser Betrachtungsweise ein freilich ganz anderes Gesicht. Nicht durch aufgepftopfte äußere Momente,' nicht durch einen von außen aufgezwängten Schneid läßt sich ein wahrhaftes Selbstbewußtsein erzielen, sondern nur innere Vervollkommnung und Klärung führen zu ihm. Je mehr wird uns unserer selbst, des Unendlichen in uns bewußt werden, desto mehr wächst unser Selbstbewußtsein.1 Dann können wir den Anfeindungen der äußeren Welt, die in der Region jenes absoluten Wertbewußtseins sich als negative Größen erweisen, getrost die Überlegenheit des gefestigten Menschen entgegensetzen. Auch das Band wird dann aller äußeren Bedeutung entkleidet und zum Symbol der erschauten Idee. Dem Sehenden wird es zum stets mahneichen und erinnernden Zeichen seiner Erkenntnis, durch inneren Beruf zum Mitarbeiter am Tempel der gottgewollten Gemeinschaft auserwählt zu sein. Wer die bestehende Form des Verbindungslebens zur Norm niimnt und in ihr alles bereits erfüllt findet, der wird mir vorwerfen, durch meine Darlegungen der Verbindung geschadet zu haben. Wer jedoch mit mir erst in der Gemeinschaft, die da kommen soll, den einzig wahren und berechtigten Bund und darum das unabweisbare Ziel unseres Strebens erblickt, der wird erkennen: diese wahre Verbindung, die allein den Gegenstand unserer Betrachtungen bilden darf, konnte ich nicht besser rechtfertigen als durch den Beweis, daß die ihr Wesen bildende Idee Ewigkeitswert besitzt. Möge es denen, die sie erfaßt haben, mit der Zeit gelingen, die anderen in wachsender Zahl in den Kreis ihres Erlebens zu ziehen und damit den Weg zu bereiten der wahren Gemeinschaft. vis Juöenfrage im Lickte der KulturpbUofopbie1). Von Bez.-Rabbiner Dr. Beermann. „Die Vorurteile der. Menschen beruhen auf ihrem Charakter: däher sind sie ganz unüberwindlich. Weder Evidenz, noch Verstand, noch Vernunft haben den mindesten Einfluß darauf." So schwerwiegend Goethes Meinung erscheint, es liegt über diesen seinen Worten etwas vom quietistischen Pessimismus, der vor den Schwierigkeiten die Waffen streckt. Er selbst hat immer wieder mit der Fackel der Wahrheit in das Dunkel der Jrrtümer hineingeleuchtet und Vernunft und Wissenschaft als „des Menschen allerhöchste Kraft" gefeiert. * * Juden uird Christen haben sich ihr Konzept in Sachen des Judentums durch den Rassenaberglauben verdorben. Es gehört zu Fritz Mauthners leuchtenden Verdiensten, daß er in seiner Kritik der Sprache dem Wortfetischismus Urfehde geschworen hat. Solchen mythischen Gebilden ist auch die Begriffshülse.Rasse einzureihen, deren billig erworbener Nimbus sachlicher Nachprüfung nicht standhält. Chamberlains blendender Dilettantismus trat Gobineaus Erbe an. Die Germanenrasse allein schafft bleibende Kulturwerte. Sie allein vermag der Menschheit die Genies zu schenken. Kann man 'sich der Tatsache nicht verschließen, daß die Deutschen aus einem schier unentwirrbaren Bölkergemisch, Germanen, Kelten, Slaven, Hunnen hervorgegangen sind, so will man die echt teutonischen Langschädel mit ihrem Blondhaar und ihren blauen Augen von den schwarzhaarigen, dunkeläugigen, fremdbürtigen Kurzschädeln als die Edelrassigen sondern, um dann wieder durch die brutale Logik der Tatsachen sich widerlegt zu sehen, denn Luther, Goethe und Beethoven, um nur drei markante Persönlichkeiten zu nennen, tun der Theorie nicht den Gefallen, sich in ihr Schema zu fügen und werden daher von den ganz Radikalen als Juden verdächtigt. Und sorgsame Forschung macht sogar wahrscheinlich, daß bei steigender Kultur die Tendenz waltet, einer allmählichen Umwandlung des Langschädels in Kurzschädel. So wird man in den Nationen Seelen- Bon unserer sonstigen Gewohnheit abweichend, drucken wir aus der „Hochschule", Blätter für akademische und politische Bildung, Heft 9/10, Dez. 1921 bis Januar 1922, diesen Artikel ab, der unsem Mitgliedern sicherlich viel Anregung geben wird. Das charakteristische Geleftwort der Redaktion der Hochschule finde hier gleichfalls seine Stelle- Es lautet: „Als wir mit dem Aufsatz von Jakob Resch, in Heft 5 unserer Zeitschrift, eine Erörterung der Judenfrage begannen, kündigten wir an, daß wir Stimmen dazu aus den verschiedenen Lagern — jüdischen und nichtjüdischen — veröffentlichen würden. Bon seiten des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens geht uns nun der folgende Aufsatz von Herrn Bezirksrabbiner vr. Beermann (Heilbronn) zu, den wir — wenn er auch nicht auf die von Resch erhobenen Forderungen eingeht — hierunter folgen lassen, nicht ohne die Bemerkung anzufügen, daß die folgenden Ausführungen, deren zweifelhafte Gültigkeit sicher nicht von allen Seiten anerkannt würden dürfte, unter der persönlichen Verantwortung des Verfassers veröffentlicht werden."

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