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KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 10-12 · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 10-12
Date
1921-07-01
Page
Seite 156 (sequence 22)
Language
German
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einzutreten, muß sich bewußt sein, daß er durch diesen -Beüritt sich zu demzenigen Gedanken bekennt, der nur bei uns, nicht aber bei anderen- Korporationen gepflegt wird, nämlich zu dem GÄanken der Parität. Er muß sich auch bewußt sein, daß er früher oder später einmal, selbst -wenn gerade zur Zeit seines Beitrittes zusällig die Lage nrcht allzu gespannt ist, vor die Notwendigkeit gestellt werden wird, auch nach außen hin mit aller Klarheit und Mannhaftigkeit, mit dem - Wort oder mit der Waffe, die praktischen Folgerungen daraus, zu ziehen, daß er sich 'durch seinen Beitritt -zu dem, Paritätsgedanken bekannt hat. Im übrigen könnte ich auch in rein geistiger Bedeutung einen /Menschen nicht Hochschäden, der heute noch, ernsthaft annimmt, die Judenfrage sei eine Angelegenheit, die nur Juden interessiere. Ich habe also schlechterdings kein Verständnis dafür, wenn jüdische Mitglieder . . unseres Verbandes es „mit Rücksicht auf die nicht- ' jüdischen Verbandsbrüde^ für - notwendig halten / können, eine ehrliche und wirllich in die Tiefe gehende - Erörterung 'der Judenfrage zu vermeiden. Wirlliche Parität kann nur da bestehen, wo diejenigen, die sich zusammentun, 'auch im Gefühl paritätisch sind, wo -beide Gruppen von Mitgliedern, Juden und Nichtjuden, von der Überzeugung durchdrungen sind, daß zu der - .Judenfrage in ehrlicher und entschiedener Weise Stellung genommen werben muß, und daß nur eine derartige - entschiedene Stellungnahme die Möglichkeit bietet, diese gewiß zu Unrecht überall in den Vordergrund gerückte Frage endlich .wieder in die Rumpelkammer zu drängen, in die sie gehört. Die „Hochschule" hat neben Naumanns Artikel und dem in der vorigen Nummer erwähnten unwürdigen Aufsatze von Jakob Re sch noch eine Auslassung von Wilhelm Mommsen („Die jüdische Frage") gebracht, welche sich in verständiger Weise vom demokratischen Gedanken aus den Antisemitismus ablehnt. Auch von unserem Standpunkt aus soll die Frage dort noch beleuchtet werden. In durchaus ernster Weise geht vor allem die „S ch w a r z b u r g", das Organ des Schwarzburgbundes dem Judenproblem zu Leibe. Der Schwarzburgbund steht auf bewußt chrisllicher Grundlage, und so ist es eigentlich selbstverständlich, daß er den Rassenhaß ablehnen müßte. Im Anschluß an früher an dieser Stelle behandelte Aufsätze wendet sich inr Heft 6/7 Pfirrrer W. Brandt — sachlich im Tone —; scharf gegen die angeblich antinationale Stellung der Juden. Im Heft 8 ergänzt Pfarrer A. Rey-? mann seines Kartellbruders Stellung durch Schilderung von 'Einzelfällen, die er in ganz unzulässiger Weise verallgemeinert. Eine noch schärfere Tonart schlägt im Heft 9 Dr. med. H anke an, der sich auf Fritsch, Dinter uird die Proto- :; kolle der Weisen von Zion beruft, vr. F. Schomerus aber tritt im Heft 11. Reymann scharf entgegen und weist vor allem die Angriffe v gegen die angeblich antinationale „Frankfurter Zeitung" zurück. Wegen ihres allgemein interessierenden Inhalts mögen seine diesbezüglichen Bemerkungen hier ihre Stelle finden: Mit Nachdruck muß ich aber folgenden Ausführungen Reymanns entgegentreten!: „Wo fanden und finden all die Tendenzen, die auf eine Entchristlichung unseres Volkslebens, auf eine Entdeutschnng unseres Bolksbewußseins zugunsten eines verwaschenen, verschwommenen Internationalismus abzielen, den weitesten Sprechsaal? War es und ist es nicht in der von Juden geleiteten, beeinflußten und abhängigen Tagespresse („Berliner Tageblatt/^, „Frankfurter Zeitung" usw.)?" Ich halte hier Rehmann zugute, daß er wahrscheinlich die „Frankfurter Zeitung" nicht leimt, nicht liest, sondern nur nachdruckt, was die landläufige Agitation der Rechtsparteien behauptet. Es ist aber Christenpflicht, falsche Behauptungen nicht gedankenlos weiterzukolportieren. Ich kennen das „Berliner TagMatt" nicht so genau, um ein sicheres Urteil über es abgeben zu können. Ich halte alle Berliner Zeitungen (mit Ausnahme des „Reichsboten") für oberflächlich und für viel zu rasch zusammengestM und vermeide daher schon lange ihre Lektüre, soviel ich kaum Wer die „Frankfurter Zeitung" kenne ich aus vieljähriger Lektüre, und kann positiv erllären, daß ich bei .ihr weder eine Tendenz auf Entchristlichung unseres Volkslebens noch auf Entdeutschung unseres Volksbewußtseins zugunsten eines verschwommenen Internationalismus habe beobachten können Über reli- I giöse und kirchliche Fragen und Bewegungen unter- | richtet sie uns aus der Feder bester Sachverständiger ebenso gründlich und gewissenhaft wie über alle anderen Fragen unserer Zeit, in den letzten Jahren sogar mit. wachsendem Interesse und Verständnis. Die Thüringer christliche Wochenschrift „Die freie Volkskirche" hat schon oft.wertvolle Aufsätze der „Frankfurter Zeitung" zustimmend abgedruckt. Es gibt wenig gute Zeitungen in Deutschland, aber die „Frankfurter Zeitung" rechne ick unter die zweifellos besten. Ich lese tagtäglich rechtsstehende Zeitungen und bin entsetzt, in ihnen fast auf jeder Seite die unchristlichsten Meinungen und Forderungen vertreten zu sehen, Anschauungen, die mit Christentum und christlicher Gesinnung nichts zu tun haben. Wenn wir uns dauernd so etwas gefallen lassen, wird unser vergiftetes Volk daran zugrundegehen. Und an diesen unchristlichen Zeitungen sind keine Juden beschäftigt. . Und nun die nationale Seite. Was die „Frankfurter Zeitung" — um nur das eine Beispiel anzuführen — in diesen schweren Zeiten der Okkupation großer Gebiete Deutschlands durch unsere Feinde für die Erhaltung des. Reichs leistet, wie sie die aus die Zerreißung Deutschlands gerichteten Pläne Frankreichs und seiner deutschen Hintermänner (Dorten usw.) unausgesetzt ans Licht zieht, der Well bekanntgibt und dadurch die französischen Machenschaften rechtzeitig hintertreibt, wie sie der Bevölkerung des Saarreviers und der Rheinprovinz in ihrem schweren . Kampf gegen die Verwelschung einen moralischen und polüischen Rückhalt gibt, das sollte jeder, auf welchem Parteistandvunkt er auch stehe, anerkennen Immer wieder wird sie bald hier, bald , dort, bald für drei Tage, bald für länger im besetzten Gebiet von den Franzosen verboten. Weil sie so ausgezeichnet über die Vorgänge in Elsaß-Lothringen unterrichtet, ist sie dort von den Franzosen längst untersagt. Auf das, was die „Frankfurter Zeitung" sagt, wird in der großen Welt gehört, weil diese sie als vornehme, sachliche und gut informierte Zeitung kennt, die kein Geschwätz macht und keine Schaumschlägerei betreibt. Von anderen, besonders den Franzosen, wird sie deshalb gefürchtet. Chauvinistische Übertreibungen und wilde Ausbrüche machen im Ausland auf niemanden Eindruck, schaden, uns nur. Statt sie in Unwissenheit V

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