KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 10-12
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 154 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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"»i fef-'//©er 332. Kongreß, der in Karlsbad gar zu plan- WmWig erledigt stürrde, bautet leinen entscheidenden MDVendeputtkt zum Guten in der -politischen - und öko- " vM»mischen.-Praxis der zionistischen Organisation. Man . «Matte meinen sollen, daß das große Parlament des jüdischen Volkes, das nach acht Jahren der Lewen : und Sorgen aber auch.nach den großen Erfolgen von > ' San Remo zusammentrat, mit höchster Ssmnnung erwartÄ wäre und dem Volke und der Leitung große ^Wltichtlinien für die weitere Arbeit hätte geben müssen WWber selbst die Erwartungen an den Kongreß Garen UW' sehr gering; er ist nicht wie ein politisches Ereignis pün großen Hoffnungen und tiefen Befürchtungen be- .^.-.5.. gleitet worden Die Anhänger des vor dem Kongreß MW.Herrschenden Systems setzten ihre Hoffnungen nur "/darein, daß der Kongreß dieses System bestätigte; seine Gegner strebten nicht danach, es schon auf diesem Kongreß zu erschüttern, begnügten sich viel- M ^mehr damit, auf dem Kongreß oder neben ihm Verwahrungen einzulegen und den rechten Weg zu weisen. So war der Kongreß von vornherein zur .Bedeutungslosigkeit verurteilt. Innerlich zeigte der XII. Kongreß ein. Bild .von AKv,--. Krankheit und Zerfall. Die Chance von St. Remo " hat die Leitung nicht auszunutzen verstanden. Po- _ . litisch ist unsere Situation nicht besser sondern schlechter geworden. Das Begrüßungstelegramm der - rl englischen Regierung, in dem nicht einmal mehr von seinem jüdischen Heim, sondern nur noch von dem Lande gesprochen wird, in dem Juden und Araber glücklich nebeneinander leben sollen, beweist genug. Die Mandatarmacht beginnt die Konsequenz aus dem Versagen der zionistischen Leistung zu ziehen. Darüber .kann auch die von Weizmann mit Geschick und Eifer vorgetragene Mitteilung nichts ändern, daß das Ostjordanland in das Mandatsgebiet Palästinas eingeschlossen werden soll. Das englische Mandat bedeutet gewiß noch nicht eine Erweiterung der jüdischen Rechte auf Ostjordanien. Müssen wir schon das Westjordanland erst durch unsere Kraft erwerben, so werden wir jenseits des Jordan aus dem englischen .Rechtstitel gewiß noch keine jüdischen Tatsachen entstehen sehen. Darum gilt es, die politischen Verhandlungen fortzusetzen und sie durch den Hinweis zu stützen, daß das jüdische Volk, seine Kraft und seine Machtmittel auf Palästina gerichtet sind. . Wer auch hier ist ein Rückschritt zu sehen. Zwar Hat der Kongreß einen Appell an das jüdische Volk gerichtet und alle zur Mitarbeit aufgerufen. Aber leider hat man von .offizieller Seite wahrend der Generaldebatte wohl noch nicht an diesen Schlußappell gedacht und sie so geführt, daß der größte Teil des . jüdischen Volkes sich nicht herangezogm, sondern ab gestoßen fühlen muß. Immer wieder hat man den nationalen Willen und die nationale Tat aller derjenigen herabgesetzt oder gar nicht gelten lassen wollen, die an dem Aufbau von Palästina mitzuarbeiten bereit sind, ohne sonst die ausgeklügelten Theorien eines für die Diaspora erdachten Pseudonationalismus mitzumachen. Die Leiter der Organisation haben -dann gewetteifert, einen Mann wie Brandeis, dessen .Wirken der ganze Jischub seine Erhaltung verdankt, als „schwachen Zionisten", „Nevphyten", „Ger" zu bezeichnen. Glaubt man wirklich, daß das der Weg ist, um das ganze jüdische Volk zu erfassen! Können - wir es uns leisten, jetzt im Moment der Entscheidung, . wo die Hoffnung unseres Volkes sich vielleicht, aber ' doch bestimmt nur dann erfüllen kann, wenn das ganze : Volk 'zur Mitarbeit herangezogen wird, Qualitätsunter- 'Meidungen selbst unter denjenigen zu machen, die innerhalb des Zionismus stehen? Mit dieser Taktik Uvi- SW'1?.' werden wir unsere Reihen immer enger machen und'die Entwicklung ^zur Sekte vollenden - In der Frage der palästinensischen Volkswirtschaft hat »der Kongreß der Welt kein Geheimnis enthüllt, wenn er gezeigt hat, daß bisher nichts 'von der Organisation und nur in den allerbescheidensten Anfängen etwas -von der Landesregierung und von privater jüdischer Seite geschehen ist. Darüber hätte man hinwegkommenkönnen, wenn der Kongreß wenigstens den Anfang der Besserung gebracht hätte. Aber auch hiervon ist leider keine Rede- Man hat für die allgemeine Verwaltung einen Etat aufgestelll und bei ihm die einzelnen Ausgabeposten lange und gründlich beraten; man hat aber, um diesen Etat balanzieren zu können, den Posten für Einnahmen einfach dem Bedürfnis entsprechend .eingestellt, nicht nur ohne Gewähr für den Eingang zu haben, sondern sogar in der sicheren Voraussicht, daß Einnahmen in der angesetzten Höhe nicht werden erreicht werden können. So ist dieser Etat ein frommer Wunsch und keine Wirklrchkeit." Der Zionismus hat auf diesem Kongreß seine scharfe nationale Färbung unterstrichen und hat damit die Besiedlung .Palästinas zu einer jüdischnationalen Angelegenheit gemacht. Daß damit auch das. humanitäre Werk gefährdet ist, scheint man in zionistischen Kreisen allmählich einzusehen. Und das ist die Bedeutung des Kollenscherschen Artikels, der den K. C. er gewiß interessieren wird. Wie an anderer Stelle ausgeführt wird, hat der K. C. auf dem a. o. K. C. Tage seinen aktiven und inaktiven Mitgliedern jede Mitgliedschaft in zionistischen Organisationen untersagt. Zu diesen' gehört, trotz seiner kritischen Stellung zum nationalen Gedanken, auch der Binjan Haarez. Zur Judenfrage. Der Korpsphllister Walter B l o e m veröffentlichte jüngst „Zehn Gebote für den deutschen Studenten", deren drittes besonders interessant ist. 3. Du sollst deinen deutschen Bruder ehren, insonderheit deinen Kommilitonen. Wer ist dein deutscher Bruder? Jeder Reichsangehörige — wer ist dein Kommilitone? Jeder immatrikulierte Student, so lange der einzelne Deutsche, der einzelne Student sich nicht deiner brüderlichen und kameradschaftlichen Gesinnung für seine Person durch unzweideutige Beweise undeutscher oder ehrloser Gesinnung unwürdig gemacht hat.' Nicht Klasse noch Rasse, nicht politische noch religiöse Gesinnung berauben an sich den Deutschen des Anspruchs auf Anerkennung seiner Volkszugehörigkeit, den Studenten auf Anerkennung seiner Würde als gleichberechtigter Mitkämpfer für die WiÄrergeburt unseres Volkes. Jnl Studenten insbesondere sollst du das Mitglied der allgemeinen Studentenschaft ehren, die dich und ihn umschließt. Diese Sätze waren zu. vernünftig, als daß etwa die völkischen Herren sie ohne Widerspruch hätten hinnehmen können. In der Zeitschrift des V. C. läuft man natürlich dagegen Sturm. Interessant ist dabei, wie zielbewußt man auf die Aufhebung der Erlanger Beschlüsse hinarbeitet: