KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 10-12
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 153 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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vielmehr die Deutscharische Arbeitsgemeinschaft mit den anderen studentischen Gruppen zusammen. Diese sind die „Rede- und Lesehalle" mit etwa 500 und die „Sozialistische Gruppe^mit etwa 300 Mitgliedern. (Von uns gesperrt.) So.ist z. B. der Wirtschafts-Ausschuß von allen diesen Gruppen gemeinsam besetzt, ebenso sind die Fachschaften der Prager Studenten nicht nach völkischem Prinzip zusammengesetzt. Von den akademischen Behörden wird die Rede- und Lesehalle und die Arbeitsgemeinschaft paritätisch behandelt. So fand der Festkommers der Rede- und Lesehalle unter dem Ehrenvorsitz -der beiden Rektoren der Prager Hochschulen statt, außerdem wohnten zahlreiche Vertreter der Professorenschaft, sowie der städtischen Behörden dieser Feier bei. Die Rede- - .und Lesehalle Prager Studenten ist 1848 'gegründet und ist somit die erste derartige Organisation an deutschen Hochschulen. Sie besitzt neben zahlreichen sonstigen, für die Deutsche Studentenschaft und die deutsche Kultur in Prag wichtigen Einrichtungen eine Bibliothek von etwa 70000 - Bänden, die die größte in deutschem Besitz befindliche Bibliothek in Prag' darstellt. Bis 1892 war die Halle die einzige Vertretung der deutschen Studenten in Prag, erst in diesem Jahre trennten sich die antisemitischen Studenten ab und gründeten die „Germania". 1918 bestand zunächst ein einheitlicher Studenten-Ausschuß, der allerdings infolge der Unduldsamkeit der „Deutsch-Arier" nicht lange arbeitsfähig blieb. Trotzdem werden, wie erwähnt, alle wesentlichen Aufgaben studentischer Selbstverwaltung von den drei Prager Gruppen gemeinsam gelöst. (Von uns gesperrt.) Nur die Zugehörigkeit zur „Deutschen Studentenschaft" macht man den nicht nach völkischem Prinzip zusammengesetzten Gruppen streitig, obwohl man ihre Mitarbeit für alle praktischen Arbeiten nicht entbehren kann. Es ist dies die größte Ungerechtigkeit, die man fi$ denken kann. Sie wäre zu entschuldigen, wenn die Rede- und Lesehalle deutscher Studenten in Prag es im geringsten an „nationaler Zuverlässigkeit" fehlen ließe. Das Gegenteil ist der Fall. Die Halle steht nicht weniger ä!s die Deutscharische Arbeitsgemeinschaft in schwerem Kampf für bte Sache des Deutschtums. Sie ersehnt unb braucht nicht weniger als aiwere den Rückhalt und die Unterstützung durch die Kommilitonen im Reich und empfindet es mit Recht als eine Art Beeidigung, daß man sie zur Deutschen Studentenschaft nicht zuläßt und damit dem großdeuftchen Gedanken und. der deutschen Sache in Drag eine wesentliche Schwächung zufügt. In der schweren Lage, in der sich die Prägerdeutschen Studenten befinden, ist es ein nationales Verbrechen, wenn man nicht allen deutschen Studenten jede nur mögliche Unterstützung zuteil werden läßt. Wer miterlebt hat, wie unendlich groß die Sehnsucht der Mitglieder der Halle nach enger Verbindung mit den reichsdeutschen Studenten ist und wie freudig und begeistert sie die Anwesenheit . reichsdeutscher Kommilitonen auf ihrer Tagung begrüßen, fühlt mehr als je, welch eine Sünde an der nationalen Sache von denen begangen wird, die um kleinlicher Gegensätze und um politischer Unduldsamkeit willen die Einheit der Prager deutschen Studentenschaft und die Aufnahme aller deutschen Studenten in die ,-Deutsche Studentenschaft" verhindern. Hm, 'hm! Es ist .etwas Schönes - um das Prinzip! In Prag arbeitet man mit der „Judenschutztruppe", weil man sie als Stütze des Deutschs, tums nicht entbehren kann, friedlich., zusammen, und in Erlangen tut man, als ob sie das Deutschtum verriete. „Blamier mich nicht, mein schönes Kind, und grüß mich nicht unter den Linden; wenn wir nachher zu Hause sind, wird sich schon alles finden!" Charakter haben ja. die arischen Herren aus Prag! Im Grunde aber erscheint nach dieser Aufklärung der Widerstand gegen die nichtarischen Deutschen nicht nur als ein Verbrechen gegen das Deutschtum, sondern als eine ganz üble K o - mö die! In diesem Zusammenhänge finde auch eine interessante Nachricht aus Wien ihren Platz: Gegen die überfremdung^der Wiener Universität. Die deutschnationalen Sttldenten an der Wiener Universität haben gegen die Besetzung von Lehrstühlen durch volkssremde Dozenten Protest erhoben. In der Denkschrift, die sie dem Rektor überreichten, wird erklärt, daß die deutschnationale Studentenschaft ftir die Beurteilung des Wertes der zur Berufung gelangenden Professoren sich nicht für zuständig halte, daß sie aber die Grenzen gewahrt wissen wolle, innerhalb welcher Berufungen durchgeführt werden dürfen. Diese Grenzen sind durch den deutschen Charakter der Mma mater gegeben. Die deutschnationale Studentenschaft bringt durch die heutige Kundgebung zur Kenntnis, daß sie den heutigen Zustand als schwere Schädigung des Charakters der deutschen Universität und des deutschen Geistes empfindet. Sie erklärt, daß sie nicht gesonnen ist, diesen Zustand künftighin zu dulden. Sie erhebt entschieden Einspruch gegen die Fortsetzung der alten Praxis und wird mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln ihrem Begehren Nachdruck verleihen. Die „volksfvemden Dozenten" sind die jüdischen Professoren, die der deutschen Universität Wien mit zu ihrem Weltruhme verholfen haben. Die Fülle der Namen kennt jeder Kulturmensch. Die Herren „Arier" treiben anscheinend eine Desperadopolitik. Heute, da das Deutschtum besonders in Wien so unendlich schwere Zeiten durchlebt, lassen sie lieber deutsche Kultur sich mindern, als daß sie jüdische Mitarbeit dulden! So könnte man meinen. In Wirklichkeit handelt es sich aber nur um eine leere Demonstration. Noch vor wenigen Tagen wurden jüdische Professoren ernannt, jüdische Privatdozenten widerspruchslos zugelassen, und auch der deutschvölkischle lernt brav bei ihnen. Die deutschvölkischen Helden in Österreich können so, aber auch anders. Born Ziomstenkongretz. Statt eines Berichts seien aus einem ArtikÄ des ehemaligen eifrigen Nationalisten Dr. Max Kol len scher, der anscheinend durch das klägliche Scheitern der von ihm in Posen versuchten jüdischen Bolkspolitik ein wenig nachdenklich geworden ist, einige charakteristische Abschnitte veröffentlicht. Er erschien im „Mitteilungsblatt des Binjan Haarez" (Nr. 5):