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KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 10-12 · p. Seite 148

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 10-12
Date
1921-07-01
Page
Seite 148 (sequence 14)
Language
German
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wünschen wäre. Aus jener Bescheidenheit und Einfachheit gerade erwuchs eine außerordentliche Innigkeit der Beziehungen', die weit über die Studienzeit hinaus trug und die meisten von denen, die sich damals auf dem gemeinschaftlichen Boden unserer Bestrebungen trafen, mit den Freunden der Jugend fürs' Leben zusammenschloß. Das 10. Stiftungsfest der Viadrina, mit dem die Gründung des K. C. verbunden war, war meines Wissens auch für die .Viadrina die erste große Veranstaltung, die sie und damit den K. C. über den Kreis der Freunde und Kartellbrüder und der diesen Nächststehenden hinaus mit der großen jüdischen Öffentlichkeit Breslaus in unmittelbare Berührung brachte. In meiner Erinnerung steht es lebhaft vor mir. Unter den Breslauer Aktiven ragte damals insbesondere Georg Zadig hervor, ein Mann von außerordentlicher Begabung in geistiger und körperlicher Beziehung, der leider später durch eine gewisse Ungezügeltheit seines Wesens dazu kam, sich äußerlich von uns' zu trennen, innerlich! aber bis zu seinem frühen Ende sich zum K. C. bekannt hat, und durch manch treffendes Wort dem Zorne und der Verachtung Ausdruck gab, die wir alle oft genug gegenüber der Feigheit unserer arisch- „teutschen" Gegner empfinden mußten. Sein bekanntes, in den K. C.-Blättern einmal abgedrucktes' Lied von dem Komment, der die Herren D. C. er und V. C. er so off vor uns schützen mußte, namentlich „wenn die Waffen krümmer wurden", gehört hierher. Die Erinnerung daran legt einen Vergleich zwischen einst Und jetzt nah und da zeigt sich, daß jidj praktisch gar nicht allzu viel verändert hat, wenn etwa der Heidelberger Waffenring beschließt, daß er Angehörigen jüdischer Rasse keine Satisfaktion mehr gibt. Das waren wir von den Trägern dieses Beschlusses schon immer gewohnt; erst provozieren, die Juden um ihres Judentums beschimpfen und nachher ihnen die Satisfaktion verweigern, weil man Juden keine Satisfaktion gibt, das war schon immer „teutsche" — freilich nicht deutsche Art. Die Erfahrungen, die man dann, wenn man sich, je mit uns auf Mensur stellte, machte, ließen offenbar dieses Verfahren empfehlenswert erscheinen. Von der Ritterlichkeit und Vornehmheit der Herren Deutschen haben namentlich wir in Heidelberg die klassischsten Proben erlebt, als 1901 6 antisemitische Korporationen die alte Badenia denunzierten, weil sie sich von ihnen nicht ungestraft provozieren und nachher die Satisfaktion verweigern ließ. Die Herrschaften jammerten damals wegen der Verrohung der akademischen Sitten und brachten es in der Tat fertig, zunächst die Badenia auf ein Jahr suspendieren zu lassen. zur Strafe für schmerzhafte Prügel, die sie immer wieder für antisemitische Provokationen erhalten hatten. Aber das non plus ultra an „teutscher" Ritterlichkeit hat doch der Darmstädter V.D.St. erreicht, der es fertig brachte, die temporär suspendierte Badenia dem Senat zu Heidelberg wegen Weiterführung der Verbindung ganz offiziell zu denunzieren, als er zur Ausfechtung von pp. Säbelpartien getreten wurde, die schon vor der Suspension genehmigt worden waren. Ja, ja. Und wird die Waffe krümmer ... dachten - die mutigen Herren. — Was' in dieser Beziehung heute anders geworden ist als damals, ist also nicht allzu viel, irur daß man heute die Satisfaktion-Verweigerung nicht, wie damals seitens der großen Verbände, hinter prestige-artigen Prätentionen verschanzt, sondern schlechtweg den Angehörigen der jüdischen Rasse die Satisfaktion verweigert. Wenn einzelne der Herrschaften nur wüßten, -vie sie damit ihr eignes Nest beschmutzen: Anläßlich des 50 jährigen Stiftungsfestes der Heidelberger Burschenschaft Alemannia ist eine Festschrift herausgegeben worden, die mir kurz danach von einem der Gründer der Alemannia als „dem Seite 21 Gefeierten" dediziert wurde. In der Festschrift ist auch eine Mitgliederliste der Alemannia enthalten; es läßt sich feststellen, daß einem gar nicht unbeträchtlichen Teil dieser Vorkämpfer echten Ariertums jüdisches Blut. in den Adern rinnt, und wenn man gar die Historie einzelner Korporationen, die heute auch dem Waffenring angehören, genauer kennt, muß man lächeln ob der Vergeßlichkeit ihrer Jugend, die offenbar nicht weiß, daß sie lange Zeit von Juden in aller Fornr „ausgehalten" wurden. Trotz der nicht allzu großen praktischen Bedeutung solcher Beschlüsse wie der des. Heidelberger Waffenringes müssen wir uns mit allen Mitteln gegen sie wehren im Hinblick auf die infame und infamierende Deklassierung die ganz schlechtweg dem jüdischen Studenten, ob er K. C. er ist oder nicht, zuteil wird. Über die Überheblichkeit der Herrschaften braucht man sich nicht aufzuhalten. Die Zeit wird kommen, wo die große Masse des deutschen Volkes die Herrschaften, die in dem Waffenring zusammengeschloffen sind, als das nicht bloß gelegeirtlich bezeichnen, sondern auch mit vollem Bewußtsein der Bedeutung des Wortes behandeln wird was sie sind, als einen Hort der politischen Reaktion und als einen Krebsschaden für die deutsche Außenpolitik: Denn in der übrigen, für den Gang der Weltpolitik entscheidenden Welt gibt es nichts, was unser Vaterland so schädigt wie die politische Haltung gerade der akademischen Jugend, soweit sie in den antisemitischen Korporationen zusammengeschlossen ist. In denen weiß man freilich nicht,

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