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KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 10-12 · p. Seite 144

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 10-12
Date
1921-07-01
Page
Seite 144 (sequence 10)
Language
German
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erfolg ist Errungen worden — und nun erhebt sich auch für uns die Schicksalsfrage: Stehen wir angesichts der neuen gewaltigen antisemitischen Hochflut nach 35 jähriger Kampfes arbeit wieder Vor dem Nichts? Stehen wir am Scheidewege, non dem aus wir zu neuen Wegen und Zielen weiterschreiten müssen oder verliert sich unser Weg nach allen Kämpfen für jüdische Ehre und deutsches Judentum in die Leere, in das Dunkel der Resignation und des nihilistischen Pessimismus? Die Antwort auf diese Fragen rührt cur den Sinn unseres Verbandes. Eine Schöpfung aus der jüdischen Not der damaligen Zeit sind wir vor 35 Jahren gewesen, aus der Überzeugung heraus geboren, daß nur aus unseren jüdischen Reihen selbst uns Hilfe und Rettung erstehen müsse, daß große Ziele nur ans eigner Kraft der Verwirklichung näher geführt werden können, daß nach dem Fichte'scheu Wort verloren. ist, wer sich nicht selbst zu helfen weiß. Das Prinzip der jüdischen'Selbsthilfe hat durch den K. C. seinen betonten Ausdruck erfahren. Der Zusammenschluß von selbstbewußten deutschen Juden zum Kampf für das Recht, zum. Kampf ftir ein volles, ungeschmälertes Staatsbürgertum des deutschen Juden ist das unbestreitbare historische Verdienst des K.C. Wir haben als jüdische Studenten den Kampf in der Studentenschaft geführt, weil er uns hier unmittelbar als bitteres Erlebnis in die Erscheinung trat und weil von der deutschen .Studentenschaft und ihren Korporationen einst die Ströme hinausliefen, die in die Sammelbecken der führenden Beamtenhierarchie im alten Obrigkeitsstaat hineinmündeten. Den Antisemitismus in der Studentenschaft bekämpfen, hieß damit, ihn auch für das spätere öffentliche Leben bekämpfen. Die Übernahme der studentischen äußeren Formen als Kampfesmittel ist uns in der Hauptsache notwendiger Weg zu unserem Eirdziel gewesen. In die Formen studentischen Lebens gossen wir eignen Geist, die Couleur wurde uns zur Trutzfarbe unseres stolz zur Schau getragenen: jüdischen Kämpferwillens, der Säbel zur jüdischen Waffe, um den Antisemitismus mit eignen Waffen aufs schärfste zu treffen. Wir haben uns auf kiefern unseren Wege nicht durch Schlagworte und Schwärmereien blenden lassen! Die große Waffe der Aufklärmrg und Belehrung in Ehren! Wir haben ihr in unseren Reihen Rechnung getragen durch eine Erziehung unserer Mitglieder auch zu innerlich gefestigten Juden, aber es heißt das Wesen des Antisemitismus verkennen, wollte man allein mit her Fackel der Aufklärung seine Dunkel zu verscheuchen suchen. Niemals hat an der Wiege des Antisemitismus das Ethos als Pate gestanden, niemals haben ihn sittliche Leitmotive geführt, niemals ist er mit dem Appell an die Moral und die Vernunft allein siegreich bekämpft worden. Wie der Antisemitismus in seiner wahren Gestalt von trüben Wässerchen einer selbstsüchtigen, mehr oder minder verhüllten Gewaltspolitik gespeist Worden ist, so wird er zunächst auch nur durch Gegengewalt in Schranken gehalten und eingedämmt werden können. In dieser Erkenntnis wurde bei uns die Waffe geschwungen, nicht zur Erhaltung und Pflege verzopfter Sitten, sondern um unserer Gegenwart und Zukunft willen, aus diesem Bewußtsein heraus wurde dem Kampf mit äußeren und veräußerlichten Mitteln geführt, die unser Idealismus und unsere Liebe für die jüdische Sache als deutsche Angelegenheit adelte und weihte. Ein Tendenzverband sind wir stets geblieben, den: korporativer Zusammenschluß wirksamere Vertretung unserer Tendenz bedeutete, in welchem Farben, Verbindungsleben und Mensurdisziplin besondere Existenzberechtigung erhielt als Waffen in unserem Kampfe um unser Recht als deutsche Juden. Das Leben und Einsühlen in diese Tendenz, unser Kampf um unser Recht blieb nicht Jugenderinnerung, die mit ben Tagen froh durchlebter Studentenjahre verwelkte und mit dem Eintritt in das Tretrad des Berufes dahin hing, diese Tendenz ward uns immer mehr Weltanschauung, in der die Synthese zwischen Deutschtum und Judentum in Harmonie zusammenfloß gleich wie dem Klassizismus Deutschland und Hellas in edelster Geistesehe verschmolz. Wir haben sie hinausgenommen in unsere Mannesjahre, unsere Alten und unsere Heranwachsenden haben sie hineingetragen in die Organisationen des deutschen Judentums, und wenn der Gedanke der jüdischen Selbstbestimmung und jüdischen Selbsthilfe heute Leitstern aller führenden Verbände der deutschen Juden und über sie hinaus der jüdischer Gesamtheit geworden ist, so darf der heutige 35jährige K.C. von historischer Geburtsstätte stolz sie grüßen als Geisteskinder seirtes Geistes, als Ströme, die von seiner Quelle entsprungen ist, von jener Quelle, die in einer Wüste erstickendsten Antisemitismus und beschämenden jüdischen Jndifferentismus hier in Breslau vor 3'/- Dezennien zu sprudeln begaim. Meine Damen und Herren! In diesem Rückblick liegt Ausblick und liegt die Antwort auf die Frage nach der Berechtigung und nach der Fortsetzung unseres Existenzkampfes. Sind wir aus der antisemitischeil Bewegung der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts heraus einst geboren, so müßtelr wir jetzt, wenn wir nicht weiterkämpften, von neuem geboren werden, da eine schwärzeste antisemitische Woge wie tonnt je zuvor von neuem alle Kämpfer für unser deutsches Recht und für unsere jüdische Ehre auf den Plan ruft. Wie in den Gründerzeiten des K.C. schreit

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