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KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 10-12 · p. Seite 143

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 10-12
Date
1921-07-01
Page
Seite 143 (sequence 9)
Language
German
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Seftrefee ZUM 20 jährigen Stiftungsfefte her tburlngia. Von Privatdozent Dr. Felix Rosenthal (Thur). Meine Damen und Herren! Es ist; keine Zeit Feste zu feiern. Eine neue Wunde hat der deutsche vergewaltigte Volkskörper in diesen Tagen erhalten, die Vei Uns nicht verheilen wird und die auch bei den nachkommenden Generationen sich nicht schließen wird: Oberschlesien ist verstümmelt. Die- Träume von einem. Bölkerfrühling, in welchem einst nach der Vision des großen deutschen Franzosen Romain Rolland die feindlichen Nationen zu einen: ewigen Friedenslenz in umfassender Mienscherrverbrüderung zusammenschmelzen sollten, sind in ein Nichts zerstiebt, und die Furie des Krieges, die wir in einem Meer von Blut und Völkerleid erstickt glaubten, hebt von der Ferne wieder ihre brennende Fackel. Dürfen wir Feste feiern als Deutsche, dürfen wir Feste feiern als deutsche Juden? Meine Damen und Herren! Wir haben Sie nicht allein zu einem Feste gerufen. Auch das jüdische Leid ist zu groß, als daß ein jüdischer Kampfverband, wie wir ihn darstellen. Feste um ihrer selbst willen zu feiern berechtigt wäre. Nur eine höhere Idee kann einem solchen Feste in solchen Zeiten deutscher Not und jüdischen Leids innere Berechtigung geben und es hinausheben über eiW flüchtige, rasch verrauschende und verwehende! Eintagsfreude zu einer bleibenden eindrucksvollen Erinnerung. Was wir mit diesem heutigen Feste wollen, sei ein Echo und eins Antwort und ein Bekenntnis gegenüber dem inneren Feind, gegenüber Schmutz und Verleumdung, mit denen uns ein haßerfüllter Lügenfeldzug begeifert hat trotz aller Toten, trotz der Söhne, Väter und Gatten, die als Blutzeuge:: für das deutsche Vaterland dahingegangen sind. Wenn der Asphalt des Berliner Stadions widerhallt von dem Paradeschritt derer, die das Ehrenkleid des alten ruhmreichen Heeres, das auch wir getragen haben, zum Plunder hetzerisches Parteipolitik erniedrigen, wenn die deutsche Studentenschaft sich! zu ehrabschneidenden und verleumderischen Wühlverbänden und -Tagungen zusammenschließt, so mag heute vor Ihnen unser junger jüdischer Heerbann aufmarschieren, allen Zweifelnden und Zagender: unter uns zur Ermutigung und zu neuen Hoffnungen für eine glücklichere Zukunft! — Unerhörtes und kaum Faßbares geschah in diesen Jahren, Werte sind umgewertet- Götter fielen von ihren Postamenten, Völkerschicksale wurden zum Ballspiel haßerfüllter Politik und aus den Trümmern des äußeren und inneren Zusammenbruchs sog das Gespenst des tausend- : jährigen Judenhasses neue Nahrung und trat 4 blühende Saaten konfessioneller Verständigungen und Ausgleiche vernichtend zusammen. Es ist nicht hier unsere Ausgabe, dein Quellen -- dieses Judenhasses nachzugehen, er ist da und erhebt sein Medusenhaupt, daß man erstarrend sich hinter mittelalterliche Mauern . - zurückgeworfen fühlt. Seine Drachensaat schießt auf allen Feldern des öffentlichen Lebens, er tritt uns 'entgegen auch auf unserem eignen akademischen Boden, doppelt gefährlich, weil er sich* j hier in wahren Orgien entfesselt und weil er in einer studentischen Masse glüht, die einst. dem Volke die Führer zu geben berufen ist. Man hat unsere Frauen, unsere Mütter und Töchter mit farbigen Weibern verglichen, man hat uns unsere durch die Geschichte und das geflossene Blut be-; siegelte Zugehörigkeit zur deutschen Volksgemeinschaft bestritten, man hat uns die persönliche Ehre zu nehmen versucht und mit echt antisemitischem Heldenmute vorsichtigerweise auch die Waffe geraubt, mit der wir uns früher kraftvoll geschützt haben. So haben auch wir in dem allgemeinen Zusammenbruch auch einen Zusammenbruch unserer besonderen Hoffnungen und Zukunststräume erlebt, der manchen von uns wankend machen konnte. Wir haben einen drei Jahrzehnte langen Kampf, den wir mit. dem Idealismus unsererStudentenjahre gegen den Antisemitismus in der Studentenschaft mit heißem Herzen und kraftvoller Masse geführt haben, verloren. Aber dies Fest sei Ihnen ein Zeugnis, daß nicht Resignation durch die Adern unseres Verbandes rollt, daß Mser alter Kampfgeist weiterlebt und daß wir der: Kampf weiterzufirhren gewillt sind mit dem alten Geiste, mit der Fülle jüdischen Stolzes, mit nei:en Hoffnungen, mit neuen Formen "bis zu jener Zeit hin, von der auch Gabriel Rießer geträumt hat, da die Menschen sich nur nach! Menschen- - : würde, aber nicht mehr Mstammung und Konfession sich scheiden: Einst haben wir durch unseren Kampf in der : deutschen Studentenschaft gehofft, den Antisemitis- ' mus ins Herz Lu treffen. Cs galt für uns, jüdische Aufklärungsarbeit an der Quelle zu leisten, durch offensichtlichen, selbstbewußten Zusammenschluß jüdischer Studenten dem christlichen Kommilitonen die Überzeugung beizubringen, daß das Märchen der Minderwertig- ' keit des deutschen Juden vor der Wirklichkeit in Nichts zerrinnt. Die jüdische Couleur mit ihrem Bekennermut, die jüdische Abwehrschneidigkeit in - .Versammlungen und auf dem Mensurboden, das waren unsere Waffen Nach außen, mit denen wir Unseren Gegnern Achtung, Nachdenklichkeit und auch Furcht gelehrt haben. Manche Kleinarbeit ist geleistet worden, manch' wichtiger Anfangs- * -

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