KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 10-12
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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. 1 1 . .. 1. i ■■ ■■ ■■ . 1 Unsere Glaubensgerwssen haben <m der Entwicklung Oberschlesiens einen hervorragenden Anteil. Die größten Jndustriemüernehmungen verdanken Juden Gründung und Gedeihen, große blühende Gemeinden weisen ein jüdisches Leber: von nicht gewöhnlichem Umfang und bemerkenswerter Tiefe auf, führende Geister jüdischen Blutes in Rechtsleben, Verwaltung, Wissenschaft, Handel und Industrie stammen aus Oberschlesien. Auch der K. C. hat dort festen Fuß gefaßt, eine ganze. Reihe von tüchtigen mrd tätigen älteren Verbandsbrüdern kam aus dem Jndustriebezirk, und an jungem Nachwuchs ist kein Mangel. So bedeutet der Verlust des Landes nicht nur vom allgemeinen deutschen Stlmdpunkt eine fast unerträgliche Einbuße, sondern auch unsere engeren Kreise als' Juden und K. C, er sind schwer betroffen. Wir deutschen Juden empfindeir des Vaterlandes Unglück, empfinden den Verlust deutschen Bodens, der so vielen von uns Heimat ist, ganz besonders schwer. Draußen tobt gewiß die Meute der Judenfeinde, die ihren Haß über das Interesse des Landes stellten und in schwerster Zeit Zwietracht säten, die uns aber nicht irre machen kann und wird. Ein Volk erhält sich durch seine Hoffnung und seine Tat. Im Bewußtsein seiner inneren Kraft hofft das' deutsche Volk auf seine Zukunft, die ihm im Rate der Völker den wegen seiner Fähigkeiten ihm zukommeirden Platz wiedergibt, die mit dem chauvinistischen völkischen Nationalismus sausräumt, die den Anspruch auf ein Land lediglich vonder in ihm' geleisteten Kulturarbeit abhängig macht. Und die Tat, die diese Zukunft erbaut, wird auch von dem Willen der deutschen Bürger jüdischen Glaubens getragen sein. Der Verlust Oberschlesiens ist ein furchtbarer Schicksalsschlag! Er kann nur überwunden werden durch die Einigkeit aller Glieder des! deutschen Volkes, durch die auf dieser Grundlage geleistete Arbeit. Als im Jahre 1871 die äußere Einheit errungen war, folgte der gewaltige friedliche Aufschwung, der den Neid der ganzen Welt erregte. Gelänge es zu ihr noch die innere Einheit zu erringen, so brauchte man um den neuen Aufbau im Sinne friedlicher Kulturarbeit nicht bange zu sein. Wir deutschen Juden werden gewiß unseren Mann stehen und in heißer Liebe zu unserem Vaterlande unsere Pflicht tun. Trotz des Traurigen, unter dem wir leiden, glauben wir an die Zukunft Deutschlands, weil wir an den Sieg der Vernunft, des Rechtes und der Liebe glauben. „Deutschland hat ewigen Bestand, es ist ein kerngesundes Land." G. wir und öeneral Ludendorkk. Bon Dr. Ludwig Holländer (Lic.), Vorsitzendem d. Geschäftsführenden Ausschusses d. K.C. Ich betitle die folgenden Ausführungen absichtlich nicht „General Ludendorff und wir". Denn wir sind es gewesen, die Anlaß nehmen mußten, mit General Ludeiüwrff in Korrespondenz zu treten. Der Inhalt dieser Korrespondenz spricht für sich selbst. Das Schreiben des Geschäftsführenden Ausschusses.an General Ludendorff hat folgenden Wortlaut: Euer Exzellenz! Der Unterzeichnete Verband sieht seine Aufgabe darin, die deutschen Studenten jüdischen Glaubens in vaterländischem Sinne zu erziehen und dem Antisemitismus, wo immer er ihn im deutschen Hochschülleben findet, durch freies Bekennen und mannhaftes Auftreten entgegenzuwirken. In dieser Richtung ist er seit Jahrzehnten und nunmehr fast ai: allen deutschen Hochschulen tätig. Auf dem vor einigen Wochen abgehaltenen „Erlanger Studententag" traten vor allem die Vertreter der „deutsch-arischen" Studentenschafteil Österreichs für die Ausstoßung der deutscheil Studenten jüdischen Glaubens aus den Reihen der deutschen Studentenschaft ein und befürworteten die Bildung von Soirderausschüssen für die Studierenden „jüdischer Nationalität". Die Hochschulblätter der „Vossischlen Zeitung" (Nr. 394 vom. 23. August 1921) brachten pt in dem „Ludendorff und die Arierfrage" betitelten Aufsatz die Mitteilung, daß Eure Exzellenz den Vorsitzenden der deutsch>-arischen Studentenschaft der Universität Wien ermächtigt hätten, eine Erklärung zu veröffentlichen. Eure Exzellenz hätteri sich „über die Haltung der deutscher: Studentenschaft Deutsch-Österreichs, besonders irr den völkischen Fragen, am Erlanger Studententage sehr gefreut." Diese Worte aus dem Munde Eurer Exzellenz könnten nach Lage der Sache zu der Vermutung Anlaß geben, als ob Eure Exzellenz nicht lediglich die nationale Haltung der deutschen Studentenschaft Österreichs, sondern die ober: dargelegten Bestrebungen auf unseren Ausschluß besonders begrüßt hätten. Das können und wollen wir nicht glauben. Im Kriege hat der Unterzeichnete Verband m Reih und Glied mit den anderen dem Vaterlande seine Opfer gebracht. Bon .seinen 1300 Mitgliedern (einschließlich der Alten - Herren) haben 1025 dem Heere, 935 dem Feldheere angehört. Von diesen sind nach den bisherigen statistischen mittlungen 102 gefallen, obwohl Vio Mediziner waren. Eine große Anzahl hat sich große Aus-