KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 121 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Ehrlichkeit gebietet, das in' ltttfe.rer Satzung zunr Ausdruck zu bringen. Mit derselben Gelassenheit wie die friiheren Verleunidungen werden wir nun die Anpöbeleien der K. C.-Blätter und ähnlicher jüdischer/ Studentenzeitungen zu tragen wissen. „Anpöbeleien der K. C.-Blätter." O 3anetn simplicitsL! Wir haben den Herren vorn A. D. B. ein wenig liebevolle Aufmerksamkeit gewidmet und sind ihrer Entwicklung von der paritätischen „Judenverbindung" (Neo-Germania!) bis zum heutigen Radauantisemitismus (vgl. die heutige Auswahl aus der Rede des Herrn Dr. Wolfs) nachgegangen. Das ist ihnen offenbar sehr unangenehm; die Wahrheit ist eben zuweilen peinlich: Und weil sie noch dazu auf der anderen Seite, der sie sich so brav anzupassen, trachten, noch immer nicht für ganz voll genommen werden, sind sie reizbar und verstimmt. Und schimpfeit! Auf die „Anpöbeleien der K. C.-Blätter!" So ähnlich wie das kleine Kind, das wegen einer Ungezogenheit bestraft worden ist, aus sicherer Ferne seinem gepreßten Herzen Lust macht. Auch j ü d i s ch e Studenten haben zur Judenfrage Stellung genommen. In der Bayerischen Hochschule vom 30. April 1921 schreibt Kurt Zarek ein „Wort an die Deutsch-Völkischen", das wir wegen der typisch falschen Einstellung im Wortlaut wiedergeben wollen: „Wie viele Menschen auch unter den Nachwirkungen des Krieges und des „Friedens" leiden niögen, seelisch zuni mttidesten leidet wohl niemand so schwer, wie der Student jüdischer Abstammung, der nicht nur deutsch sich nennt, der deutsch denkt und deutsch fühlt und dem für Deutschland leben und arbeiten zu können größtes Glück bedeuten toürde. Zorn und Haß erfüllt ihn, wie alle anderen, gegen, die, die uns versklaven und vernichten wollen, aber: man verwehrt es ihm, sich, wie die anderen vorzubereiten aus den Tag der Freiheit und der Befreiung; — und was ihn, wie viele andere, aufrecht erhält, das ist der Glaube au eine glücklichere und stolzere deutsche Zukunft, an ein starkes, sittliches, von deutschen! Geiste mächtig belebtes Volk — aber: man macht es ihm immer und immer wieder, und deutlich genug, klar, daß dieser sein Glaube, daß diese seine Hoffnung nicht überbrücken können die Kluft, die sich zwischen den Rassen aufgetan: Die Feinde Deutschlands betrachten und behandeln ihn als einen Deutschen, doch er — der lieber Hungers sterben, denn, als „Jupe" und also Nicht-Deutscher, das Brot der Feinde Deutschlands essen möchte, muß es erleben, daß zu gleicher Zeit Deutsche ausgefordert werden, auch ihn als ihren Feind zu betrachten, als einen Eindringling, als einen, — der, lediglich geduldet — durch keine Tat des Deutschen Achtung, des Deutschen Liebe je sich erwerben könne. Sv zwischen zwei Lagern stehend, bekämpft von beiden Seiten, wird er — je nachdem, tvas für ein Mensch er ist, — erst innerlich zerrissen, dann gleichgültig allen Dingen gegenüber, die nicht seine unmittelbarsten persönlichen Interessen berühren, dann hämisch, verbittert, wankelmütig, unzuverlässig, ein Agitator, ein Intrigant, — und so ganz das, was nran von jeher an ihm zu sehen glaubte: — oder aber: seine Kräfte werden wachsen in der Not, der sittliche Mensch wird in ihm erwachsen, und er wird, ohne Menschenfurcht, für das eintreten,- tvas er für recht hält; „nicht um des. Nutzens', sondern, um des Segens willen" (Hegel), nicht um der äscheren, der nicht-jüdischen Gegner oder um der Juden, willen, sondern um seiner Seele willen! Und wenn es ihm gelungen fein wird, seine „Leser" zum Nachdeicken zu zwingen, wenn es ihm gelungen sein Witt», die, die jung sind und deren Tat-Handlungen und Überlassungen das Schicksal Deutschlands, das Schicksal der ganzen. Welt mitbestimmen werden an der Schwelle des wehenden dritten Jahrtausends, veranlaßt zu haben, zu denken, zu prüfen, zu wägen, zu urteilen, dann zu richten: gerecht, nicht in einem wehleidigen und schulmeisterlichen, wohl aber in einem hohen Sinne des Wortes, in einem Sinne, der größere Dauer verbürgt, denn blinde Gewalt — dann wird ihm dies Lohn genug sein. Wir erleben eine Weltenwende! Vorbei ist die Zeit des manchesterlich-liberalistischen Interregnums, vorbei jene weltanschauungslose schreckliche Zeit, vorbei auch die Herrschaft einer nicht einer Weltanschauung entwachsener! Geisteswissenschaft um ihrer selbst willen, — ein neues Ethos will uns erfüllen: ein neuer diesseitiger lebendiger Mythos fordert schöpferische. Gestaltung, die Wirtschafts- und Gesellschafts-Zivilisation ist abgetan, die Epoche einer neuen Kultur beginnt, einer Kultur des Menschen?Seins und der .Gemeinschaft, einer Knltur basiert vor allem auf Technik (als dem Ausdrue des Willens zur Überwindung der Natur) und aus Sport (als Aufruf des neuettvachten Willens zur Mensurhastigkeit), aber von mittelalterlicher Geschlossenheit und Schönheit! Dieses altes fühlt die deutsche Jugend, sie fühlt es, während die „Fortschritts"- und „Freiheilsmänner'' Eugen Richterscher Art, die gesegnet mit Haus- und sonstigem Besitz, in Stadt- und anderen Parlamenten thronen, die Gebetsmühle ihres Parteiprogranrms weiter drehen: sie fühlt es, während viele Ältere ideen- und instinktlos und nicht mehr im Einklanx mit dem Wollen unserer Zeit, glauben, es sei alles beim alten geblieben! S i e fühlt es und sucht nach neuen Männern, neuen Führern, neuen Werten. In diesem Sinne ehre und achte ich die deutsch völkische Bewegung, auch wenn, und trotzdem, sie gegen mich ist, in diesem Sinne scheint mir die deutschvölkische Bewegung eines der Anzeichen dafür zu sein, daß Deutschland, in der Zeit von Herder bis Hebbel die Seele der Welt, aus langer geistiger Lethargi' erwacht; in d i e s e m Sinne wäre ich sicherlich deutschvölkisch, wenn ich nicht Jude wäre. Da ich aber Jude bin, muß ich mich wehren, d. h.: ich muß meinen Gegnern meinen Glauben begreiflich zu machen versuchen, meinen Glauben, den ich zusammenfasse in die Worte: auch e i n I u d e k a n n d e u t s ch s e i n, in diesem neuen und hohen Sinne, in diesem Sinne der Zukunft! Ihr behauptet: die Rasse entscheidet. Wir . haben nichts gemein mit denen, die eingewandert sind aus den: Morgenlande. I ch entgegne: Seit mehreren hurrderten von Jahren wohnen meine Vorfahren auf deutschem Boden. Wir atmen dieselbe Luft und Deutschlands Himmel wölbt sich gemeinsam über uns, Deutschlands Erde wart auch meine Heimatserde, denn nicht nur in deutscher. Städten wohnen wir zusammen, wir ersteigen die- , selben Berge und durch Deutschlands Fluren wandern wir wie ihr. Wir sprechen dieselbe Sprache. Wir lieben dieselben Dichter und die Gedanken der deutschen Denker denken wir gemeinsam nach. Sollte dies alles; gar nichts bedeuten? .. .