KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 119 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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überwiegende Meinung in meinen Korps —zu unfern Besten rechne, so kenne ich junge israelitische Deutsche genug, die vorm Feinde wie in geistiger Betätigung bewiesen haben, daß. sie so gute 'Deutsche sind als nur irgendein Bollblutgermane. Diese Kräfte aus unfern Reihen ausschließen, ist eine Ungerechtigkeit und — verzeih mir. Hoher Kösener, wenn du kannst! — eine Torheit dazu. Dieser schematisierende, generalisierende! Geist fordert mich, wo immer ich ihm begegne, zu schärfstem Widerspruch heraus. Er scheint mir auch! ein Fleck auf dem verheißungsvollen Bild der jungkorpsstudentischen Bewegung. Es ist Unfug, von „dem Juden", „dem jüdischen Geist" zu reden. Den gibt es so wenig, wie es „den Deutschen" und „den deutschen Geist" gibt. Überall gilt das Sprichwort meiner Heimat: „Es gibt solche und — so'ne" . . Und die gebildete Jugend germanischer Abstammung wird eines Tages inne werden, daß der geistige und gesellschaftliche Pogrom eine ebenso barbarische Waffe ist wie der Pogrom der Straße. Das jüdische Problem wird, wie alle andern großen Kulturfragen, nur im Sinne des Christuswortes gelöst werden können: „Laß dich nicht das Böse überwnrden, sondern überwinde das Böse mit Gutem ..." Es ist eigentlich.schwer zu verstehen, warum nicht jeder Mensch, der noch vernünftig denken und gesund entscheiden kann, einen ähnlichen Standpunkt einnimmt, mit detn man sich ja gewiß nicht in allen Einzelheiten zu identifizieren vermag, der aber das Bestreben nach. Objektivität ebenso verrät wie wahres deutsches Interesse. Freilich geht die Mehrheit von ganz anderen Gesichtspunkten aus, und typisch ist der Artikel, mit dem der von seiner Ostjudenbroschüre herbekannte antisemitische Schriftsteller Geheimrat Georg Fritz in der „Deutsches Zeitung" vom 1. Juli die Schwenkung der Korps begrüßt. Er sagt u. er.: Die Entwicklung der deutschen Korps umrde mitbestimmt durch den geschichtlichen Gegensatz zur Burschenschaft, dem man'durch das satzungsmäßige Verbot aller politischen Bestrebimgen der Korps als solcher eine grundsätzliche Bedeutung geben wollte. Das Verbot, war klug und heilsam, insoweit es die Korps vor parteipolitischem Mißbrauch bewahrte; es ivar schädlich im höchsten Grade, irrdem das Bekenntnis und schließlich sogar die Zugehörigkeit zum Deutschtum von den Mitgliedern unter dem Vorwände nicht gefordert wurde, daß dies ja Politik treiben hieße. So kam man dazu, auch undeutsche, fremdblütige Stirdeuten in das Korps aufzunehmen. Ztvar schützte ein gesunder Rasseinstinkt vor der allzu häufigen Aufnahme von Juden; aber mit deren Eindringen in die Kreise des höheren Bürgertums und des Adels erlangten ihre Täuflinge und Mischgeburten Zugang gerade in die gesellschaftlich wählerischen Korps. Und wo sie hinkamen und mit ihrem Geld und ihrer Vordringlichkeit Eindruck machten und Einfluß, erlangten, da schwand, die derbe Romantik der alten Burschenherrlichreit vordem Gespött dieses anmaßenden Stutzertums dahin. Ei n solcher Jüngling hat in manchen Korps die Lebenshaltung so verteuert, daß Nicht mehr die Söhne der alten Herren aus dem Beamten- und Bürgerstande, sondern hauptsächlich die Goldjugend aus jenen östlich gerichteten Kreisen den Nachwuchs lieferten. —Man ist versucht, in dieser Durchsetzung einer so urdeutscheu, waffenfryhen, überlieferungsfrommen Gemeinschaft mit ftemdblütigen Elementen, deren händlerischen Anlagen dieses - Wesen doch im Grurrde zuwider sein mußte, einen Teil des jüdischen Gesamtplanes zu erblicken, das deutsche Volk' in seiner Wurzel zu verderben Die heutige Pöbelherrschast unter Judas Führung zeigt den äußerlichen Erfolg des im übrigen mißlungenen Anschlages: Denn weite und immer weitere Kreise unseres Volkes haben mit der Erkenntnis des Feindes die Entschlußkraft gewonnen, ihn innerlich zu überwinden und aus allen ihren bürgerlichen und öffentlichen Gemeinschaften auszuschließen. Auch die deutschen. Korps haben endlich die Gefahr und ihre Aufgabe erkannt rrnd damit den Weg gefunden zu dem stillen und entschlossenen Heere des wahren, heute gebundenen und verwaisten, aber auch in der kaiserlosen, der schrecklichen Zeit seiner Zukunft sicheren Vaterlandes. Bereits auf dem Kongreß Pfingsten 1920 hatte der Kösener 86, die höchste Instanz der deutschen Korps in seiner Verfassung bestimmt, daß er bezwecke, „durch Pflege vaterländischer Sitte und Art, durch Fernhaltung alles Unsittlichen und Undeutschen dem Baterlande zu dienen" und hierzu einstimmig erklärt, daß „diese Fassung der Statuten die Aufnahme von Juden ausschließt. Eine solche Stellung war natürlich den anderen und ihrem novemberdemokratischen Gefolge unangenehm und so unbequem, daß die ausgerechnet in Frankfurt a. M. erscheinende amtliche „Deutsche Korpszeitung" von den langen, den Kern der Tagung bildenden Verhandlungen über diese Judenfrage nichts berichtete, noch selbst die darüber gefaßten Beschlüsse veröffentlichte! Auf dem Pfingstkongreß 1921 hat dann der Kösener 86, um ferneren Mißverständnissen wegen des Begriffes „Jude" ein Ende zu machen, bürwig erklärt: „Hierbei (d. h. bei dem Arrfnahmeverbot von Juden) ist nicht die Religion, sondern die Abtzamnrung entscheidend. Ein Mischling gilt als Jude, wenn eins seiner vier Großeltern ungetanster oder getaufter Jude war oder wenn es sich sonst herausstellt, daß er jüdischer Abkunft ist" (gemeint ist mit der Schlußstelle ejne uneheliche Abkunft). Von diesem allen im K. 86 vereinigten Korps, bindend auferlegten Judenausschluß wurden natürlich die noch vorhandenen jüdischen Mitglieder nicht betroffen. Die oben gekennzeichnete „D. K.-Z." hatte im Machest 1921 zur Tagesordnung des K. 86, „aus der Fülle des Beratungsstoffes nur das mitgeteilt, was des allgemeinen korpsstudentischen Interesses sicher ist" und dabei nnederum die zur Judenfrage gestellten Anträge rücksichtsvoll verschwiegen. Und im Juniheft widmet sie den.oben erwähnten Beschlüssen, welche einen Werrdepunkt in der Geschichte des deutschen Korps bedeuten, nicht ganz fünf Zeilen: und beweist damit nicht nur die Bestürzung, sondern auch den fortdauernden Einfluß gerade der Kreise, aus deren Umgarnung sich das zum völkischen Bewußtsein gelangte Korpsstndententum befreien will. Es beruhige sich reicht bei seinen Beschlüssen, sondern wache, daß sie nicht verdeutelt und umgangen und schließlich zu geeigneter Zeit beseitigt werden! Nun ist es heraus! Das Leben in den Korps war luxuriös und teuer. Warum? Nur durch die Schuld der Juden l Korps, in denen.das, Ariertum sich ziemlich rein erhielt, wie beispiels^ weise die adlige Bonner „Borussia", waren ja als spottbillig verschrieen! Oder wollte Fritz, vielleicht zart berühren, was Philipp Staufs im Semigotha „nachgewiesen" hat, daß nämlich Wilhelm H. von Juden abstammt und daß demnach er und sein Sohn, die beide die Korpsschleife der