KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 116 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Beschluß. § 12 Abs. 3 bet neuen Erlanger Verfassung bestimmt, daß, wenn 12 Studentenschaften gegen einen Beschluß eines Studententages innerhalb einer bestimmten Frist Einspruch erheben, ttne sofortige Neuabstimnmng zu erfolgen hat. Dieser Einspruch ist erhoben, aber genau wie in Erlangen rveiß man auch jetzt noch, keine sachlichen Gründe gegen diesen Beschluß airzuführen. Deshalb wirb einfach behauptet, daß der Studententag .,,überrumpelt" worden wäre. Nur ein deutsch-völkisches Hirn kann es vielleicht nicht fassen, daß man 6 Tage und 6 Nächte in Ausschüssen und im Wemun aus einem deutschen Stüdententage vom national-kultuxellen Prinzip gesprochen hat! Als wenn man nicht schon in Erlangen die alten Ladenhüter vorgeholt hätte! Das national-kulturelle Prinzip ermögliche, so sagt man, die Aufnahme von Ostjuden (deren Zahl selbst an der Berliner Universität wohl noch nicht 150 übersteigt)! Entweder man ist deutscher Sprache, Geschichte und Kultur, dann kamr man eben ausgenommen werden, auch als Jude, oder man stammt aus Kongreß-Polen oder Galizien, dann ist man eben nicht durch deutsche Geschichte und deutsche Kultur mit dem deutschen Volke verbunden! Nur die Wut darüber, daß all die fadenscheinigen, deutschvölkischen Einwendungen noch rechtzeitig in Erlangen durchschaut wu,rben, macht den Lügenfeldzug begreiflich, der jetzt überall gegen diesen Beschluß durch Wanderredner und Flugblätter geführt wird. Deutsche Studenten jüdischen Glaubens, seid auf der Wacht! Kommilitonen, die nichts besser und schlechter sind als wir, will man wieder aus der reichsdeutschen Studentenschaft Hinausstoßen! Jüdische Deutsche, die reichsdeutsche Staatsbürger sind, wagt man aus opportunistischen Gründen noch nicht ausznschließen. Pecunia non ölet! ddoch wollen jene Kreise nicht begreifen, daß sie durch diesen Hieb auch Men die wirtschaftlichen Beschlüsse des Erlanger Studententages ankämpfen. Oder will man etwa für die „Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft e. V.", die ja auch Nichtakademiker als zahlende Mitglieder aufnimmt, das Staatsbürgerprinzip und für die ,-Studentenschaft" das Nasseprinzip gelten lassen? Das in Erlangen so fein gesponnene deutschvölkische Netz ist beute eilt schier unentwirrbarer Knoten. Für uns deutsche Studenten jüdischen Glaubens gibt es nur einen Weg, der zur Wiedervereinigung aller deutscher Studentenschaften aus der Grundlage des nationalkulturellen Prinzips führt. Wassermanns vekenninisduck und wir! Bon Dr. Ernst Hochschild - Frankfurt a. M. (Frib.-Ghib.k Im Frühjahr dieses Jahres wurden wir durch die Ankündigung eines Buches überrascht, dessen -Titel schon uns K. C. er außerordentlich berühren mußte: des Dichters Jakob Wassermanns.Bekenntnisschrist im Verlage von S. Fischer: „Mein Weg als D e u t s ch e r u n d a l s I u d e." Wir, die wir selbst den Weg durchs Leben, als Deutsche und als Juden zu schreiten haben, und das Problem seit Jahren mit uns selbst, mit Zionisten und Antisemiten auseinandersetzen, mußte es schon vor der Lektüre in hohe Spannung setzen, daß ein dem Verbände ganz Fremder, ein Individualist, ein weithin als Menschenschilderer bekannt gewordener Schriftsteller den Versuch wagte, in aller Öffentlichkeit unser Problem zu erörtern, das auch das seine wurde. Ich schreibe hier das Wort „P r o b l e m" nur mit Zögern hin; denn für uns ist es von Hause ans gar kein Problem, Deutscher und Jude zu sein. Wir sind es einfach, ohne daß sich Deutschtum und Judentum dabei im Wege stehen und eiimnder wehe tun, wie es. auch kein Problem ist, seines Vaters und seiner Mutter Kind zu sein. Erst Wellen, die von außen her anschlugen, ließen uns in unserer Herkunft einen problemhaften Dualismus erblicken, als Antisemiten unser Deutschtum, und Zionisten unser Judentum anzweifelten, während doch die Tatsache unserer Einheit kraft Gefühl und Wille bestand. Aber die ständigen Auseinandersetzungen nach außen und nach innen gefährdeten die angeborene Sicherheit und suchten Uns in einem Punkte skeptisch zu machen, der ohne den Anstoß zu bilden, nie problematisch geworden-wäre. Das schildert auch Wassermann in dem Buche als sein Haupterlebnis, daß er von Natur aus ganz naiv war und sich als Deutscher und Jude nie problematisch gefühlt hätte, wie man ja auch Deutscher und Katholik, oder Engländer und Jude sein kann, ohne davon Aufhebens zu machen. „In aller Unschuld war ich überzeugt gewesen/ ich sei deutschem Leben, deutscher Menschheit nicht bloß zugehörig, sondern zugeboren. Ich atme in der Sprache . . . Sie ist mir vertraut, als sei ich von Ewigkeit her mit diesem Elemente verschwistert gewesen." Ein Ausbruch, der von Rießer herrühren könnte. Nur das Vorurteil der Welt, der stupide, das Einfachste nicht begreifende Antisemitismus störten die angeborene Sicherheit seines Gefühls. Er ivar Jude als der Sproß seiner Ahnen, geboren in einer der ältesten Judengemeinden Deutschlands in Fürth. Er war D e u t s ch e r kraft der Landschaft, in der er auswuchs und die ihn formte, kraft der Sprache, die der künstlerische Ausdruck seiner Schöpfungskraft wurde. Doch seine Naivität wurde schon durch die trüben Schicksale der Jugend, durch den Anhauch der christlichen Umwelt gestört. Und während sonst der Mensch in seiner Qual verstummt, gab ihm ein Gott zu sagen, wie er leidet. Er der schwerblütige, durch widrige Familienverhältnisse und Armut früh zum Mißtrauen gezwungene Knabe, der tiefempfindende Hin- und Seworfene Jüngling, der Mann, der seinen terberuf erkannte, wurde ins tiefste getroffen und fühlte schreiendes Unrecht, da man in ihm nicht den Volldeutichen anerkennen wollte, wo doch sein künstlerisches Ausdrucksnnttel die deutsche Sprache war und