Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 114

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 114 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268931-2268935--2764-2271935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

114 HMist aber ausgeschlossen, ivenn die Verbindungen '-'durch ihre Stellungnahme in dauernden M^GÄmsatz Kur Partei setzen. Noch gefährdeter sind die paritätischen Ber- Wbünde. Sie, die ebenfalls nationale Ziele der Kor- A?poration immer anerkannt haben, stehen vor der ' Frage, ob sie die völkische Phrase auch mit- . machen wollen und damit ein Grundprinzip des Verbandes aufgeben wollen, oder ob sie sich aus.sich selbst beschränken wollen. Beide Wege sind begangen worden. Der A. D. B. hat sich die in gleicher Weise wie die 4 großen Verbände zu eigen gemacht und mit der Annahme völkischer Ideale einen Strich unter seine Vergangenheit gemaO, der B. C. aber hat durch ' die Vereinigung mit den nationalfreiheitlichen 'Burschenschasten Österreichs versucht, sich die Basis auf dem Boden der alten Gedanken zu verbreitern. Überblicken wir die so entstandene Lage, so finden wir ein trauriges Bild. Die Studentenschrft ist in sich zerrissen, in wesentlichen SDeileit zerworfen mit dom Staat und mit dem Volk und so stark mit sich selbst beschäftigt, daß sie für höhere Aufgaben weder Sinn noch Zeit hat, erstickt in den Staubwolken flüchtiger Parteikämpfe. Das sind die Reste einer stolzen Bewegung. Auch' die neuen Gemeinschaftsformen auf freideutscher Grundlage sind nicht geschaffen, eine Besserung herbeizuführen, weil ihnen der Sinn für die Allgemeinheit fehlt und sie an einem übertriebenen Individualismus kranken. Die konfessionellen Verbände sind durch innere politische Gegensätze in ihrer Macht geschwächt. Die Gesundung der deutschen Studentenschaft wird nicht, davon abhangen, in welcher Form der Staat regiert wird. Sie ist gebunden an die Erkenntnis, daß es der Geist ist, der die Form erfüllt und nicht die! Form den Geist mit sich bringt, sie ist geknüpft an das Kommen der Einsicht, daß die ganze deutsche Studentenschaft wieder eine feste Einheit bilden muß und politische Kämpfe sich außerhalb der Hochschule abzuspielen haben, die weit entrückt sein müßte von allem Parteigezänk und völkischem Dogma. Erst wenn die deutsche Studentenschaft in jedem an- . deren Studenten zunächst den Kommilitonen und!. erst dann den Gegner sieht, wird auch der Geist der Universität wieder so werden, wie ihn die Würde einer deutschen Hochschule erfordert. Der K.C., der immer bestrebt gewesen ist, studentischkorporative Ideale mit politischen Zielsetzungen Mürdig zu verbinden, hat stets dieses Ziel vor Augen gehabt und er wird es weiter verflögen, iv- - als eine nationale Pflicht im überparteilichen Sinn. Vom Crlanger Studententag. €ln Rückblick und Ausblick. Von Hermann Goldmann (Spr.-Frib.). In dem schmucken Frankenstädtchen Erlangen kamen im Juli d. I. die von den Hochschulen Deutschlands, Deutse^Österreichs und der Sudetenländer zum 4. deutschen Studententag entsandten Vertreter zusammen, um in ernster Arbeit zu den Aufgaben Stellung zu nehmen, die die „Deutsche Studentenschaft" als Organisation in diesen Zeiten nationaler und studentischer Not zu erfüllen hat. Trotz der Fülle des Stoffes, der auf dem Studententag zur Beratung stand, suchte man keineswegs sich einer eigentlich, als selbstverständlich anmutenden Zurückhaltung in Fragen zu befleißigen, die schon durch ihre rein agitatorische Behandlung geeignet sind, jede sachliche und ersprießliche! «Arbeit unmöglich zu machen: Wer erwartet hätte, daß alle diejenigen, die sonst draußen so gern von der „Volksgemeinschaft" und von der Einigkeit sprechen, auf dem Studententage der Polksgesamtheit ein gutes Beispiel geben würden, hätte sich bitter getäuscht! Stand doch auf diesem vierter deutschen Studententag erneut die sogenannte deutsch-völkische Frage in einer ganz unverhättnismäßigen Breite zur Debatte, versuchte man doch abermals, mit allen Mitteln und Mittelchen einer rücksichtslosen Agitation zu dem ersehnten Ziele zu konnnen! Eine geschickte Regie hat es verstanden, durch einleitende Referate einen geeigneten Resonanzboden für jene Theorie zu schaffen, die in wohlgefälliger Selbstüberhebung sich das Recht anmaßt, der Abstammung eines deutschen Studenten in der ihr eigentümlichen Weise nachzuforschen, die vanUubel in richtiger Erkenntnis als „Bettschnüffelei" gekennzeichnet hat. Dieser so fein eingefädelte Faden wurde durch einen Antrag weitergesponnen, dm das Kreisamt Graz, d. h. also die Vertretung derjenigen deutschösterreichischen Studenten, die auf den Nachweis nichtjüdischer Abstammung leinen besonderen Wert legen, gestellt hat, .um durch eine Verpflanzung der segensreichen..Grazer Zustände auf Reichsdeutschland dem Anschlußgodanken eine praktische Auswirkung zu geben. Dieser Antrag sollte dem bisherigen, allerdings unhaltbaren Zustande, der durch die Göttinger Verfassung von 1920 geschaffen war, durch eine radikale Lösung ein Ende bereiten. Die Zusammensetzung der „Deutschen Studentenschaft" war bislang, nämlich dergestalt geregelt, daß Mitglieder alle Studierende deutscher Staatsangehörigkeit waren; für auslandsdeutsche Studierende in Deutschland und für die Hochschulen Deutsch-Österreichs und der Sudetenländer galt aber das sogenannte Rasseprinzip. Um diesen unseligen Dualismus zwischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.