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KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 113

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 113 (sequence 23)
Language
German
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118 . ' ... ■ ■ ■■'■■■■ - ■' ■ an der Selbstverwaltung der Studentenschaft. Dmrn aber kam die Revolution. Wilde Studentenräte entstanden imd fegten die alten Ausschüsse und Einrichtungen hinweg. Daß die endgültige Neubildung der Selbstverwaltungskörper weder in dieser noch in der alten Richtung' erfolgen konnte, war eine Selbstverständlichkeit. Aber das: Wie? blieb im Anfang ein Tasten und Fühlen ohne festes Ziel. Das eine Ziel, um das es der Studentenschaft damals ging, war die Fernhaltung der Politik von der Hochschule, um damit die Eigenart der Universität nicht dem wilden Kampf des Tages zu opfern. So entstanden im Winter 1918/19 die Studentenvertretungeu unter dem Gesichtspunkt der Fakultätswahl tntb unter hochschulpolitischen Parteibilduirgen. Daneben bestanden als selbständige Parteien die Korporationen, aber die Bildung der Vertretungen erfolgte fast durchweg im Wege der Verhältniswahl, erst freiwillig und nach der Bildung der -deutschen Studentenschaft durch den einigenden allgemeinen Studententag in Würzburg im Sommer 1919 obligatorisch'. Bald zeigte sich jedoch, daß unter der fortschreitenden Politisierung der Studentenschaft und namentlich der Korporationen zu politischen Verbindungen die Fernhaltung der Politik aus den Vertretungen nicht mehr möglich war. Die Studentenvertretungen wurden aus „Wirtschästsräten" zU „Reichstagen". Ermöglicht wurde diese Einrichtung dadurch, daß die Selbstverwaltung durch!gesetzt.und organisiert war und so die Vertretungen ohne die politischen Fragen an einem gewissen Mangel an Aufgaben krankten. Den Stein ins Rollen brachten hierbei die Korporationen. Das nationale Moment in ihnen setzt sich mehr und mehr als Ziel der Verbindung; aber für die studentische Politisierung genügt nicht allein das „Was", auch das „Wie" spricht mit. Es tauchte tu ausgesprochen parteipolitischer Färbung auf mit festumrissenen Zwecksetzungen, vermischt mit wirtschaftlichen Motiven. Der Korporationsstudent in seiner breiten Masse sah sich durch die Ereignisse in seiner Eigenart bedroht und blickte rückwärts auf die vergangenen Tage als erstrebenswertes Ideal. Die wirtschaftliche Notlage war gerade diesen Kreisen, die durch die auf die Universität gekommenen entlassenen Offi- ,iere, die besonders zurückgedrängt waren,. verstärkt wurden, vollkommen fremd gewesen. So kam es, daß sich' die Verbände, die früher die Politik lairgsam äbgestreist hatten, die Erneuerung vergangener Zeiten als Ziel setzten. Blieb der V.D.St. nur seiner alten Parole: Für Kaiser und Reich Iren, so ist es für die anderen Verbände ein zur .Erhaltung ihrer Eigenart und zur Sicherung ihrer Existenz erstrebtes Ziel, das alte Reich wieder erstehen zU lassen. Der Korporationsstudent sieht nicht und prüft nicht, inwieweit durch die Folgen des Krieges die bestehende Lage hervorgerufen ist und wie weit eine solche Wiederherstellung von Form und Sitte , überhaupt möglich oder gar zweckmäßig ist. Das dies geschehen kann, ist ftir diese Kreise heute wie damals eine Selbstverständlichkeit, ein Dogma, an das man glauben muß. Hiermit ist die grundsätzliche Gegnerschaft zu der herrschenden Staatsform gegeben, wenigstens der Kreise der Studentenschaft, die hinter den großen studentischen schlagenden Verbänden und hinter dem V.D.St. stehen, damit aber, leider auch die völlige Lostrennung von dem politisch entgegengesetzten Teile der Arbeiterschaft, die nunmehr erst recht in Farben und Schläger den geborenen Feind erblicken zu müssen glaubt. In eine schwierige Lage kamen hierdurch die wissenschaftlichen, konfessionellen und paritätischen Verbände, denn die Lage wurde noch verwickelter durch die Verbindung des nationalen Gedankens j mit dem völkischen.! Die Stellung des K. C. wird durch diese Sach-- | läge klar vorgezeichnet. Ohnehin bewahrt ihn - - seine Vergangenheit vor parteipolitischer Mn-! düng. Für ihn hat die Form studentischer Sitten j stets einen höheren Sinn gehabt, für ihn war es -! eine. Selbstverständlichkeit, daß wahrhaft natio- ~ J| nales Empfinden nicht an die engen Schranken einer Partei gebunden werden kann. Dieser Schwierigkeit waren jedoch die kon- . 1 sessionellen Verbindungen ausgesetzt. Mit dem 1 Verebben des Kulturkampfes, mit der Versöhnung 8 von Maat Und Kirche und der Beseitigung der j| Reibungen mit den schlagenden Korporationen 1 halten sie ihre Tendenz praktisch' wesentlich auf- . | gegeben. Nun trat in ihre Reihen der gleiche | Gegensatz wie in die anderen Verbände und es | entstand für sie die Frage, ob die christliche Zielj setzung ausreichend sein würde, um diese Reibungs- J flächen harmlos erscheinen zu lassen. In einigen | Verbänden, namentlich im K. V. scheint dies ge- . \ langen zu sein. In den anderen aber scheint, *| soweit aus den Zeitschriften der letzten beiden Jahre hervorgeht der Kampf recht stark gewesen zu sein und, wenn auch eine politische Bindung der einzelnen. Verbände im Sinne des oppositionellen, völkischen Ideals nicht' als solche erfolgt ist, so ist sie doch vielfach wemgstens in den einzelnen Verbandskorporationen unleugbar vorhanden. Die staatspolitischen Nachwirkungen einer solchen studentischen Stellungnahme können ungemein wichtig werden,, denn die katholischen Verbände' sind tw'ch vom Kulturkampf her auf das innigste mit dem Zentrum verbunden, das durch seine! Teilnahme an der Regierung für die bestehende Staatsform sich mit ganzer Kraft einsetzt. Die Fortsetzung eines solchen Bündnisses

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